#Leipzig 2030

Braucht Grünau noch ein Hochhaus?

Seit den 70er und 80er Jahren dominieren die DDR-Plattenbauten den Stadtteil Grünau im Westen Leipzigs. Nun geht der Blick in die Zukunft: Die Lipsia eG möchte ein 13-stöckiges Hochhaus in die Nähe des Kulkwitzer Sees bauen.
Grünau im Westen von Leipzig

Grünau ist ein tatsächlich sehr schöner Stadtteil, die Vielfalt macht Grünau besonders. Es gibt eine unglaublich gute eine Einkaufs-Infrastruktur, die ganzen kulturellen Angebote. Es gibt unglaublich viel zu erleben, und das macht den Stadtteil auch so bunt.

Martin Rüger, Nachbarschaftsverein Grünau

Martin Rüger vertritt eine Meinung über Grünau, die in Leipzig nicht unbedingt verbreitet ist. Er ist Vorsitzender des Nachbarschaftvereins. Deshalb liegt es ihm am Herzen, zu zeigen dass Grünau eine attraktive Wohngegend ist. Außerdem sei es besonders wichtig, dass die verschiedenen Generationen miteinander in Kontakt kommen.

Neubau an der Brackestraße

Ein ähnliches Ziel verfolgt auch die Lipsia eG. Die Wohnungsgenossenschaft plant den Bau eines 13-Stöckers im Herzen Grünaus. Dort sollen sowohl ältere, als auch jüngere Leute wohnen. Warum ausgerechnet der Stadtteil noch ein weiteres Hochhaus braucht, das erklärt Doktor Krisina Fleischer, Vorstand der Genossenschaft:

Wir bauen ein Haus, was unseren Mietern neben dem eigentlichen Wohnen auch Service bietet. Das heißt, wir sprechen auch ältere Genossenschaftsmitglieder an, wir wissen, dass da Nachfrage besteht. Aber wir können uns auch vorstellen, dass das für jüngere Familien oder auch Singles sehr interessant sein kann, die beruflich sehr stark angebunden sind.

Dr. Kristina Fleischer, Vorstand Lipsia eG

Zu viel Luxus?

Der durchaus kostenspielige Neubau wird dann zum Beispiel auch eine Rezeption, eine Cafeteria, Dachterrassen und einen Reinigungsservice haben. Mitte des Jahres soll der Bau in der Brackestraße beginnen. Martin Rüger vom Nachbarschaftsverein ist fest überzeugt, dass das dem Stadtteil gut tun wird.

Wichtig ist, glaube ich, dass man in Grünau auch den Mix hinbekommt. Den Mix aus Wohnungen für alle Einkommensschichten – von den einfacheren günstigen Wohnungen, die sicherlich im Neubau nicht möglich sind, zu auch ein bisschen anspruchsvolleren Wohnungen, sollte alles dabei sein, um den Mietermix in Grünau hinzubekommen.

Martin Rüger

In Grünau wurden in den letzten Jahren viele unsanierte, leer stehende Wohnhäuser abgerissen. Trotzdem werden rund zwölf Millionen Euro in ein luxuriöses Hochhaus investiert. Zusätzlich sind noch weitere Neubauten geplant. Stefan Geiss, Leiter der Abteilung für Stadtentwicklung West glaubt, dass diese Investitionen nicht zu umgehen sind.

Blick in die Zukunft

Dr. Kristina Fleischer hofft, dass sich 2030 mehr Menschen vorstellen können in Grünau zu leben. Für Mieter*innen sei dabei vor allem eine gute Verkehrsanbindung und soziale Einrichtungen wie Kindergärten und Schulen entscheidend. Ihrer Meinung nach bietet das Grünau schon.

Ansonsten denke ich, dass in Grünau auch noch einiges angeboten werden muss, in kulturellen Belangen. Die Stadtteile haben ja alle ihren eigenen Charakter und das muss man auch in Grünau berücksichtigen. Ich finde, ein Anfang ist in Grünau gemacht, das Gebiet aufzuwerten.

Dr. Kristina Fleischer

Stefan Geiss blickt ebenfalls zuversichtlich in die Zukunft. Er glaubt, dass Grünau in Zukunft sein negatives Image ablegen kann.

Es wird ein durchmischter Stadtteil werden. Grünau hat den Vorteil, dass er von der Struktur her eine Qualität bietet, die für viele Gruppen ein lebenswertes Umfeld bildet und das ist noch nicht so richtig erkannt.

Stefan Geiss, Abteilung für Stadtentwicklung West

Alle Informationen zum Nachhören finden Sie hier:

Der Bericht von Luise Tasler über die Entwicklung von Grünau
 
 

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