Nachbericht: Rudolstadt Festival

Bunte Wimpel begleitet von Weltmusik

Jung und Alt schlenderte durch die Gassen, schlängelte sich zwischen Klappstühlen vor zur Bühne, scheuchte junge Leute von ihren Decken im Park auf und traf dabei auf dem Rudolstadt Festival immer wieder auf neue Melodien aus verschiedenen Ländern.
Straßenmusik vor der Bibliothek beim Rudolstadt Festival 2019.
Straßenmusik ist ein besonderer Bestandteil des Rudolstadt Festivals.

Der Auftakt des Festivals fand wieder am Donnerstag im Heinepark statt. Ab 21 Uhr konnte man sich von den Liedern großer Frauen des Projektes Sing The Truth mitreisen lassen, danach spielte auf der Konzertbühne die erste Band des Schwerpunktlandes Iran Damahi und den Abschluss machte die kolumbianische Band La-33 auf der großen Bühne im Heinepark. Diese Mischung aus verschiedenen Genres, wie Jazz, Pop, Soul, Reggae, Salsa und Rock konnte kein besserer Start in das Festival sein, und das Publikum vor den Bühnen spiegelte genau diese Vorfreude wider. Kaum jemand konnte den rhythmischen Klängen widerstehen. Denn zwischen den riesigen Bäumen des Heideparks bildete sich eine Masse, die sich von der Musik begeistern ließ, egal ob bekannt oder neu. Denn genau diese Offenheit zur Musik ist ausschlaggebend auf dem Rudolstadt Festival.

Überall klingt es und singt es

In der Rudolstädter Innenstadt bekam man, zwischen den verschiedene Speiseangebote, Schmuck- und Klamottenständen, immer wieder neue StraßenmusikerInnen zu hören. Stetig traf man auf kleine und große Menschen, die sich um einige KünstlerInnen drängten und gespannt zuhörten, leidenschaftlich tanzten oder sich einfach von der Musik mitnehmen ließen in andere Welten.

Arezoo Rezvani im Interview mit der Redakteurin Claudia Hempel.
Die Musikerin Arezoo Rezvani hat mit 18 Jahren gelernt die Santur, eines der schwierigsten Instrumente zulernen.

Eine der diesjährigen Straßenmusikerinnen war Arezoo Rezvani, sie trat gleich an zwei neuen Standorten der Stadt auf – im Hof Markt 8 und im Löwensaal, dieser wurde letztes Jahr restauriert und bat nun eine Möglichkeit, Straßenmusik innerhalb von vier Wänden zu hören. Arezoo Rezvani kommt ursprünglich aus dem Iran, lebt aber seit fast fünf Jahren in Deutschland. Sie beherrscht die Santur, das persische Hackbrett und die Rahmentrommel Daf. Bei ihren Auftritten versetzt sie die Zuhörer in die Weiten der persischen Kultur zurück und spielt mit gekonnter Leichtigkeit ihre Instrumente, die Melodien typischer persischer Musik wiedergeben.

Zwischen ihren beiden Konzerten traf sich die Redakteurin Claudia Hempel mit Arezoo Rezvani und stellte ihr Fragen über ihre Instrumente und ihr Leben im Iran.

Das Interview zum Nachhören:

Redakteurin Claudia Hempel im Gespräch mit der Musikerin Arezoo Rezvani.
Interview mit Arezoo Rezvani auf dem Rudolstadt Festival.
Die große Bühnen auf der Heidecksburg beim Rudolstadt Fetsival 2019.
Rudi Zapf & Zapf'nstreich auf der Bühne in der Heidecksburg beim Rudolstadt Festival 2019.

Der Weltmusikpreis RUTH wurde, wie jedes Jahr, auf der Heidecksburg verliehen. Rudi Zapf erhielt die RUTH für sein Lebenswerk, Siegfried Maeker den Ehrenpreis, die Förder-Ruth ging an das Quartett The Sephardics und mit der Festival-Ruth wurde die Band Grankino Circus ausgezeichnet. Diese haben als Straßenmusiker in Rudolstadt schon so manche BesucherInnen zum Tanzen gebracht. Somit war es für sie etwas ganz anderes, die Menschen von der Bühne herab zum Tanzen zu animieren. Mit ihrer gewitzten Musik gelang dies ihnen auch dieses Jahr wieder. Auf der Bühne wurden sie abgelöst von der österreich-iranischen Band Kurdophone. Die fünfköpfige Gruppe gründete sich 2017 in Wien und vereint kurdische Melodien mit westlichem Jazz. Dabei steht die kurdische Langhalslaute Tanbur im Mittelpunkt, um die sich die restlichen Instrumente aufbauen.

