MDV Finanzierung

Bürgerticket, ja oder nein?

Die Finanzlage des MDV für die kommenden Jahre ist kritisch. Seit einem Monat wird als Maßnahme über ein Bürgerticket spekuliert. Gestern Abend gab es eine offene Diskussion zur Zukunft des MDV, hier wurden auch Finanzierungsalternativen besprochen.
Luftbild: Straßenbahn in Stötteritz
Um die Finanzierung des Nahverkehrs zu verbessern, stehen Vorschläge für Maßnahen zur Diskussion.

20 Euro bezahlen und einen ganzen Monat kostenlos Bus und Bahn fahren sooft und wann man möchte – das klingt erst mal gut – sobald es aber zur Plicht für jeden Bürger wird, steht es zugleich in einer öffentlichen Diskussion. Von den Bürgern der Stadt wird es schon als "Zwangsticket" bezeichnet. Befürchtet wird auch, dass durch feste Einnahmen im Nahverkehr mangelnder Service und Ausbau folgen könnten. So wurde gestern über das Bürgerticket und Alternativvorschläge diskutiert.

Finanzprobleme kompensieren?

Doch sieht es wirklich so schlecht um den Mitteldeutschen Verkehrsbund aus, dass ein Bürgerticket oder andere alternative Finanzierungsmaßnahmen eingeleitet werden müssen? Ja – bis 2025 fehlen dem MDV 180 Millionen Euro für den laufenden Betrieb und Investitionen, das bestätigte auch Geschäftsführer Steffen Lehmann. Bereits 2013 wurden 525 Millionen Euro ausgegeben, Tendenz steigend. Die Energiewende, steigende Löhne und höhere Stahlkosten sind einige Ursachen für die nötigen Gelder. Kann das vorgeschlagene Bürgerticket die Kosten jedoch kompensieren? Der Geschäftsführer dazu:

Selbst bei der Einführung des Bürgertickets hätten wir noch keine Verbesserung, sondern wir hätten dann erst mal sozusagen den Status quo hinsichtlich der Finanzierung sichergestellt. Und die Ausgangsfrage des Ganzen ist ja, bei einer moderaten Kostensteigerung von etwa drei Prozent, ist ein Mehrbedarf in den nächsten Jahren gegeben, wie diese finanziert werden kann und das heißt, wenn ich ein Bürgerticket einführe, würde auch das sicherlich gelegentlich immer wieder mit erhöht werden.

Steffen Lehmann, Geschäftsführer MDV

Nur ein Viertel der Ausgaben des MDV stützen sich auf die Gelder, die durch Tickets eingenommen werden. Trotzdem scheint die Preiserhöhung der Fahrkarten eine unumgängliche Maßnahme zu sein, um die Kluft zwischen Ausgaben und Einnahmen zu verringern.

Kritik von vielen Seiten

Das von der LVZ als "Zwangsticket" betitelte Bürgerticket kommt nicht bei allen gut an. In der Bevölkerung stößt es auf Ablehnung. Kritik hagelt es auch vom Fahrgastverband Pro Bahn. Ihrer Meinung nach käme es entweder zu einer Übernutzung oder Verwahrlosung des Tickets. So distanziert sich auch der Vorstand von MDV und LVB inzwischen von der Idee des Tickets. Es wird betont, dies sei nur eines von vielen möglichen Konzepten.

Die Alternativen

Um die finanzielle Situation des Nahverkehrs trotz der Kritik zu verbessern, wird jetzt nach Alternativen gesucht. Steffen Lehmann vom MDV fasst einige Möglichkeiten zusammen: Die stabile Finanzierung durch Kommunen müsse ebenso gesichert sein, wie die ermöglichten Investitionen durch Bund und Länder. Markterschließung und gute Zusammenarbeit seien weitere wichtige Faktoren. Konkret besteht auch der Vorschlag eines Jobtickets, bei dem Unternehmen den MDV mit finanzieren und dafür Ihre Mitarbeiter vergünstigte Tickets bekommen oder das Unternehmen die Kosten der Fahrkarten dann ganz übernimmt. Porsche beteiligt sich schon an so einem Projekt. Gibt es jedoch keine Alternativen, die tatsächlich maßgeblich zur Finanzverbesserung beitragen, so seien Preiserhöhungen auf Kosten der Bürger unumgänglich.

mephisto 97.6-Moderatorin Anne-Marie Kriegel im Gespräch mit Redakteurin Ulrike Biella über das Bürgerticket und seine Alternativen.
Bürgerticket FS

 

Ein Beitrag über das Bürgerticket von Nicolai von Schwarze.
 
 

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