Männlichkeit

Darüber spricht man(n) (nicht)

Männer haben es heutzutage nicht leicht. Frauenquote, Gender, Missbrauch – in unterschiedlichsten Zusammenhängen sind es für gewöhnlich die Männer, die schlecht wegkommen. Ein Podcast widmet sich jetzt der Männlichkeit in der Postmoderne.
Plüschdübel
Männerkitsch

Wann ist ein Mann ein Mann? Diese Frage, die Herbert Grönemeyer 1984 in seinem Song „Männer“ stellt, hat seitdem kaum an Relevanz verloren. Im Gegenteil. Sie scheint aktueller denn je. In Zeiten von MeToo-Debatte und der Bekanntmachung von Missbrauch in der Katholischen Kirche etwa, richtet sich der Blick explizit auf Männer. In jenen Fällen Täter, denen Frauen oder Kinder als Opfer gegenüberstehen, die jetzt mit ihren Gefühlen an die Öffentlichkeit treten. Eine Form des Feminismus. Die Gefühlswelt der Männer bleibt unterdessen häufig unerwähnt, haben Ansgar Riedißer und Max Deibert festgestellt. Insbesondere sei ihnen eine große Anzahl an alten Männern aufgefallen, die sich zu Feminismus äußerten.

Und wenn Männer sich äußern, dann immer nur so alte Männer, die Angst haben, dass jetzt sie nichts mehr sagen dürfen, aber dafür dann die Titelseite der ZEIT kriegen.

Angsar Riedißer, Podcaster

Wie zum Beispiel der Journalist und Publizist Jens Jessen. „Der bedrohte Mann“ lautet die Überschrift seines Artikel, mit dem er viele Diskussionen ausgelöst hat. Seine persönliche Abrechnung mit der MeToo-Debatte kündigt sich schon im Leitsatz an: "Es geht dabei längst nicht mehr um Gleichberechtigung, sondern um den Triumph eines totalitären Feminismus."

Eine Sprache finden

Einige Tage nach Veröffentlichung reagiert er auf die mitunter heftige Kritik. Dabei beschäftigt sich Jessen insbesondere mit der Frage, ob Provokation tatsächlich das richtige Mittel für zeitgenössische Debatten sein kann.
Was es bedeutet, im wahrsten Sinne des Wortes „seinen Mann stehen“ zu wollen, bewegt auch Ansgar Riedißer und Max Deibert. Viele Männer hätten augenscheinlich den Eindruck, der Feminismus verbiete ihnen den Mund. Die Studierenden möchten ausdrücklich zeigen, dass dem nicht so ist.

Oder zumindest auch einfach mal erforschen, woher diese Argumente überhaupt kommen, welchen Ursprung sie haben könnten, wie man generell über das Thema noch anders sprechen kann, außer in irgendwelchen Zeitungen darüber abzuranten.

Max Deibert, Podcaster

Erlebtes nutzbar machen

Kurzerhand haben die beiden deshalb einen Podcast ins Leben gerufen, den sie liebevoll „Männerkitsch“ getauft haben. Themen für die monatlich erscheinenden Folgen beziehen sie aus ihrem Alltag. Profane Dinge wie Poster oder ein Erlebnis in der Tram können beispielsweise Auslöser für ein Thema sein. Die Stimmung, in die konkrete Geschehnisse sie bringen, nehmen sie mit in ihr Gesprächsformat.

Es sind meistens Situationen, die einer Mehrheit der Menschen nicht unbekannt sein dürften. Bei der Entscheidung darüber, inwieweit sich ein Thema in der Tat für den Podcast eignet, geht es immer wieder auch um eines:

Ist das eigentlich ein Männerproblem? Oder was ist das?

Ansgar Riedißer, Podcaster

Welche Rolle die eigene Männlichkeit dabei spielt, beantworten Ansgar und Max durchaus unterschiedlich. Das sehen sie allerdings als Mehrwert für ihren Austausch darüber, weil sie sich selbst und gegenseitig befragen können. So sei eine Komponente des Formats Selbsthilfe, meint Max augenzwinkernd. Es soll aber perspektivisch vor allem das Publikum bereichern.

Life is live

Neben den Online-Folgen treten die beiden deshalb zunehmend auch offline auf. So können Interessierte persönlich mit ihnen ins Gespräch kommen. Themen gibt es ja mehr als genug, sind sie überzeugt. Und zu verkaufen wissen sie sich auch. Auf die Frage, aus welchen Gründen es sich dringend empfiehlt, zu einer Live-Veranstaltung zu kommen, antworten die beiden unverzüglich und regelrecht in Performer-Attitude:

Ansgar: Max ist das schlagende Argument. Er ist witzig, eloquent...

 

Max: ...und sexy, sehr sexy.

Für den Augenblick freuen sich die Podcaster, mit immer wieder neuen Themen zu immer wieder neuen Fragen zu gelangen –oder auch alte Fragen neu zu diskutieren.

Der Beitrag zum Nachhören:

Ein Beitrag von Frauke Siebels
Podcast "Maennerkitsch"
 

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Den Podcast MÄNNERKITSCH könnt ihr hier hören.

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