Sommer

Badeunfälle

Im Sommer kommt es häufiger zu Badeunfällen. Insgesamt sind dieses Jahr 279 Menschen ertrunken, 37 mehr als im Vorjahreszeitraum. Wir haben mit Roman Wiegel vom DLRG über die Sicherheit beim Baden in freien Gewässern gesprochen.
Rettungsring
Rettungsring

Was macht das Baden in freien Gewässern denn so gefährlich? 

Das sind nicht unbedingt die Gewässer, die das Baden gefährlich machen, sondern eher das Verhalten der Menschen, weil Gewässer unterschätzt werden. Wir haben in Fließgewässern natürlich Strömungen, die dort eine Rolle spielen. Wir haben dort Schiffahrt oder auch Sportboote, die zu einer Gefahr werden können. In den Seen ist es meistens so, dass steil abfallende Untergründe zu einem Problem werden können für Personen, die nicht schwimmern können - sich verändernde Temperaturschichten. Allerdings ist es meistens doch eher die Fehleinschätzung der Lage durch die Badegäste.

 

Inwiefern können Sie als Rettungsschwimmer in solchen Situationen noch helfen?

Die Statistik der DLRG, die jedes Jahr die Ertrinkunsunfälle erfasst, zeigt, dass der Großteil der Menschen, an Binnengewässern, an Seen, Bächen, Flüssen und Kanälen verunglückt und das für gewöhnlich an Orten, an denen wir natürlich gerade nicht sind. Wenn in unserer Nähe etwas passiert, das heißt vor bewachten Gebieten, dann haben wir natürlich je nach Einsatzgebiet Rettungsschwimmer im Einsatz. Wir können Rettungsbretter benutzen, Motorboote. Wenn das allerdings an einer unbewachten Badestelle passiert, werden wir, wie jeder andere Rettungsdienst oder die Feuerwehr auch über die Leitstelle informiert und dementsprechend dauert es natürlich. Wir als DLRG empfehlen natürlich prinzipiell immer dort baden zu gehen, wo auch Rettungsschwimmer Dienst leisten. Ganz konkret in Leipzig wäre das der Kulkwitzer See auf der Leipziger Seite.

 

Was sollte man denn sonst noch beachten?

Da gibt es mehrere Faktoren. Wenn man sich die Ertrinkungsstatistik anschaut, stellt man fest, dass über ein Drittel der Ertrunkenen 55 Jahre und älter sind. Der Gesundheitszustand spielt also ganz offensichtlich eine Rolle. Insbesondere wenn man beispielsweise eine Herzerkrankung hat, oder Beschwerden in diesem Bereich sollte man sich nicht überschätzen - vielleicht sich auch mal mit dem Arzt absprechen. Wenn man nur an wenigen Tagen im Jahr schwimmen geht, nämlich dann wenn der Sommer außerordentlich schön ist, sollte man sich nicht gleich die Seequerung vornehmen, sondern in Ufernähe bleiben, um zu schauen, wie Leistungsbereit man tatsächlich noch ist. 
Die Baderegeln gelten, das heißt man geht nicht mit vollem oder leeren Magen ins Wasser. Man kann darauf achten, dass man nicht alleine schwimmt, sondern mit einem Partner oder eine Partnerin unterwegs ist. 
und bei den Unfällen im Jugendalter zeigt sich natürlich häufig auch Leichtsinn, das heißt also das da Alkohol oder andere Drogen im Spiel sind. Die natürlich dazu führen, dass man sich nicht mehr so sicher im Wasser bewegen kann, wie man das davor konnte.

 

Warum sollte man denn eigentlich nicht mit vollem oder leeren Magen schwimmen gehen?

Im Prinzip ist es so, das der Körper bei sportlicher Aktivität Energie verbraucht und die Energie muss den Muskeln zugefügt werden durch die Ernährung. Das heißt, wenn man den ganzen Tag noch nichts gegessen und nichts getrunken hat und sich dann plötzlich körperlich anstrengt im Wasser, kann man einfach Probleme bekommen - das kennt jeder aus jedem anderen Sport vielleicht auch. 
Das Problem mit dem vollen Magen, da besteht das Problem darin, dass wenn man sehr viel gegessen hat der Körper sehr viel Energie dafür aufwendet, sich mit der Verdauung zu befassen. Das heißt auch, dass der Blutkreislauf etwas verändert wird und dann auch die Energie nicht dafür da ist, wofür sie gebraucht wird. Insbesondere dann, wenn man länger schwimmerisch durchhalten muss, als man es gewöhnt ist.  

 

Moderator Max Koterba im Gespräch mit Roman Wiegel
 

 

 

 

 

 

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Jan Borree
27.07.2018 - 19:44