Wie ihre Musik entsteht und was sie über das Rudolstadt Festival denken, fragte unsere Redakteurin Claudia Hempel in einem Interview nach ihrem Konzert.

Das Interview zum Nachhören:

Redakteurin Claudia Hempel im Gespräch mit der Band Kurdophone.
Interview Kurdophone beim Rudolstadt Festival

Nicht nur zuhören, mitmachen!

In den unterschiedlichen Vorträgen und Workshops, die auf dem Rudolstadt Festival ein Bestandteil des Programms sind, konnte man sich auch dieses Jahr wieder weiterbilden über Themen, die die Welt bewegen.

Ein der Votrag der Sketches of Iran auf dem Rudolstadt Fetsival 2019.
Mitra Behpoori präsentiert die Tar, eine persische Langhalslaute auf dem Rudolstadt Festival.

Passend zum Schwerpunktland gab es einen Vortragsblock über unterschiedliche Sketches Of Iran (dt.: Skizzen des Iran). Durch die Verwendung der englischen Sprache konnten ein weiteres Spektrum an Menschen angesprochen werden. Bei dieser Vortragsreihe ging es im Kern um Musik, die aber in den unterschiedlichsten Schichten diskutiert wurde. Yalda Yazdani sprach über die Musik von Frauen und Musikerinnen im Post-Revolutionären Iran, ein sehr wichtiges Thema der heutigen Zeit. Mitra Behpoori hingegen stellte die Tar, die persische Langhalslaute als ein Medium der kulturellen Erinnerung vor. Ein Instrument, das schon seit mehreren Jahrzehnten existiert. Durch diese Vielfältigkeit der Vorträge kam es zu einem stetigen Wechsel der Zuhörenden und zu immer neuen Fragen, die im Raum aufkamen.

Somos Guerreras acabella auf dem Rudolstadt Festival 2019.
Das Projekt Somos Guerreras arbeitet neben ihrer Musik auch an einem gleichnamigen Dokumentalfilm.

In der Vortragsreihe Im Gespräch konnte man sich die Ideen des Projektes Somos Guerreras (dt.: Wir sind Kriegerinnen) erklären lassen. Sie gründeten sich um ein Zeichen gegen Frauenfeindlichkeit in der Hip-Hop Szene zu setzen. Aber nicht nur das beschäftig die drei Frauen aus Mittelamerika. Sie engagieren sich auch für die Verbesserung der Verhältnisse in ihren Geburtsländern. Über diese Probleme berichten sie nicht nur, sie verpacken diese auch gekonnt in ihren Songs. Deshalb gab es nach dem Gespräch mit Ihnen einen kleinen Vorgeschmack auf den Auftritt am Abend zuhören.

Neben diesen ganzen eher theoretischen Aktivitäten konnte man den französischen Volkstanz Bourrée im Tanzzelt lernen. Diese wurde zum Tanz des Jahres ernannt. Und nicht nur das, auch die finnische SibA Folk Big Band, des neuen Partnerfestivals EBU brachte den Holzboden im Tanzzelt zum Beben. Wer aber lieber seiner Stimme einen neuen Ton verleihen wollte, konnte an einem der unterschiedlichen Workshops mit mehreren KünstlerInnen, wie Aquabella oder Lambertz & Samm beteiligen. 

Fazit

Das Rudolstadt Festival zeigte sich auch dieses Jahr wieder von seiner besten Seite und stellte ein buntes Spektrum aus KünstlerInnen aller Welt zusammen. Herausforderung gab dieses Jahr nicht nur das Schwerpunktland Iran, sondern auch die neue Zusammenarbeit mit dem Euroradio Folk Festival. Diese verlief reibungslos und deshalb kann man sich die nächsten zwei Jahre auf eine weitere Zusammenarbeit freuen. Leider konnten die VeranstalterInnen des Festivals sich noch auf kein Schwerpunktland für das nächste Jahr einigen. Somit bleibt noch ein bisschen Spannung über das Jahr bestehen. Ob es dann nach Südamerika geht oder noch eher mal nach Afrika werden wir hoffentlich noch erfahren. Aber bis dahin bleibt uns der Gedanke an das Festival bestehen und lässt uns die weltlichen Diskussionen mit neuen Augen sehen.

 

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Rudolstadt-Festival

Wann? 04.07.2019 - 07.07.2019

Wo? in Rudolstadt (Thüringen)

Was? Tanz- und Folkfestival