Interview

Beim Lesen gibt es keine Grenzen

Im Clara-Zetkin-Park findet vom 3. bis 6. August ein Vorlesefestival statt. Dieses wird vom Leipziger LeseLust Verein organisiert. Andrea Rübsam vom Verein war bei mephisto 97.6 im Interview.
Andrea Rübsam im Sender bei mephisto 97.6

mephisto 97.6: Was macht denn das Lesen eigentlich so wichtig für Kinder?

Andrea Rübsam: Also speziell das Lesen - das Selberlesen ist noch einmal was anderes, denke ich, aber wir sind ja eher in Richtung Vorlesen unterwegs - da ist es natürlich ein tolles Erlebnis, was man miteinander hat. Ich würde jetzt gar nicht so die pädagogische Geschichte ganz an den Anfang stellen, sondern das ist ein elementares Ding, was man in seiner Familie miteinander macht. Rituale ums Lesen: Mit dem Buch im Bett kuscheln. Kann man überall machen. Unser Motto ist ja auch "Überall ist Platz für eine Geschichte" und ich finde, das lässt sich mit einem Buch sehr schön verbinden.

mephisto 97.6: Nun muss man sich ja auch eingestehen, dass viele Kinder doch lieber mit dem Smartphone, mit dem Tablet spielen, anstatt ein Buch in die Hand zu nehmen, beziehungsweise sich vorlesen zu lassen. (...) Die Stiftung Lesen empfiehlt zum Beispiel eine App als Lösung. Da gibt es dann beispielsweise "Die kleine Raupe Nimmersatt" als interaktive Spiel-App. Halten Sie das für eine gute Lösung als Konkurrenz zum Buch?

Andrea Rübsam: Viele tun sich ja wirklich sehr schwer, die eingefleischten Buchliebhaber mit den digitalen Medien, aber ich denke, das ist schon eine sinnvolle Ergänzung. Das wird es auf keinen Fall ersetzen und das sollte es auch nicht, weil da ganz viele Dinge, die man selber im Kopf entstehen lässt, einfach nicht passieren. Beim Smartphone kann man natürlich auch mal etwas mit Geräuschen kombinieren, man kann Musik einspielen. Man kann ein Smartphone mit lustigen Interaktionen eben versehen: Buch schütteln, umkippen. Das geht natürlich mit einem gedruckten Exemplar eher weniger. Aber ich denke, da sollten die Eltern eine Vorreiterrolle übernehmen und wirklich darauf achten, dass nicht ein Zweijähriger am Smartphone spielt. Ich glaube, Synapsen, die sich in diesen Jahren nicht mehr schließen, die sind auf ewig verloren. (...) Das Buch lässt, also nicht nur Bilderbücher, die haben natürlich auch Bilder drin, aber die lassen ja über die Geschichte hinaus, einen Film im Kopf entstehen oder darüber hinaus auch Spielideen entwickeln, die man gemeinsam machen kann.

mephisto 97.6: Sie haben das Vorlesen im Fokus. Da gibt es Jahr zu Jahr neue Studien, die belegen, eben Eltern lesen ihren Kindern zu wenig vor. Oft fehlt Eltern da auch die Zeit oder die Geduld. Wie würden Sie Eltern dazu ermutigen, ihren Kindern öfter vorzulesen?

Andrea Rübsam: Mir hat am Vorlesen immer am aller besten gefallen, dass das so eine kuschelige Atmosphäre hat. Dass man sich ganz auf eine Sache gemeinsam konzentriert. Und das ist eine ganz pure Zeit, die man miteinander verbringt. Das ist ja nicht, dass man nur vorliest, was da steht, sondern man spricht ja auch darüber hinaus: "Was ist auf den Bildern?". Dann haben die Kinder teilweise Ideen, auf die würde man nie kommen. Das sind Geschichten, die aus dem Alltag dann mit einfließen. Dass ihnen plötzlich einfällt: "Ach, das habe ich da und da schon einmal gesehen" oder "Ist das und da das Gleiche, wie im Buch?". Das ist schon total fantastisch, was dabei entsteht. Man sollte sich an ein Ritual (...) festlegen. Idealerweise vor dem Zubettgehen gemeinsam liest. Vielleicht ein größeres Buch, jeden Abend ein Stück weiter. Oder, wenn die Kinder schon angefangen haben mit dem Selberlesen, dass man ein Kapitel vorliest und das nächste lesen die Kinder vor oder einfach im Stillen danach weiter. Also es gibt da ganz viele Möglichkeiten, das schön zu gestalten.

Das gesamte Interview von mephisto 97.6 Moderatorin Lisa Tuttlies mit Andrea Rübsam vom Leipziger LeseLust Verein können Sie hier nachhören:

Ein Interview mit Andrea Rübsam
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Pia Ebeling
03.08.2017 - 16:34
  Kultur

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