Integration und Medien

Das Bild vom bösen Fremden

Die Deutschen kommen in ihrem Alltag eher wenig mit Minderheiten wie Migranten in Berührung und greifen oftmals auf medial vermittelte Bilder zurück. Im Neuen Rathaus wurde deshalb diskutiert, welche Rolle Journalisten für die Integration spielen.
Frau mit Kopftuch
Auch wenn Geflüchtete im Stadtbild sichtbar sind, wird das Bild von ihnen in den Medien geprägt.

An der Konferenz mit dem Titel "Medien, Migration und Integration – der Weg zur inklusiven Gesellschaft?!" nahm unter anderem die sächsische Integrationsministerin Petra Köpping teil. Sie fordert eine ausgewogenere Berichterstattung über die Themen Integration und Geflüchtete. Die bisherige Darstellung sei Köpping zu negativ:

Es werden die Fälle herausgegriffen, mit denen man ein negatives Bild malen kann.

Petra Köpping, Sächsische Integrationsministerin

Dabei zeige Köpping zufolge die große Mehrheit der Geflüchteten den Willen, sich zu integrieren und die deutsche Sprache zu beherrschen. Zudem bemängelt sie, dass weiterhin mit hohem Maß berichtet wird, obwohl die Anzahl der ankommenden Geflüchteten zurückgegangen ist. Dennoch betont Köpping die Bedeutung des Themas, denn allein in Sachsen kamen dieses Jahr 8.000 Geflüchtete hinzu.

Umdenken bei Journalisten gewünscht

Auch Kefa Hamidi, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Universität Leipzig, bestätigt die tendenziell negative Darstellung von Migranten in den deutschen Medien. In seinem Forschungsgebiet, der Kommunikationswissenschaft, seien zahlreiche Studien zu diesem Ergebnis gekommen. Er betont aber, dass man nicht alles auf einmal ändern könne. Als mögliche Lösung werde oft vorgeschlagen, mehr Journalisten in Migrationshintergrund einzustellen. Hamidi sieht aber eher ein größeres, strukturelles Problem, das sich auf allen Ebenen durchzieht. Denn auch Journalisten mit Migrationshintergrund haben nur einen begrenzten Handlungsspielraum. Hamidi plädiert deshalb eher für Aufklärung und Bildung:

Langfristig müssen Journalisten sensibilisiert werden, da es um ein gesamtgesellschaftliches Thema geht.

Dr. Kefa Hamidi, Kommunikationswissenschaftler an der Uni Leipzig

Sie müssten lernen, Migration nicht mehr als Einzelthema zu behandeln, sondern als gesellschaftliches Thema wie Frauen oder Menschen mit Behinderung zu begreifen. Zudem wünsche er sich einen besseren Umgang mit Sprache. So sollten Journalisten Wörter mit negativer Besetzung wie beispielsweise "Flüchtlingswelle" vermeiden. Dennoch sieht Hamidi eine einsetzende Entwicklung. So würde das Thema häufiger in die journalistische Ausbildung einbezogen und  Migrationsorganisation würden sich auf dem Themenfeld engagieren.

Hören Sie hier das komplette Interview mit Dr. Kefa Hamidi nach:

Ein Interview mit Dr. Kefa Hamidi.
1011 IV Hamidi

Neue Art des Journalismus

Ein Ansatz zur Verbesserung des medialen Bildes von Migranten könnte der konstruktive Journalismus sein. Dieser möchte ein realistischeres Weltbild vermitteln, wie Juliane Metzker vom Magazin "Perspective Daily" erklärt. Oft sei Journalismus an Problemen orientiert, die andere Seite der Problemlösung fehle dann. Doch investigativer Journalismus zum Beispiel soll dabei nicht wegfallen, sondern ergänzt werden. Außerdem würden zu oft extreme Gegenpunkte dargestellt, wobei ihr Zwischentöne fehlten:

Medien sollten mehr Perspektiven abbilden.

Juliane Metzker, Journalistin bei Perspective Daily

Denn genau diese empfindet sie gerade beim Thema Migration als bereichernd. Problem des konstruktiven Journalismus ist die Finanzierbarkeit, erzählt Metzker. Werde kein funktionierendes Bezahlsystem gefunden, könne auch kein Medium betrieben werden, das sich um solche ergänzenden Bilder kümmert.

Weitere Informationen zu diesem Thema hat Redakteur Florian Barth:

mephisto 97.6 Redkateur Florian Barth im Gespräch mit Moderator Nico van Capelle
1011 SG Migration und Medien
 

Kommentare

Schon der Eingangssatz ist m.E. falsch. Auch wenn "Einheimische" und "Migranten" im Privatleben überwiegend unter sich bleiben, haben sie als Kollegen, Dienstleister und Kunden zwangsläufig täglich mit sich zu tun. Und um welche Migranten handelt es sich eigentlich? Der in meiner Stadt geborene Kollege türkischer Abstammung, der lokal gesehen mehr Einheimischer ist als ich (da zugereist), kann für die Zuwanderer so wenig sprechen, wie ich. Desweiteren habe ich nicht den Eindruck, das nur negativ berichtet wird (man denke an die Berichte über von Flüchtlingen abgelieferte Geldbeträge), noch, das nur die wie auch immer zu definierenden Einheimischen zu Wort kommen. Und schließlich haben im Zeitalter der sozialen Netzwerke die offiziellen Medien ohnehin ihr Informationsmonopol verloren. Ach ja und noch was: Zu recht beklagen sich immer mehr Journalisten mit sog. Migrationshintergrund, das sie automatisch auf Migrantenthemen abonniert werden.

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Isabell Bergner
10.11.2017 - 19:13