Frisch Gepresst

Das Appetithäppchen

Mit dem Album "Don't You Think You've Had Enough?" geht das Schwesternduo Bleached auf Entdeckungstour und nimmt seine Hörer in 12 Songs mit auf eine Reise von Rock'n'Roll zu Pop zu Country und wieder zurück.
Das Duo Bleached
Bleached

Rockstar sein - das verbindet man noch immer mit exzessiven Live-Auftritten, verqualmten Backstage-Räumen und berauschten Partynächten. Auch das Schwesterduo Bleached verfiel dieser romantisierten Vorstellung - bis sie sich fragen "Don't You Think You've Had Enough?" - "Denkst du nicht du hast genug?". Diese Frage wurde wohl zentral für sie, denn beide schwören dem Alkohol ab, nüchtern aus und gehen so ihr Leben und ihre Musik mit einem neuen Fokus an. Da liegt die Namensgebung ihrer neuen Veröffentlichung nur nahe: mit "Don't You Think You've Had Enough?" veröffentlicht die Band ihr drittes Album, das irgendwo zwischen Punk, Country und Pop schwebt. 

Noch auf der Suche

Bleached klingen verändert - das lässt sich auf dieser Platte kaum leugnen. Während die bisherigen Veröffentlichungen der Band lautem, schrillem Punk gewidmet waren, versuchen sich die beiden Künstlerinnen nun an etwas poppigeren Tönen. Das wird schon bei dem Opener "Heartbeat Away" klar, der stellenweise an "All That She Wants" von Ace of Base erinnert. Danach zieht sich der Upbeat durch das Album, Songs wie "Daydream" schreien einem schon fast tanzbar! entgegen. Die neue Ausrichtung von Bleached überrascht zu Beginn - läuft aber schnell Gefahr, langweilig zu werden. Kurzzeitig hat man Sorge, die Schwestern hätten sich in der Suche nach ihrem Sound ein wenig verlaufen. Das liegt aber nicht nur an den Melodien, sondern auch an den Texten der Platte.

"Hard To Kill" besingt die vergangenen Nächte des Rausches und dass die Protagonistin trotz allem noch immer da ist. Das Potenzial, einen ziemlich interessanten Song zu schaffen wird durch die Angst vor ehrlichen, greifbaren Momenten verspielt. In anderen Songs arbeitet man Themen ab, die von vornherein nicht gerade revolutionär sind: "Rebound City" lässt sich als offener Brief an einen Lückenbüßer verstehen, in "Daydream" möchte sich die Protagonistin einbläuen, nicht weiter dem Typen nachzuträumen. Doch als das Album Gefahr läuft, in die Belanglosigkeit abzudriften, kommen sie endlich: die ehrlichen Momente. Zweistimmig wird das "Silly Girl" besungen, dass den Absprung einfach nicht schaffen will, in "Real Life" erkennt die Sängerin, dass das nun mal ihr Leben ist, dass das aber auch in Ordnung ist. Krönender Abschluss der Platte ist "Shitty Ballet": über weite Teile des Songs besteht die Instrumentierung lediglich aus einer Akustikgitarre. Diese minimalistische Begleitung lässt den Stimmen des Duos den Vortritt und sie schaffen es, echte Verletzlichkeit zu vermitteln. 

Die große Stärke der kleinen Momente

Das Album kündigt eine neue Ära für Bleached an. Sie lösen sich aus den Genregrenzen des Punks und probieren sich aus. Auch wenn dieses Experiment auf "Don't You Think You've Had Enough?" nicht durchgängig funktioniert, bietet es doch spannende Momente, die es zu entdecken gilt. Die Künstlerinnen schaffen es in Songs wie "Real Life" und "Shitty Balett" ihre Zerbrechlichkeit für sich zu nutzen und erschaffen so die ehrlichsten Momente der Platte. Wenn das Duo darin seine Stärke erkennt, dürfen wir noch großes von ihm erwarten. Damit liegt die große Leistung der Platte darin, neugierig zu machen und hoffentlich einen Vorgeschmack auf das zu geben, was da noch kommen mag.  

 

 

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Theresa Graf
16.07.2019 - 12:00
  Kultur

Bleached: Don't You Think You've Had Enough?

Tracklist:
  1. Heartbeat Away
  2. Hard To Kill
  3. Daydream
  4. I Get What I Need
  5. Somebody Dial 911
  6. Kiss You Goodbye
  7. Rebound City
  8. Silly Girl*
  9. Valley to LA
  10. Real Life*
  11. Awkward Phase 
  12. Shitty Ballet*
Erscheinungsdatum: 12.07.2019
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