Fantasy Filmfest

Bomb City: Ich bin Punk!

Dieser Fall entwickelte sich zu einem wahren Justizskandal. Das Drama "Bomb City" rekonstruiert die wahre Geschichte eines Mordes in der amerikanischen Punkszene der 90er und lässt einen schaudern.
Szene aus "Bomb City"
Brian gerät in einen gewalttätigen Konflikt

Destroy everything! Zerstört alles, prangt auf seinem Rücken. Mit seinen Freunden feiert er wilde Partys und das ein oder andere Graffiti an den Wänden darf auch nicht fehlen. Brian (Dave Davis) ist Punk. Seine Attitüde, sein ganzer Lebenswandel stößt in den 90ern beim Großteil der Bevölkerung auf große Abneigung. In der texanischen Stadt Amarillo sind Rebellen wie er nicht gern gesehen. Und dann gibt es da noch eine Clique von Highschool-Sportlern, die mit den Punks so gar nichts anfangen können. Immer wieder kommt es zu gewaltsamen Auseinandersetzungen und ihr Streit wird Opfer fordern. 

Der Schatten des American Dreams

Regisseur Jameson Brooks liefert mit Bomb City ein herausragendes Regiedebüt ab. Sein Film ist durchdringende Milieustudie und hartes Sozialdrama zugleich. Eindrucksvoll bringt er das Leben in der Punkszene der 90er Jahre auf die Leinwand und portraitiert es in rauen, ungeschönten Bildern.

Szene aus "Bomb City"
In Bomb City ist der Frieden Geschichte

Dazu überzeugt der Nachwuchsdarsteller Dave Davis in der Hauptrolle des 19-jährigen Punks Brian, den das Publikum sowohl von seiner harten, aber auch von seiner weichen, zerbrechlichen Seite kennenlernt. Dessen Verwicklung in die gewaltsamen Konflikte der Stadt inszeniert Jameson Brooks als stetig anschwellende Eskalation, bei der es gar nicht darum geht, welche der beiden Seiten den Streit angefangen hat. Bomb City gelingt stattdessen glücklicherweise eine größtenteils überzeugend ambivalente Darstellung des Konflikts, bis es zur grausamen Eskalation kommt, die wie ein Schlag in die Magengrube wirkt, obwohl der Ausgang der Geschichte eigentlich von Anfang an vorgezeichnet ist. Immerhin beginnt Bomb City direkt im Gerichtssaal, in dem der Fall (mit skandalösem Urteil) verhandelt wird.

Zeitlose Botschaft

Etwas irritierend wirken die Verklärung der Hauptfigur und der Hang zum Melodramatischen, der ganz am Ende Bahn bricht, denn der passt so gar nicht zu dem ansonsten so rauen Look, der vorher den Film dominiert. In den letzten Szenen gibt sich sogar noch der Rocker Marilyn Manson die Ehre und hält ein flammendes Plädoyer. Dieser moralische Zeigefinger erscheint zwar notwendig, dürfte dem Publikum aber auch zuvor klar geworden sein. Der erschütternde Einschlag dieser finalen Szenen hätte auch ohne diese Überhöhung funktioniert.

Bomb City läuft beim Fantasy Filmfest im Wettbewerb um den Fresh Blood Award, dem Publikumspreis des Festivals, und dafür wirkt der Film emotional zu manipulativ, um ihn nach der Vorstellung objektiv bewerten zu können. Nichtsdestotrotz bleibt am Ende eine zeitlos aktuelle Botschaft: Egal welche Herkunft, egal welche Hautfarbe, egal welche Lebenseinstellung: Gewalt ist Gewalt und jeder muss die Konsequenzen für seine Taten tragen.

Fazit

Ein raues Drama, das beim Fantasy Filmfest auf jeden Fall aus der Reihe fällt. Bomb City bringt  Justizskandal um den Fall Brian Deneke mitreißend und emotional aufwühlend auf die Leinwand. Ein starker Film! 

 

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Bomb City feiert Deutschlandpremiere beim Fantasy Filmfest 2018 und wird in sieben deutschen Städten gezeigt. Der Film läuft im Wettbewerb um den Fresh Blood Award.

Screening-Termine

BERLIN – 10 Sep / 21.00 Uhr
BERLIN – 11 Sep / 20.15 Uhr (WH)
MÜNCHEN – 16 Sep / 20.30 Uhr
HAMBURG – 17 Sep / 20.15 Uhr
KÖLN – 21 Sep / 20.00 Uhr
FRANKFURT – 21 Sep / 18.00 Uhr
NÜRNBERG – 30 Sep / 16.30 Uhr
STUTTGART – 30 Sep / 17.15 Uhr