Stadtführung

Bockwurst zur Hinrichtung

"Pest, Cholera und Walter Ulbricht" - Leipzig hat schon einiges erlebt. Bei der KatastrophenTour, dem Stadtrundgang der etwas anderen Art, erfährt man Dinge über die Stadt, die man so nie erwartet hätte.
Bei der KatastrophenTour lernt man die Stadt aus einem anderen Blickwinkel kennen.

Der Himmel ist grau. Es stürmt und sieht nach Regen aus. Eigentlich kein schöner Tag und nicht unbedingt die besten Voraussetzungen für einen Rundgang durch die Leipziger Innenstadt. Doch für die KatastrophenTour kommt das ungemütliche Wetter wie gerufen.

Bereits seit sieben Jahren zeigt der Schriftsteller Sebastian Ringel Interessenten Leipzig. Doch während sich andere Führer meist darum bemühen, ihre Stadt von der Schokoladenseite zu präsentieren, konzentriert sich Ringel viel mehr auf die ungemütlichen Hintergründe zu den imposanten Bauwerken des Zentrums. Stadtbrände, Hinrichtungen, Seuchen und andere Schicksalsschläge - Leipzig hat schon einiges erlebt. Bereits am Anfang der Tour wird schnell klar: das hier ist nichts für schwache Nerven. Trotz  schwerer Kost schafft Ringel es, die Teilnehmer mit amüsanten Bemerkungen und gut platziertem schwarzen Humor zum Schmunzeln zu bringen und führt sie gekonnt durch die Stadtgeschichte Leipzigs. Kostprobe gefällig?

"Bäume gab's im Wald, im Kamin, aber nicht in der Stadt!"

Marktplatz.

Heute idyllischer Treffpunkt in der Innenstadt – damals Schauplatz grausamer Hinrichtungen. Wer jetzt allerdings denkt, der Platz sei damals ein Ort der Traurigkeit gewesen, liegt falsch. Früher seien sie wie Volksfeste gefeiert worden, erklärt Ringel. „Wenn hier die Hinrichtungen waren, wurden Bockwürste verkauft“. Der Tod durch Schwert oder Pistole galt da noch als Begnadigung. Viel üblicher – und vor allem spektakulärer - war das Erhängen oder Vierteilen der Verurteilten.

Auch Krankheiten und Seuchen prägten das Stadtbild und besonders die damaligen, für uns unvorstellbaren Hygienebedingungen begünstigten die Entstehung und Verbreitung dieser. Bei der Pestwelle 1350 starben 9 von 10 der Infizierten. Lepra-Erkrankte – und davon gab es so einige – wurden der Stadt verwiesen und mussten Glöckchen zur Erkennung tragen. Vor den Toren Leipzigs wurden eigens Siedlungen für die Kranken errichtet, so entstand die Leipziger Ostvorstadt. 

 
Sebastian Ringel über die katastrophalen hygienischen Zustände in der damaligen Zeit.
Sebastian Ringel über die katastrophalen hygienischen Zustände.

"Ein bewegtes Leben nach dem Tod“

Thomaskirche.

Johann Sebastian Bach, Komponist und Thomaskantor, konnte wahrlich nicht in Frieden ruhen: er wurde nach seinem Tod insgesamt dreimal „umbestattet“. Von seiner ursprünglichen, recht einfachen Grabstätte auf dem Friedhof südlich der Johanniskirche wurde er - nach aufwendigen Identifizierungsversuchen - 1894 exhumiert und in einem Stein-Sarkophag in der Johanniskirche beigesetzt. Nach der Zerstörung eben dieser im zweiten Weltkrieg überführte man seinen Sarkophag 1950 in die Thomaskirche, welche seitdem zu seiner letzten Ruhestätte geworden ist. 

 
Legida will in der Innenstadt demonstrieren, auch vor der Thomaskirche
 
Sebastian Ringel über J. S. Bach.
Sebastian Ringel über J. S. Bach.

"Es ist Löwenjagd in Leipzigs Innenstadt"

Astoria-Hotel.

Am 19. Oktober 1913, einen Tag nach der feierlichen Eröffnung des Völkerschlachtdenkmals, an der sogar gekrönte Häupter wie Kaiser Wilhelm II. teilgenommen hatten, passierte dem Zirkus Barum ein kleines Missgeschick mit großem Ausmaß. Nach Beendigung der letzten Aufführung begann der Abtransport der Tiere. Zwei Kutscher, die tragischerweise ausgerechnet die Hauptattraktionen des Zirkus, zwei Bären und zehn Löwen, transportierten, kehrten in einem Gasthof in der Nähe des Astoria-Hotels ein und ließen die beiden Fuhrwerke unbeaufsichtigt stehen. Durch die vorbeifahrenden Straßenbahnen wurden die Pferde des zweiten Gespanns unruhig und bewegten den Wagen der Löwen in eine so unglückliche Position, dass dieser mit einer Straßenbahn kollidierte und von den zehn Löwen acht entkommen konnten. Die Tiere erkannten sofort ihre einmalige Chance auf ein Leben in Freiheit und ergriffen die Flucht. Diese währte allerdings nicht lang, hören Sie selbst!

Astoria-Hotel
Sebastian Ringel über die legendäre Löwenjagd.
Sebastian Ringel über die legendäre Löwenjagt.

 

 

Sebastian Ringel über die legendäre Löwenjagt.

 

 

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Elisa Marie Rinne, Pauline Bombeck
24.03.2014 - 19:21
  Kultur

Die Leipziger KatastrophenTour "Pest, Cholera und Walter Ulbricht" findet jedes Jahr im Rahmen der Leipziger Buchmesse statt. Für Gruppen bis 25 Personen wird die Tour auch auf Anfrage angeboten.

Preise:
1,5 Stunden: 100 Euro pro Gruppe
2 Stunden: 120 Euro pro Gruppe

Organisiert wird die KatastrophenTour, sowie viele andere Rundgänge, von der Agentur evendito.