Uni Leipzig

Damoklesschwert über der Archäologie

Der Professur für klassische Archäologie an der Universität Leipzig steht die Streichung bevor. Dennoch sollen auch im kommenden Wintersemester Neuimmatrikulationen in das Fach möglich sein. Mittelfristig steht es trotzdem weiter auf der Kippe.
Gipsabruck im Antikenmuseums
Gipsabdruck im Antikenmuseum
Ein Beitrag von mephisto 97.6-Redakteur Leonard Schubert, gesprochen von Hannah Burmeister
0203 Archäologie

Auch im kommenden Wintersemester können sich Interessierte in den Studiengang Alte Archäologie an der Universität Leipzig einschreiben. Das gab heute der Fachschaftsrat Archäologie bekannt. Dass es auch im Wintersemester 2016 Archäologie-Erstsemester geben wird, ist keineswegs selbstverständlich. Bereits 2014 teilte das Rektorat mit, dass im Institut für klassische Archäologie bis 2017 drei Stellen inklusive der zugehörigen Professur abgebaut werden sollen. Mit den Kürzungen reagiert die Uni Leipzig auf die bereits 2011 beschlossenen Sparvorgaben der Landesregierung.

Verhaltene Freude

Folglich teilte der FSR Archäologie mit, man freue sich über die Weiterführung des Studienganges im kommenden Jahr. Die Freude fiel allerdings verhalten aus, da die Zukunft des Instituts weiter unsicher bleibt. Die Personalkürzungen stehen nach wie vor im Raum, was ein Weiterbestehen des derzeitigen Lehrbetriebs nach 2017 fraglich erscheinen lässt. Derzeit finden Gespräche mit dem Rektorat statt. In der Diskussion sind unter anderem die Einrichtung einer Juniorprofessur und eines neuen integrativen Studienganges „Archäologie, Sprachen und Geschichte alter Kulturen“. Dieser soll zusammen mit den Fächern Alte Geschichte, Ägyptologie, Altorientalistik, Klassischen Philologie, Byzantinische und Neugriechische Philologie sowie Alttestamentlicher Wissenschaft organisiert werden.

Diese Pläne werden im betroffenen Institut äußerst kritisch gesehen, auch vom wissenschaftlichen Mitarbeiter Hans Peter Müller. Er gibt zu bedenken, es sei noch offen, welchen Anteil die klassische Archäologie in diesem Studiengang bekommen wird. Müller ist Kustor des Antikenmuseums, das über eine der ältesten Original- und Gipsabguss-Sammlungen verfügt und ebenfalls vom Lehrstuhl betreut wird. Auch in diesem Zusammenhang sieht er die Einrichtung einer Juniorprofessur kritisch:

Ob eine Juniorprofessur den Studiengang inhaltlich erfüllen kann, ob sie Promotionen betreuen kann, ob sie parallel dazu noch das Antikenmuseum mitführen kann, ob sie es inhaltlich mittragen kann mit Öffentlichkeitsarbeit, Sonderausstellungen und dergleichen, das kann ich mir im Moment nicht vorstellen.

Kultureller Kahlschlag

Ebenso wie das Museum hat auch der Studiengang in Leipzig eine lange Tradition. Er reicht bis in das 18. Jahrhundert zurück und ist der einzige seiner Art in Sachsen. Deshalb befürchtet Müller einen kulturellen Kahlschlag in Folge der Kürzungen. Die geplanten Stellenkürzungen in der Archäologie sowie in anderen „kleinen“ Fächern wie den Theaterwissenschaften hatte in der Vergangenheit immer wieder für Proteste gesorgt. Erst im Dezember hatten sich der FSR Archäologie und Mitarbeiter des Instituts in einem offenen Brief an die Rektorin gewandt.

Archäologie Protest
Die Sorge um den Lehrstuhl Archäologie besteht seit längerem.

Arbeit für die Zukunft der Archäologie

Von Seiten der Universität wird versichert, man wolle die Klassische Archäologie am Standort Leipzig halten. Die bereits beschlossenen Stellenkürzungen könnten allerdings nicht rückgängig gemacht werden, so Pressesprecher Carsten Heckmann. Er verwies darauf, dass noch keine Entscheidungen über das künftige Konzept getroffen wurden. Weiter sagt er:

Wir arbeiten jetzt gerade für die Archäologie an einer Zukunft an der Universität Leipzig.

 

Kommentare

Beschämend für das von Frau Schücking geführte Rektorat ist in diesem Fall vor allem, dass seit ihrer Bekanntgabe der Schließung des Instituts für Klassische Archäologie 2014 (die bereits als bloßer Entschluss ohne Vorankündigung und ohne jegliche seriöse Begründung dem Institutsleiter Herrn Cain mitgeteilt wurde) keinerlei Einbindung der Institutsmitarbeiter in eine Entscheidungsfindung über die Zukunft oder die Umgestaltung des Instituts erfolgt! Selbst an simpelster Information fehlt es diesbezüglich. Eine demokratische oder auch nur ansatzweise transparente universitäre Arbeitsweise ist dem Leipziger Rektorat unter der Ägide Schücking so unbekannt wie die Bestreitung der Geburtstagsfeier der Rektorin ohne Verwendung öffentlicher Gelder. Frau Schücking sollte ihre folgenden Geburtstage möglichst fernab von Leipzig begehen. Damit wäre dann der ganzen Universität sehr geholfen.

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