Ökologisch regionale Landwirtschaft

Bio als nachhaltiges Konzept verstehen

Unsere Redakteurin besuchte zwei ökologisch wirtschaftende Höfe aus der Region. Anlässlich einer möglichen GroKo redete sie mit ihnen über Ökolandbau, Bio zweiter Klasse und staatliche Förderung in Kleinbetriebe.
Tank auf dem Acker
Eine Katze schleicht um den Tank

Bis 2030 die ökologische Landwirtschaft mehr als verdoppeln – das versprechen Union und SPD in den Koalitionsverträgen, die derzeit noch auf ihre Abstimmung warten. Welche Einflüsse hätte eine Steigerung des Ökolandbaus auf 20 Prozent der bewirtschafteten Gesamtfläche in Deutschland? Unsere Redakteurin hat zwei ökologisch wirtschaftende Hofbetriebe aus der Region besucht.

Bio - aber wie?

Ökologisch und regional, so wirtschaftet der Guidohof. Der Boden ist mit Frost überzogen, einige Enten laufen über die Wiese. Hinter dem Acker steht eine kleine Kuhherde und grast. Der Hof zwischen Leipzig und Chemnitz wirtschaftet nach Demeter Richtlinien, die zählen zu den strengsten Bio Standards. Die Demeter Regelungen legen unter anderem fest, dass auf chemische Düngemittel verzichtet wird. Tiere werden art- und wesensgerecht gehalten. Damit wird eine nachhaltige Landwirtschaft ermöglicht.

Insgesamt 32 Angestellte kümmern sich auf dem Guidohof um den Gemüseanbau und Vertrieb. Was und wie angebaut wird – das entscheidet der Besitzer des Hofs, Armin Lucht. Doch die Rahmenbedingungen geben politische Entscheidungen vor. Bei einem Gespräch äußert sich Armin Lucht zu dem Vorhaben einer möglichen Großen Koalition. Man müsse erst einmal wissen, was hinter der Absichtserklärung steht und ob tatsächlich Taten folgten. Er befürchtet, dass weiterhin hauptsächlich in großflächige Landwirtschaft subventioniert wird und sich damit nur noch wenige kleine Betriebe halten könnten. Damit würde auch die Bio-Qualität sinken, nämlich auf das unterste Level der Öko-Bewirtschaftung: EU-Bio. Seiner Meinung nach geht die bloße Förderung nach 20 Prozent Öko-Landbau in Deutschland nicht weit genug.

Mehr Förderung für kleine Betriebe

Mehr auf kleine Betriebe zugehen – das wünscht sich auch der Leiter des Linke-Hofs, Reinhard Sommer. Sein Hof liegt am Leipziger Stadtrand und ist umgeben von Einfamilienhäusern. Auch "Bio" werde immer großflächiger und industrieller.

Das ist besser als gar nichts, aber das ist alles so ein Bio light.

Reinhard Sommer vom Linke-Hof

Schon seit einigen Jahren bezieht der Linke-Hof keine staatlichen Förderungen mehr. Für den kleinen Hof haben sich die Gänge zu den Behörden nicht gelohnt. Zwar hat der Linke-Hof nicht von Anfang an ohne Förderungen gewirtschaftet, habe sich jedoch vom zeitlich und organisatorisch überbelastenden Aufwand frei machen wollen. Aber auch bei den Konsumierenden sieht der Leiter des Linkehofs, Reinhard Sommer, eine Verantwortung. Es gehe vor allem um das Konsumverhalten – und die Bereitschaft es zu ändern.

Es möchten alle eine schöne Kulturlandschaft haben und Tierwohl und Öko und dann gehen sie doch bei Aldi an die Fleischtheke. Es ist auch eine grundsätzliche Frage an den Verbraucher, was er bereit ist wirklich auszugeben.

Reinhard Sommer vom Linke-Hof

Lebensmittel schätzen lernen

Die Prozesse hinter Lebensmitteln wertschätzen - darauf verweist auch eine Mitarbeiterin des Guidohofs, Klaudia Schümann. Setzten Politiker*innen diese Themen auf ihre Agenda, könnten auch öffentliche Debatten und Diskussionen angeregt werden, so Klauia Schümann. Sie merkt an:

Das Gefühl für echte Werte und echte Preise ist total verloren gegangen. Wer will mehr als 99 Cent für sein Brot bezahlen?

​Klaudia Schümann, Mitarbeiterin des Guidohofs

Doch nicht nur die Politik steuere die Produktion, so der Sächsische Landesbauernverband. Wie viel Ökolandbau betrieben werde, das entscheide vor allem der Markt. Frage der Konsumierende mehr Bio an, so werde auch mehr Bio produziert.
Grundsätzlich geht es also um das Gehört werden – von den Verbraucher*innen wie von der Politik. Auf der "Wir haben es satt!"-Demo in Berlin fordern Landwirte jährlich eine zukunftsfähige Landwirtschaft. Auch der Leiter des Guidohofs, Armin Lucht, demonstrierte im Januar gemeinsam mit über 30.000 Landwirten für eine Landwirtschaft, in der kleine und mittlere Betriebe überleben können. Dieses Jahr war er sogar mit seinem Traktor da:

Dort vertreten wir natürlich immer unsere Meinung und versuchen darauf hinzuweisen, dass Förderung in die kleinteilige Landwirtschaft wichtig ist. Dadurch, dass wir jetzt schon das acht Mal in Berlin waren, denke ich, dass die Politik nicht mehr an uns vorbeischauen kann.

​Armin Lucht vom Guidohof

Die politischen Entscheidungen gehen an regionalen Betrieben nicht vorbei. Ob und wie sich die Vorhaben einer möglichen GroKo auf regionale Ökolandwirte auswirken, hängt vor allem davon ab, inwiefern sich SPD und CDU an ihre Vorhaben halten würden. Bio langfristig jedoch nicht nur als Verkaufslabel, sondern als nachhaltiges Konzept verstehen – das wünschen sich ökologische Kleinbetriebe rund um Leipzig.

Hier können Sie den Beitrag nochmal nachhören:

Ein Beitrag von Anna Bertram.
 

 

 

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Anna Bertram, Celine Schmock
02.03.2018 - 23:24