Frisch Gepresst

A Complicated Lock

Obwohl Horse Jumper Of Love live schon vor zwei Jahren neue Songs präsentiert haben, musste man auf eine neue Veröffentlichung der Band doch bis jetzt warten. Letzten Freitag erschien mit "So Divine" endlich das zweite Studioalbum der Band.
Horse Jumper of Love
Horse Jumper of Love

Auf einer Skala von 1 bis fantastischer Bandname ist Horse Jumper of Love wohl ganz weit oben einzuordnen. Tatsächlich hat sich die Gruppe damit aber nicht nur einen wohlklingenden Namen gesichert, sondern auch einen, der überraschend viel mit ihrer Musik gemein hat. Denn die Phrase "Horse Jumper of Love" ist eine lateinische Übersetzung, deren eigentliche Bedeutung im Laufe der Zeit komplett verloren gegangen ist. Auch in der Musik des Trios ist die Frage nach Bedeutung immer präsent und bleibt dabei zumeist offen. Ihre Texte spielen mit Abstraktion und überlassen so jedem einzelnen Hörer die Interpretation. Dieses Songwriting kombiniert mit schwerfälliger und doch dynamischer Instrumentierung sind auch auf dem neuen Album "So Divine" Merkmal der Gruppe.             

Aus dem Kleinen das Große                 

Thematisch ist das Album "So Divine" Erinnerungen gewidmet. Es geht um das Eigenleben, das Ereignisse und Erlebnisse im Rückblick entwickeln. In unserem Gedächtnis verändern sie sich, manche Facetten verblassen, während anderen Aspekten große Bedeutung zugemessen wird. Das Trio verarbeitet somit das Thema Erinnerungen nicht wie vielleicht erwartet in Erzählungen, sondern vertextet aus Erinnerungsschnippseln entstehende Assoziationsketten. Das Ganze klingt wie ein wirrer Gedankenstrom. Dabei gibt es auf der Platte wohl keinen Song, der eindeutig formuliert, was er meint. Es gibt aber durchaus Unterschiede in der Direktheit der Tracks. Besonders die politischen Songs der Platte, "Nature" und "Cops", machen es dem Hörer leicht. So besteht Letzterer nur aus zwei Songzeilen: 

All the cops burst into tears of joy

When it’s announced we’re in a police state    

Horse Jumper of Love

In den meisten Songs der Platte zeigen sich die drei wortkarg. Zumeist verwenden sie nicht den traditionellen Aufbau in Strophen und Refrain, sondern teilen ihre Songs nur in Abschnitte, von denen sie den letzten nochmal wiederholen, das teils mantrahaft. Bei manchen Songs wie "Stray Dog" fällt selbst diese minimalistische Strukturierung weg. 

Schwerfällig und Dynamisch

Doch nicht nur die Texte lösen beim Hörer die Gedankenspirale aus. Mindestens genauso wichtig für diesen Effekt ist die Instrumentierung, die dicht aber minimalistisch diese Stimmung über das Album hinweg trägt. Dabei erfindet sich die Band nicht neu, schon die Musik ihres Debüts wurde bildhaft mit Sirup beschrieben. Diese Zuschreibung passt nur zu gut- die Musik beschwert, klebt, umhüllt einen. Selbst dominante Beats bleiben stets schleppend, selbst in wütenden und lauten Instrumentalteilen kommt es nicht zur Eskalation. Doch nicht nur die Schwerfälligkeit ist auffällig, sondern auch die Dynamik des Sounds. So unvereinbar diese Eigenschaften auf den ersten Blick auch scheinen mögen, die Band macht ihre Kombination zu dem Wiedererkennungsmerkmal ihrer Musik. Wie sie das schafft, wird bei dem Song Airport deutlich. Bei jeder Songzeile schwillt die Instrumentierung an, doch die so aufgebaute Spannung verpufft unerwartet wieder. So fühlt man sich beim Hören, als würde man immer wieder in Rage versetzt um dann wieder zur Besinnung gerufen zu werden. Die größer werdende Wut des Gesangs übertrag sich auch in das instrumentelle Outro. Dabei kommt es aber niemals zur Entladung der Spannung, das Niveau wird bis zum Schluss aufrecht erhalten. 

 

Das Kleine als Teil des Großen

Die Musik von Horse Jumper of Love ist keine leichte Kost, die Band bietet keine entspannte Nachmittagsunterhaltung. Vielmehr fordert sie von ihren Hörern eine Konfrontation mit der Musik, aber auch eine Auseinandersetzung mit den eigenen Gedanken. Dabei ist der Sound oftmals beklemmend, er legt sich drückend auf den Zuhörenden. Wer sich dem aber aussetzt, wird damit belohnt, in die Musik einzutauchen und sie mit den eigenen Assoziationen sogar zu vollenden.

 

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Theresa Graf
01.07.2019 - 13:32
  Kultur

Horse Jumper of Love: So Divine

Tracklist:
  1. Airport*
  2. Volcano
  3. Cops
  4. Aliens*
  5. Poison
  6. Twist Cone
  7. Ur Real Life
  8. John Song
  9. Stray Dog*
  10. Nature
  11. Heaven

*Anspielstipps

Erscheinungsdatum: 28.06.2019
Run For Cover Records