Demonstrationen

Connewitz drohen brennende Barrikaden

Vielen Leipzigern dürften die gewalttätigen Ausschreitungen in Connewitz im Dezember 2015 und Januar 2016 in Erinnerung geblieben sein. Nun drohen sich Straßenschlachten und brennende Barrikaden in Conneweitz und der Südvorstadt zu wiederholen.
Brennende Barrikaden
Auf Indymedia fanden sich auch Bauanleitungen für Molotow-Cocktails. Hier: Brennende Barrikaden im Dezember 2015.

Bereits im Januar kündigte die rechtsradikale Partei „Die Rechte“ an, unter dem Motto „Heimat erhalten – Familien fördern – Zukunft gestalten“ am 18. März erneut in Connewitz demonstrieren zu wollen. Der Aufmarsch werde gegen Mittag beginnen und bis in den frühen Abend dauern. Der Demonstrationszug führt vorrausichtlich zwischen Kurt-Eisner-Straße, Karl-Liebknecht-Straße, Arno-Nitzsche-Straße und Zwickauer Straße entlang.

Antifa ruft zu Gegenprotest auf

Neben dem Aktionsnetzwerk „Leipzig nimmt Platz“ hat nun auch die Leipziger Antifa zum Gegenprotest aufgerufen. Sie hat weiterhin die Verteilung eines Flyers angekündigt, der vor allem an die in Connewitz und der Südvorstadt betroffenen Anwohner gerichtet sei. Der Flyer, der unserer Redaktion vorliegt, informiert sowohl über die geplante Demonstration der Rechtsradikalen als auch über Möglichkeiten des Gegenprotests. Das Flugblatt enthält weiterhin die Aufforderung an die Anwohner, ihre Haustüren während der Demonstration offen zu halten, um den Gegendemonstranten im Falle von gewalttätigen Auseinandersetzungen mit Neonazis oder Polizisten, Rückzugs- und Fluchträume zu ermöglichen. Besonders brisant ist der Aufruf, am Tag vor der Demonstration Sperrmüll auf die Straße zu stellen. Damit solle den antifaschistischen Aktivisten der Bau von Straßenbarrikaden ermöglicht werden, die laut den Verfassern lediglich dem Schutz der körperlichen Unversehrtheit der Gegendemonstranten dienen.

Polizei sieht Parallelen zu Ausschreitungen 2015/2016

Aufseiten der Leipziger Polizei stößt der Aufruf derweil auf wenig Verständnis. Allerdings sei das Vorgehen der Antifa wenig überraschend. Polizeisprecher Andreas Loepki erinnert an einen im Zusammenhang mit früheren Demonstrationen bereits aufgetauchten Flyer, der suggerierte, die Stadtreinigung würde am Tag der Demonstration Sperrmüll entsorgen. Andreas Loepki vermutet die Verfasser dieses Aufrufs ebenfalls im linksextremen Milieu. Der neuerliche und freundlich formulierte Aufruf der Antifa sei für ihn lediglich der Versuch, sich dem Leipziger Bürgertum anzubiedern. Die linksextreme Szene wolle somit möglichst viele Gegendemonstranten mobilisieren, sodass sich Gewalttäter im Falle von Ausschreitungen dann besser in die Menge zurückziehen und sich der Strafverfolgung entziehen könnten, so Andreas Loepki.

Ausschreitungen werden befürchtet

Das Flugblatt rief zwischenzeitlich auch vonseiten der Neonazis erste Reaktionen hervor. So versah die rechtsextreme Vereinigung „Brigade Halle“ den Aufruf der Antifa mit einer stilisierten Handgranate, ehe sie ihn per Twitter teilten und zugleich ihre Beteiligung an der Demonstration verkündeten. Daher betrachte die Polizei sowohl die linksextremen, als auch die rechtsextremen Ankündigungen für den geplanten Aufmarsch sehr aufmerksam und mit großer Besorgnis. Andreas Loepki wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass die gewalttätigen Ausschreitungen im Dezember 2015 auch nicht von den eigentlichen Demonstrationsteilnehmern ausgingen. Teilnehmer des ebenfalls angereisten, sogenannten „Schwarzen Blocks“ seien damals für die Ausschreitungen verantwortlich gewesen. Dies wäre laut Andreas Loepki auch in diesem Jahr wieder vorstellbar. Vonseiten der Neonazis wurden bereits bis zu 400 Demonstrationsteilnehmer angemeldet. Allerdings vermag die Polizei derzeit noch nicht einzuschätzen, mit wie vielen Demonstrationsteilnehmern in den jeweiligen Lagern zu rechnen sei. Hier müsse man sich laut Loepki zunächst noch mit den Veranstaltern und Anmeldern der geplanten Demonstrationen und Kundgebungen zusammensetzen.

Einen Zusammenfassung zum Nachhören von Moderator Nico van Capelle finden Sie hier:

Moderator Nico van Capelle über das Flugblatt der Antifa
Moderator Nico van Capelle über das Flugblatt der Antifa
 

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