Erforschung von Zivilisationskrankheiten

Biobank: Über eine Million Proben

Die Leipziger Uniklinik hat eine der größten Biobanken Deutschlands. Hier werden unter anderem Blut- und Urinproben von zehntausenden Menschen gesammelt und eingefroren, um Rückschlüsse auf Krankheiten schließen zu können.
Kühltürme Biobank Leipzig
- 150°C Kühltürme in der Biobank Leipzig

Bei vielen auch alltäglichen Krankheiten wissen wir bis heute nicht, warum der eine sie hat und der andere nicht. Um herauszufinden, ob die Krankheit beispielsweise genetische Ursachen hat oder der Ursprung an anderer Stelle liegt, müssen gesunde und kranke Menschen verglichen werden. Deswegen sammelt das Leipziger Forschungszentrum für Zivilisationserkrankungen (LIFE) Proben – ein Teil wird direkt untersucht und ein Teil in der Biobank eingefroren.

Zwei Räume, zwölf Kühlschränke, 14 Kühltürme und über eine Million Proben

Gelagert werden die Proben in einem Keller der Uniklinik. Die Räume sind über dunkle Gänge zu erreichen und nicht besonders spektakulär oder futuristisch. Lange Reihen von Kühltürmen und Kühlschränken reihen sich aneinander, mittlerweile hat die Biobank über eine Million Proben gesammelt. Ein Teil wird in großen Tiefkühlschränken auf - 80°C gekühlt, die empfindlicheren Proben werden in sogenannte Straws verschweißt und in den Kühltürmen mithilfe von Stickstoff auf -150°C gekühlt. Straws sind strohhalmähnliche Röhrchen. Da sie an den Enden verschweißt sind, kann kein Austausch mit der Umgebung stattfinden. Auf -150°C gekühlt sollen sie so in 20 Jahren noch in genau dem gleichen Zustand sein wie heute. Die Kühlung mit Stickstoff ist in zweierlei Hinsicht praktisch: Zum einen, weil sich die Proben so auf tiefe Temperaturen kühlen lassen und zum anderen, weil das System nicht von Elektrizität abhängig ist. Ohne Nachfüllen hält der Stickstoff auch bei Stromausfall drei Tage die Türme kalt. Und es kann auch manuell nachgefüllt werden, falls tatsächlich einmal länger als drei Tage der Strom ausfallen sollte.

"Die Biobank ist eine Investition in die Zukunft"

In der Biobank werden Proben von Kindern und Erwachsenen, von Kranken und Gesunden gesammelt. Zehntausende Leipziger haben bereits ihre Proben für die Wissenschaft zur Verfügung gestellt. Ein paar Studien werden bereits damit durchgeführt, so unter anderem DNA-Studien und eine Studie zur optimalen Jodverteilung im Körper. Gerade die auf -150°C gekühlten Proben in den Kühltürmen werden jedoch wahrscheinlich erst in einigen Jahren untersucht. Man kann sie dann beispielsweise mit neuen Proben vergleiche; außerdem wird es neue Erkenntnisse und technische Mittel geben, um die Proben zu untersuchen.

Was für einen Wert die Biobank am Ende tatsächlich haben wird, lässt sich heute jedoch nur schwer sagen, gibt auch Matthias Nüchter, Leiter der LIFE-Geschäftsstelle zu. Die Biobank sei viel mehr "eine Investition in die Zukunft".

Ein Beitrag von mephisto97.6-Redakteurin Ronja Münch zu der Biobank.
 
 

Kommentieren

Ronja Münch
23.10.2014 - 13:52
  Wissen