#Diskriminierungist...

Barriere Behördenbrief

Die deutsche Verwaltungssprache finden Viele unverständlich und kompliziert. Für Menschen, denen Lesen und Schreiben schwer fällt, ist das aber erst recht ein Problem. Kann "Leichte Sprache" da ein Ausweg sein?
"Antrag auf Erteilung einer Unbedenklichkeitsbescheinigung für Aufstiege mit einem unbemannten Fluggerät in Leipzig"

Behörden pflegen einen Sprachstil, der sich oft stark von der Alltagssprache unterscheidet. Das liegt nicht nur an vielen Substantivierungen, Bandwurmsätze und Passivkonstruktionen, sondern auch an Verweisen auf Gesetze und komplizierten Phrasen. Solche Schreiben sind dann schwer zu verstehen und mitunter abschreckend. Das Handeln der Verwaltung bleibt damit aber intransparent.
Hier liegt das Problem: In einer Demokratie sollten eigentlich Entscheidungsprozesse des Staates nachvollziehbar sein. Nur dann gibt es die Möglichkeit, sich zu wehren oder sich politisch einzubringen.

Wenn Entscheidungsprozesse nicht transparent kommuniziert werden, dann gibt es natürlich ein Problem mit der Teilhabe. Und dann haben wir auch ein Demokratieproblem, wenn man so will.

Prof. Frank Liedtke, Institut für Germanistik, Uni Leipzig

Menschen, die aus verschiedenen Gründen Schwierigkeiten mit der deutschen Sprache haben, sind von dieser Unverständlichkeit umso stärker betroffen. Etwa 15 Prozent aller Erwachsenen in Deutschland zählen als "funktionale Analphabeten". Ihnen fällt es schwer, Texte über einzelne Wörter hinaus zu lesen und zu schreiben. Hinzu kommen Menschen mit geistiger Behinderung, Demenz und auch jene, deren Muttersprache nicht Deutsch ist. Ein selbstbestimmtes Handeln ist ihnen dann oft verwehrt. Seit einigen Jahren ist deshalb das Konzept der "Leichten Sprache" in der Diskussion. Hier ist der Ansatz Sätze kurz zu gestalten; auf eine komplexe Grammatik soll verzichtet werden. Allerdings besteht dann wiederum die Gefahr, dass den Betroffenen Inhalte vorenthalten werden.

Ich finde es immer wichtig, dass man immer beide Texte zur Verfügung stellt. Sodass die Person selber entscheiden kann, will ich das jetzt, brauche ich das jetzt, oder will ich versuchen, das auch schwer zu lesen.

Dr. Anne Goldbach, Insitut für Förderpädagogik, uni Leipzig

„Leichte Sprache“ bietet die Chance, dass Texte von Personen gelesen werden können, die sonst keinen Zugang dazu hätten. Verwaltungssprache kann aber auch mit einfachen Mitteln verständlicher werden: Komplizierte Inhalte lassen sich auch in unkomplizierten Sätzen darstellen. Das Thema ist mittlerweile auch auf der politischen Agenda angekommen. So haben die Finanzminister der Länder auf ihrer Jahreskonferenz im Mai eine „Bürgerfreundliche Sprache in der Finanzverwaltung“ beschlossen. Doch Bürgerfreundlich ist Verwaltungssprache wohl erst, wenn sie alle Menschen erreichen kann.

Der Beitrag zum Nachhören:

Ein Bericht zur Behördensprache von Anton Walsch
2806 BmE Behoerdensprache

 

 

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