Konzertbericht

Coppelius hilft

Coppelius kommen direkt aus dem 19. Jahrhundert. Zumindest kleiden sie sich so. Statt Gitarre und Bass benutzt die Musikkapelle für ihre Metal-Musik Cello, Kontrabass und Klarinette. Am Donnerstag spielten sie im Werk 2 und wir waren natürlich dabei.
Coppelius im Werk 2
Coppelius im Werk 2

Erwartungen

Dies wird mein bereits drittes Konzert von Coppelius. Auch wenn in ihren Texten oft Horrorszenarien wie Mord oder Hinterlist behandelt werden, sind die Konzerte nicht so düster – abgesehen von Kleidung und Make Up. Das "verehrte Auditorium" spielte bei den bisherigen Live-Auftritten eine große Rolle. Coppelius kommunizieren viel mit den Zuschauern, reißen Späßchen und gemeinsam wird die Musik gefeiert. Mit dieser Tour möchte sich die Band von den Clubbühnen verabschieden. Ich bin gespannt, ob sich das auch auf die Stimmung von Musikgruppe und Publikum auswirkt.

Erster Eindruck

Auch im Publikum haben sich wieder so einige Menschen versammelt, die Kleidung im Stil des Viktorianismus oder Steam Punk tragen. Es ist immer wieder faszinierend, sich die ganzen liebevoll zusammengestellten Outfits anzuschauen. Dann wird der Saal dunkel und ein Mann betritt die Bühne, der sich als Herr von Aster vorstellt. Statt einer Vorband hat sich die coppelianische Musikkapelle dazu entschieden, eine Lesung stattfinden zu lassen. Um den Publikum eine kleine Nachhilfe zu geben, was vermeintlich ausgestorbene Tierarten, wie dem Schneckerling oder dem Kerlhuhn angeht. Der Wortwitz mit viel schwarzem Humor kommt bei den Zuschauern zu Beginn noch gut an. Auch längere Prosatexte reihen sich in der Lesung mit ein und nach und nach verliert ein Teil der Zuschauer an Geduld und Gespräche stellen sich ein. Eigentlich eine originelle Idee, die am Ende wegen der Länge von einer guten Dreiviertelstunde nicht ganz aufgeht. Schließlich kamen die Leute, um zu hüpfen und laut mitzusingen, statt sich auf eine Lesung zu konzentrieren.

Musik

Mit Cello, Kontrabass, Schlagzeug und Klarinetten haben Coppelius einen unverwechselbaren Sound. Metal mit klassischen Instrumenten klingt vielleicht seltsam, doch es funktioniert wunderbar. Die Setlist bot ein ausgewogenes Best-of der Diskographie. Von jedem der fünf Alben gab es die bekanntesten Lieder, sodass die meisten eigentlich kein Lieblingslied missen dürften. Von "Rather Be Dead" über "Schöne Augen" bis hin zur Single-Auskopplung "Moor" vom Album aus dem letzten Jahr war, zumindest für meinen Geschmack, alles Wünschenswerte dabei – rundum gelungen.

Show

Coppelius waren auch auf diesem Konzert wieder sehr nah am Publikum - manchmal sogar mittendrin. Zum Beispiel wollte Diener Bastille das musikfreie Crowdsurfing ausprobieren. Dies endete jedoch nach einigen Sekunden schon sehr abrupt: "Stopp. Zurück! ... War es für Sie genauso intensiv wie für mich?". Auch stellte Comte Caspar eine musikalische Revolution vor. Sechs quergespannte Saiten auf einem Blech. Das Instrument hat er selbst gebaut. Bloß an dem Namen scheitert das Patent noch. Der Vorschlag "Gitarre" aus den vorderen Reihe wird abgewiesen und auch einige Mitglieder von Coppelius zeigen sich skeptisch. "Quergespannte Saiten werden sich nie durchsetzen!" Also wieder zurück zu Cello und Kontrabass.

Solche Momente ziehen sich durch die gesamte Show und machen jedes Konzert wieder zu etwas ganz Besonderem. Gute zwei Stunden spielte die Berliner Band und gab dabei Vollgas. Das begeisterte Auditorium rief am Ende dementsprechend natürlich "Da Capo" statt "Zugabe". 

 

Was in Erinnerung bleibt

Trotz des Abschieds von der Clubbühne Leipzigs war die Stimmung immer heiter. Die richtige Sentimentalität zeigt sich vielleicht einfach beim Auftakt der Tour noch nicht. Die Zuschauer sangen mit, lachten viel und tanzten ausgelassen. Nichtsdestotrotz gab es herzergreifende Momente gab es bei Balladen wie "Sternenstaub" oder "Ade Mein Lieb". Fazit des Abends: Das Motto der Musikkapelle "Coppelius hilft!" bewahrheitet sich wieder einmal.

 

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Karo Kafka
23.09.2016 - 14:48
  Kultur