euro-scene 2015

"Brevet": Humor aus dem hohen Norden

Mit Paolo Nanis "Brevet" ("Der Brief") zeigt die euro-scene, dass sie auch lustig sein kann. Und Paola Nani beweist, dass Theater keine Sprache braucht.
Ein Stuhl, ein Tisch und eine Flasche Wein. Mehr braucht Paolo Nani für sein Stück "Brevet" nicht.

Ein Mann kommt auf die Bühne, setzt sich an einen Tisch, schenkt sich ein Glas Wein ein und beginnt, einen Brief zu schreiben. Der Stift enthält jedoch keine Tinte, was dem Schreiber erst später auffällt. Diese Szene wiederholt sich während des knapp einstündigen Stücks ganze 15 Mal. Jeweils in einem anderen Stil: rückwärts, betrunken, ohne Hände, als Stumm-, Horror oder Westernversion. Worte braucht der Meister der Mimik und Gestik, Paolo Nani, nur wenige. Auf Schildern kündigt er den Zuschauern an, welche Version er gerade spielt. 

So simpel wie genial präsentiert sich das Solo "Brevet" ("Der Brief") von Paola Nani auf dem diesjährigen Tanz- und Theaterfestival euro-scene Leipzig. 1992 entstand das Stück gemeinsam mit Regisseur Nullo Facchini. Es avancierte zum Klassiker des komödiantischen Theaters und wurde bisher über 1.200 Mal in über 30 Ländern gezeigt. Nun präsentiert er sein Stück auch auf der euro-scene 2015.  

Inspiriert wurde Paolo Nani durch den französische Autor Raymond Queneau. Dieser erzählt in seinem Buch "Exercices de Style" eine Andekdote in 99 Varianten. Hierbei benutzt er für jede einen anderen Stil. Das Stück von Paolo Nani enthält zwar nur 15 Varianten, fällt dafür aber umso lustiger aus. 

Die Szenen hat der Italiener, der heute im dänischen Vordingborg lebt, präzisiert: jede erhält ihren ganz eigenen Charakter. Paolo Nani spielt das Stück seit über 20 Jahren - und Überraschungen haben dennoch überlebt. So bindet er mehrmals eine Zuschauerin aus dem Publikum ein. Diese scheint jedoch seine Mimik und Gestik nicht ganz genau zu verstehen. Mal schenkt sie ihm den Wein gleich selbst ein, als er es ohne Hände versuchen möchte. Ein anderes Mal bringt sie ihm den Stift, als er lediglich um Applaus bittet. Das wiederrum löst bei den anderen Zuschauern Gelächter aus.  

Doch genau das ist es, was "Brevet" zu einem guten Stück macht: Der simple Humor über eine alltägliche Szene. Es ist ein Stück für einen unterhaltsamen Freitagabend und für jedermann - vom Kind bis zum Gelehrten. 

 

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Birgit Raddatz
07.11.2015 - 11:21
  Kultur

Paolo Nani wurde 1956 im italienischen Ferrara geboren. Von 1978 bis 1990 war am Teatro Nucleo in seiner Heimatstadt engagiert. Nach der Übersiedlung nach Dänemark 1990 arbeitet er zunächst mit dem Theater Cantabile 2, bis er 1995 sein eigenes Theater, das Paolo Nani Teater, gründete. Das Solo "Brevet" wurde 1994 mit dem Europäischen Comedy Preis "United Slapstick" in Frankfurt am Main ausgezeichnet. Zu Nanis erfolgreichen Stücken gehören neben "Brevet" auch "Die Kunst des Sterbens" (2003) und "Jekyll&Hyde" (2009).