Frisch gepresst: Curtis Harding

Bloß keine Angst

Von Punk bis Retro-Soul: Curtis Harding hat ein Händchen für alle möglichen musikalischen Einflüsse. Wie vielfältig er auftreten kann, beweist er auch auf „Face Your Fear“.
Curtis Harding
Neues von Curtis Harding: Der US-Amerikaner veröffentlicht mit „Face Your Fear“ sein zweites Album.

Curtis Hardings musikalischer Werdegang ist so bunt wie ein Flickenteppich: Als Kind spielte er Schlagzeug und sang in einem Gospelchor. Später entdeckte er seine Freude am Hip-Hop. Er zog nach Atlanta, wo er das Duo OutKast kennenlernte. Harding remixte einige ihrer Songs und gründet selbst eine Hip-Hop-Gruppe. Noch später spielt er in einer Punkband. Dass das die Vita eines gefeierten Soulmusikers sein soll, klingt abwegig. Doch Curtis Hardings Erfolge sprechen für sich: 2014 überzeugt er mit seinem Debüt „Soul Power“ nicht nur Kritiker, sondern auch Größen wie Iggy Pop oder Jack White. Drei Jahre später meldet er sich jetzt mit „Face Your Fear“ zurück.

Musikalische Feinarbeit

Hardings Markenzeichen ist und bleibt seine musikalische Vielfältigkeit: Während er sich auf „Soul Power“ noch am Garagenrock orientierte, wird es mit dessen Nachfolger deutlich psychedelischer. Effektvolle Gitarren, Synthesizer, Glockenspiel, Streicher- und Bläser – die Instrumentierung auf „Face Your Fear“ ist breit gefächert. Verfeinert werden die Songs durch die gewissenhafte Arbeit der Produzenten Danger Mouse und Sam Cohen.

Textlich kann das Album mit diesem Abwechslungsreichtum allerdings nicht mithalten. Curtis Harding widmet sich genau einem Thema: Liebe. Titel wie „Need Your Love“, „Dream Girl“ oder „Need My Baby“ lassen ungefilterten Kitsch vermuten. Diese Angst bewahrheitet sich glücklicherweise nicht. Trotzdem erfindet Harding das Songwriting nicht neu. Einige Textpassagen klingen zuweilen banal und austauschbar:

She said
Go as you are
But don't come back the same
If you don't get too far
You've got no one to blame
No one

- Curtis Harding, Go As You Are

Ausgewogen abwechslungsreich

Laut Harding sollte „Face Your Fear“ so klingen, als hätten all seine musikalischen Vorbilder an dem Album mitgearbeitet – seien es Serge Gainsbourg, Al Green, die Rolling Stones oder Lee Moses. Diesen inneren Anspruch kann der US-Amerikaner erfüllen. Das Album ist ausgewogen und kurzweilig. Curtis Harding beweist: Es lohnt sich, einen Schritt weiterzugehen.

 

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Ariane Seidl
01.11.2017 - 18:58
  Kultur

Curtis Harding: Face Your Fear

Tracklist:

1. Wednesday Morning Atonement
2. Face Your Fear*
3. On And On*
4. Go As You Are*
5. Till The End
6. Need Your Love
7. Dream Girl
8. Welcome To My World
9. Ghost Of You
10. Need My Baby
11. As I Am

Erscheinungsdatum: 27.10.2017
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