Filmrezension

Biopic über Chet Baker ohne Tiefgang

Er war bekannt als "King of Cool" und "James Dean of Jazz". Nun wurde das Leben des Jazzmusikers Chet Baker verfilmt. "Born to be Blue" versucht, das Bild eines gepeinigten Musikers zu zeichnen - aber zeigt letztlich nur einen Drogensüchtigen.
born to be blue
Chet Baker und seine Trompete

 

1954 in New York -  vor dem legendären Jazzclub Birdland tummeln sich kreischende Fans. "Nur heute", so heißt es, "Chet Baker und seine Trompete". Drinnen ist die Luft erfüllt von Rauch und den schweren Klängen des Klaviers. Dann betritt Chet Baker (Ethan Hawke) selbst die Bühne. Lässig mit Sonnenbrille und Zahnlücke. Die Nervosität merkt ihm das Publikum nicht an. Er setzt die Trompete an die Lippen und spielt.

Doch schnell wird klar, dass es sich bei der Szene um eine Täuschung handelt. Eigentlich ist es das Jahr 1966. Chet Bakers großer Erfolg liegt hinter ihm, inzwischen ist er dem Drogenkonsum verfallen. Der Jazzclub war lediglich eine Nachstellung für einen Film, der über Chets Leben gedreht werden soll. Der Musiker spielt sich darin selbst und hofft dadurch auf ein Comeback. Als er dann auch noch mit seinem Co-Star Jane anbandelt (die ironischerweise seine Ex-Frau spielt), scheint es in seinem Leben endlich wieder aufwärts zu gehen.

Doch dann wird Chet von seinem Dealer wegen offener Schulden zusammengeschlagen. Er verliert bei dem Angriff seine Frontzähne und erhält die Diagnose, dass er nie wieder Trompete spielen könne. Chet will das aber nicht hinnehmen und versucht immer wieder zu spielen, bis ihm das Blut aus dem Mund läuft. Und tatsächlich schafft er es mit der Hilfe von Jane, langsam besser zu werden.

Frei angelegte Biografie

Für Jazzfans hat der Film durchaus etwas zu bieten. Titel wie "My Funny Valentine" (von Ethan Hawke selbst gesungen) tragen die melancholische Stimmung des Films.

Auch Chet Baker selbst ist durch seine Charakterschwächen interessant. So kämpft er im Film nicht nur mit seiner Musik, sondern auch immer wieder mit der vergangenen Drogensucht. Die Nebencharaktere bleiben dabei leider eher blass. Besonders Janes Leben scheint sich einzig um Chet zu drehen, obwohl sie mehrmals Gegenteiliges behauptet. Ihr einziger Charakterzug neben Fürsorglichkeit ist wohl, eine erfolglose Schauspielerin zu sein. Chet ist zudem vollkommen auf sie fixiert, sodass es wenig Freude macht, der Beziehung zuzusehen.

Der Film selbst ist zwar biografisch angelegt, nimmt es aber mit den Fakten nicht allzu genau. So wurde der 1966 geplante Film über Chet Bakers Leben eigentlich nie produziert. Vielmehr versucht der Film, den Leidensweg seines Hauptcharakters zu inszenieren. Wirklich mitfiebern will man aber nicht und auch die gewünschte Charakterentwicklung bleibt aus. So ist auch das Ende enttäuschend und lässt den ganzen Film eher belanglos wirken.

 

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