Literaturrezension Graphic Novel

Back to Buchhaim!

Walter Moers ist durch Figuren wie Das Kleine Arschloch oder Käpt'n Blaubär bekannt. Einer seiner meistverkauften Fantasyromane ist "Die Stadt der träumenden Bücher" – nun ist die Geschichte auch als zweiteilige Graphic Novel erschienen.
Florian Bieges Illustrationen sind im Gegensatz zu den Originalskizzen natürlich in Farbe!
Florian Bieges Illustrationen sind im Gegensatz zu den Originalskizzen natürlich in Farbe!

 

Maximilian Enderling über die beiden Graphic Novels von Walter Moers und Florian Biege.
Maximilian Enderling über die beiden Graphic Novels von Walter Moers und Florian Biege.

In tiefen, kalten, hohlen Räumen / Wo Schatten sich mit Schatten paaren /

Wo alte Bücher Träume träumen / Von Zeiten als sie Bäume waren / Wo Kohle Diamant gebiert / Man weder Licht noch Gnade kennt / Dort ists wo jener Geist regiert / Den man den nennt Schattenkönig nennt.

Hildegunst von Mythenmetz alias Walter Moers

Der Schattenkönig ist die düstere Kreatur, welche die Katakomben unter dem kleinen Städtchen Buchhaim beherrscht. Mit diesem Gedicht über ihn beginnt Walter Moers Geschichte auf einer schaurig-schön gestalteten Seite. Daraufhin folgt das (den Lesern der Zamonien-Romane bereits vertraute) humorvolle Vorwort an all diejenigen, welche es nicht wagen weiterzulesen:

Macht’s gut, ihr Memmen!

Hildegunst von Mythenmetz alias Walter Moers

Wer sich aber traut nach Buchhaim mitzureisen, der erlebt eine Stadt, in der sich alles ums geschriebene Wort dreht - ein bisschen wie Leipzig während der Buchmesse.

Ein Lindwurm auf der Suche

In den beiden Graphic Novels - wie zuvor schon im Roman - begleitet man als Leser den jungen, literarisch begabten Lindwurm Hildegunst von Mythenmetz. Die Bewohner seiner Heimat - der Lindwurmfeste - sind allesamt Schriftsteller und bei den Literaturagenten von Buchhaim gerne gesehen. Hildegunst ist aber nicht hier um einen Verleger zu finden, sondern den Verfasser eines geheimnisvollen Manuskripts und zwar nicht irgendeiner Stümperei, sondern sage und schreibe der besten Prosa, welche er je gelesen hat. Die Suche nach dem Verfasser bringt den Lindwurm erst in verschiedenen Antiquariaten in Schwierigkeiten und dann geht es für ihn auch noch ganz tief hinab in das verworrene Tunnelsystem unter der Stadt - unfreiwillig, wohlgemerkt, denn dort unten lauern barbarische Bücherjäger, monströses Höhlengetier und Bücher, die einen töten können.

Hinab!

Der zweite Teil der beiden Graphic Novels spielt fast komplett in den Katakomben. Dort geht es oft sehr brutal zu: Blut spritzt und Köpfe fliegen durch die Gegend. Fantasy für Kinder macht Walter Moers definitiv nicht! Die Illustrationen hauchen der düsteren Welt Leben ein. Was im Roman nur skizzenhaft auftaucht ist hier unglaublich detailverliebt. Allein die Lichtgestaltung wird zum absoluten Hingucker. Auf jeder Seite gibt es auch abseits der Haupthandlung etwas zu entdecken - zum Beispiel in der „Ledernen Grotte“, dem Heim der einäugigen Buchlinge, die Hildegunst bei sich aufnehmen. Daraus wurde ein ausklappbares Panoramabild, welches nur so wimmelt vor geschäftigen kleinen Zyklopen.

Ihr Geplapper erfüllte die Luft wie das Rauschen eines Wasserfalls. Ich sah heiße Quellen, in denen sie badeten, kunstvolle Brunnen, an denen sie sich labten, und Bibliotheken, in denen sie studierten. Es gab sogar ein Theater. Und überall sah ich Skulpturen, Gemälde und Wandteppiche. Niemals hätte ich hier unten ein solches Ausmaß an Zivilisation und Kultur erwartet!

Hildegunst von Mythenmetz alias Walter Moers

Durchdachte Bildgewalt

Der aufwändige Entstehungsprozess der Illustrationen ist am Ende von Band zwei dokumentiert. Ein schönes Extra, nach welchem man noch respektvoller auf die Details blickt. Walter Moers und Florian Biege sind für das Projekt in vier Arbeitsschritten vorgegangen: Am Anfang stand immer eine Skizze von Moers, der ja selbst Comiczeichner ist. Danach kam eine daraus entwickelte Skizze von Biege, die dem eher zweidimensional zeichnenden Moers mehr Räumlichkeit ermöglicht. Nach Abstimmung der beiden Autoren entstand dann jeweils der Farbentwurf und zu guter Letzt auch das malerisch komplett ausgestaltete Bild.

Also alles perfekt?

Nur in einem Ausnahmefall hinken die Graphic Novels den Illustrationen des Romans hinterher: Beim mächtigsten Wesen unterhalb von Buchhaim, dem Schattenkönig. In der Vorlage zeigt Moers immer nur Ausschnitte des Monsters - eine klauenbewehrte Hand hier, schwarze Augenhöhlen da. Für die Bildbände reichen die kleinen Skizzen natürlich nicht aus, der Schattenkönig wird komplett gezeigt, was ihm ein Stück weit seinen Zauber nimmt. Unter anderem, weil die Zähne der Figur aussehen wie von einem Kind gezeichnet. Dann gibt es ein weiteres kleines Manko: Bei all den visuellen Details kommen viele inhaltliche Details in den Graphic Novels etwas kurz. Moers versucht dies über ein Glossar am Ende des ersten Teils auszugleichen. Darin werden von seiner Kollegin Anja Dollinger einige Begriffe und Figuren weiter ausgeführt.

Fazit

Der zweiteilige Bildband bleibt aber vor allem etwas für Kenner der Zamonien-Romane. Ist man mit der fantastischen Welt jedoch ein wenig vertraut, kommt man voll auf seine Kosten. Die Graphic Novels sind ein absolut gelungenes Projekt. Moers-Fans sollten also die Daumen drücken, dass in Zusammenarbeit mit Florian Biege noch weitere Adaptionen seiner Romane folgen.

 

 

 

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Maximilian Enderling
21.02.2018 - 15:23
  Kultur