Fahrrad

Bald mehr Radwege?

Das Fahrrad soll das umweltfreundliche Fortbewegungsmittel der Zukunft werden. Um das zu erreichen und mehr Menschen aus dem Auto und aufs Fahrrad zu locken, hat die Stadt Leipzig noch eine Menge Arbeit vor sich.
Fahrradautobahn Sachsen
Von Leipzig nach Halle wird es bald eine neue Fahrradautobahn geben.

Angaben des Leipziger Amtes für Statistik und Wahlen zufolge zählt die Stadt Ende 2016 rund 580.000 Einwohner. Bis 2025 sollen es - einer Bevölkerungsschätzung der Bertelsmann-Stiftung nach - noch 100.000 mehr werden. Damit gibt es auch mehr Radfahrer. 2016 ist die Zahl der Haushalte, die mindestens ein Fahrrad besitzen auf 70 Prozent gestiegen. Das ergab eine Bürgerumfrage des Amtes für Wahlen und Statistik. Christoph Waack, Vorsitzender des allgemeinen deutschen Fahrradclub Leipzigs (kurz ADFC) weiß, was das mit sich bringt:

Wir haben eine stark zunehmende Zahl an Radfahrenden in der Stadt. Und das Rad ist auch das am schnellsten wachsende Verkehrsmittel in Leipzig ist, seit Jahren. Der Ausbau der Infrastruktur hält einfach nicht mit.

Christoph Waack, Vorsitzender des ADFC Leipzig

Momentan werden 17 Prozent aller Wege in der Stadt mit dem Rad erledigt. Dieser Anteil soll bis 2020 auf 20 Prozent steigen."Wir sehen, dass in den Hauptverkehrsstraßen Radverkehrsanlagen teilweise noch fehlen. Wir haben viele Lücken, gerade in den Kreuzungsbereichen hören die Radwege plötzlich auf", meint Christoph Waack. Außerdem gäbe es zu wenig Aufstellflächen bei Ampelanlagen. Seiner Meinung nach, führt das zu Chaos.

Testergebnis "ausreichend"

Im sogenannten Fahrradklimatest schneidet Leipzig mit der Note 3,7 eher schlecht ab. Bei dem Test sind bundesweit Radfahrer vom ADFC befragt worden, wie sie das Fahrradklima in ihrer Stadt einschätzen. Die Werte entsprechen Schulnoten. Leipzig ist dennoch auf Platz 1 sächsischer Großstädte. Am besten schneiden in Deutschland Karlsruhe, Freiburg und Münster ab. Aber auch diese Städte schaffen nur eine Note zwischen 3,0 und 3,4. Deutschlandweit schneidet Leipzig demzufolge nicht schlecht ab.

Wenn man sich nur die rein statistischen Sachen ansieht, können wir schon als Stadt Leipzig stolz sein: Wir haben ein relativ großes Verkehrsnetz. Die Wege im Grünen machen ungefähr tausend Kilometer aus und das ist viel für Deutschland und den europäischen Vergleich.

Jan Rickmeyer, Fahrradbeauftragter der Stadt Leipzig

Was die Leipziger und Leipzigerinnen von den Radwegen halten, hat mephisto 97.6- Redakteurin Charlotte Siemoneit herausgefunden.

Eine Umfrage von Charlotte Siemoneit
Was die Leipziger über die Radwege denken hat mephisto 97.6 Redakteurin Charlotte Siemoneit herausgefunden.

Kopenhagen als Vorreiter

Vorbild der fahrradfreundlichen Städte in Europa ist Kopenhagen. Dort gibt es bereits sehr breite Fahrradwege, die bis zu drei Meter messen. So kann jeder Radfahrer in seinem Tempo fahren und Überholen stellt kein Problem mehr dar. Genau das fordert auch Volker Holzendorf von den Grünen für Leipzig: schmalere Autofahrstreifen und den gewonnenen Platz für breitere Radwege. So kann das Problem gelöst werden, dass Radfahrer beim gegenseitigen Überholen nicht mehr in den Verkehr ausweichen müssen.
Das passiert dennoch, denn immer wieder parken Autos die Radfahrstreifen zu. Das bringt viele Radfahrer in Gefahr, weil sie plötzlich in den Straßenverkehr ausweichen müssen. Laut Informationen der Leipziger Internetzeitung sind im Jahr 2016 fast 4.000 Radfahrer verunglückt – 25 davon tödlich. Statistisch gesehen sind zwei von drei Fahrradunfällen von Autofahrern verschuldet.

Wir haben Gesetze, dass auf dem Fahrradstreifen nicht geparkt werden soll. Ich habe Herrn Rosenthal, Chef vom Ordnungsamt, gefragt, was sie denn machen gegen das Falschparken. 'Das sei nicht schlimm, da durch das Falschparken auf Fahrradstreifen die Autos ausweichen und langsamer fahren', war die Antwort.

Volker Holzendorf, Bündnis '90/ Die Grünen

Leipzig soll bis 2030 nachhaltiger und sicherer gestaltet werden. Dazu will die Stadt die Qualität der Radwege und die Radinfrastruktur weiter ausbauen. Eine Fahrradautobahn zwischen Halle und Leipzig ist bereits in Planung. Durch diese soll der Pendlerverkehr entlastet werden. Das wirkt sich wiederum positiv auf Co2-Emissionen aus. Außerdem will die Stadt mehr Winterdienste einsetzen. So will sie erreichen, dass die Radwege auch im Winter genutzt werden können.

Den Beitrag zum Nachhören finden Sie hier:

Ein Beitrag von Charlotte Siemoneit
Ein Beitrag von Charlotte Siemoneit

 

 

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Charlotte Siemoneit
01.11.2017 - 10:01