Filmrezension: "Atomic Blonde"

Charlize Theron schlägt zu

80er Jahre Popmusik, schrille Neonlichter und eine Menge Gewalt. Das ist das Rezept von Atomic Blonde. In dem Film geht Charlize Theron als MI6-Agentin auf die Jagd nach einem Doppelagenten - und das ziemlich schlagkräftig.
Atomic Blonde
Lorraine spielt ein gefährliches Katz-und-Maus Spiel

Berlin im November 1989: der britischer Geheimagent James Gasciogne wird von einem KGB-Agenten ermordet und eine Liste aus seinem Besitz gestohlen. Die enthält die Namen aller britischen Agenten in der Sowjetunion.

Die MI6 Agentin Lorraine Broughton wird nach Deutschland geschickt, um nicht nur die Liste wiederzufinden, sondern auch den Doppelagenten Satchel töten, der Gasciogne verraten hat. Das Problem nur: niemand weiß, wer Satchel ist. Und für Lorraine ist die Sache persönlich – denn sie und Gasciogne hatten einst ein Verhältnis.

In Berlin angekommen, wird sie dann prompt von KGB Agenten überfallen, die sie mit ihren Hackenschuhen vermöbelt. Und sie trifft ihren Kontakt David Percival (James McAvoy in einer für ihn typischen Rolle als arrogantes Arschloch), dem sie natürlich sofort misstraut.

Viel Stil, wenig Substanz

Und so lassen sich eigentlich die Beziehungen aller Charaktere zusammenfassen: jeder misstraut jedem - oder haut ihn am besten gleich übers Ohr. Alles ist ein einziges Katz-und-Maus Spiel, die Motivationen der Charaktere bleiben dabei komplett verborgen. Das soll wohl spannend sein - tatsächlich verwirrt der Plot mit seinen unnötigen Verstrickungen nur. Man weiß kaum je, was vor sich geht. Und auch Lorraine ist ein geschlossenes Buch. Sie prügelt sich quer durch Berlin, bandelt mit einer französischen Spionin an und jagt einen Doppelagenten. Wie sie sich dabei fühlt, erfährt der Zuschauer nie. So fällt es schwer, mit ihrer Story mitzufiebern.

Aufgewogen wird das durch den ganz eigenen Stil des Films. 80er Jahre Popsongs und bunte Neonlichter prägen die Stimmung dieser Action-Noir-Spionagethriller-Mischung. Berlin (das leider kaum mehr als eine bunte Kulisse ist) sieht aus wie eine Traumwelt. Und eine ziemlich brutale dazu: denn bei seinen Action-Szenen glänzt Atomic Blonde wirklich. Charlize Theron tänzelt als Lorraine nicht etwa leichtfüßig umher. Sie schlägt, stranguliert, wirft mit Pfannen und tritt dem ein oder anderen Mann auch mal kräftig zwischen die Beine. Und wie es sich für eine Filmheldin gehört, sieht sie dabei wahnsinnig gut aus! Das ist dann nicht nur großartig choreografiert, sondern auch um einiges spannender als die eigentliche Handlung des Films.

Letztlich setzt Atomic Blonde mehr auf Stil als Substanz. Für einen Spionagethriller ist er eher schwach und langweilig. Dank der coolen Bilder und wahnsinnig stilvollen Action ist er aber durchaus einen Blick wert.

 

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Eleen Reinke
28.08.2017 - 11:50
  Kultur

Atomic Blonde basiert auf dem Graphic Novel "The Coldest City" von Anthony Johnston und Sam Hart.