Hebammen

Babyboom trifft auf Mangel

In Leipzig werden immer mehr Babys geboren. Gleichzeitig geben mehr freiberufliche Hebammen ihren Job auf. Was bedeutet das für werdende Mütter? Und was wird gegen den Hebammenmangel unternommen?
Für die Nachsorge wird es immer schwieriger eine Hebamme zu finden.

Freiberufliche Hebammen betreuen Geburten zu Hause, im Geburtshaus oder als Beleghebammen im Krankenhaus. Um Geburtshilfe überhaupt anbieten zu dürfen, müssen sie eine Berufshaftpflichtversicherung abschließen. Die Prämien haben sich in den vergangenen zehn Jahren verfünffacht, derzeit sind es 7.600 Euro im Jahr. Es gibt zwar nicht mehr Geburtsschadensfälle, dafür sind die Ausgaben für diese stark gestiegen. Ein Grund ist zum Beispiel, dass geburtsgeschädigte Kinder heute durch den medizinischen Fortschritt länger leben. Für die Versicherer erhöhen sich somit die Behandlungskosten. Deswegen sind nur noch wenige Unternehmen bereit, die Geburtshelferinnen überhaupt zu versichern. Immer mehr freiberufliche Hebammen steigen wegen der hohen finanziellen Belastung und einer vergleichsweise schlechten Bezahlung aus der Geburtshilfe aus. In Leipzig bieten aktuell nur etwa 10 freiberufliche Hebammen eine außerklinische Geburt an.

Was wird dagegen getan?

Finanzielle Entlastung verspricht seit Januar 2016 ein Sicherstellungszuschlag. Damit können freiberufliche Geburtshelferinnen bis zu drei Viertel ihrer Haftpflichtprämien von den gesetzlichen Krankenkassen zurückbekommen. Das sei jedoch keine langfristige Lösung, sagt der Deutsche Hebammenverband. Solange die Prämien jährlich steigen, erhöhe sich auch der Betrag, der nicht erstattet wird. Sie fordern stattdessen einen staatlichen Haftungsfond sowie eine bessere Bezahlung. Aktuell verhandelt der Deutsche Hebammenverband mit den gesetzlichen Krankenkassen um eine höhere Vergütung. Bisher konnten sie sich nicht einigen.

1:1 – Betreuung

Luise Fink ist eine freiberufliche Hebamme in Leipzig und selbst im fünften Monat schwanger. Gemeinsam mit ihrem Mann hat sie sich für die Entbindung im Geburtshaus entschieden.

Für mich war das ganz wichtig, weil ich da eine 1:1-Betreuung habe. Es gibt so viele Studien, die zeigen, dass wenn die Frauen mehr betreut werden während der Geburt, brauchen die auch weniger Schmerzmittel. Und wenn weniger interveniert wird, kommen auch weniger Komplikationen.

Luise Fink, freiberufliche Hebamme und 2. Vorsitzende des Leipziger Hebammenkreisverbandes

Hingegen müssen angestellte Hebammen im Krankenhaus zum Teil mehrere Geburten gleichzeitig betreuen. Der momentane Babyboom setzt sie zusätzlich unter Druck.

Fehlende Nachbetreuung

Vor allem in der ersten Zeit nach der Geburt sind für Mutter und Kind praktische Hilfestellungen der Hebammen sehr wichtig. Doch auch für die Nachsorge wird es immer schwieriger, eine Hebamme zu finden. Im Internet können sich frischgebackene Eltern, die keine Hebamme gefunden haben, auf einer Landkarte eintragen. Damit will der Deutsche Hebammenverband erstmals Zahlen zur bundesweiten Unterversorgung sammeln. Mittlerweile gibt es über 13.000 Einträge.

Den Beitrag von mephisto 97.6 Redakteurin Marlen Schernbeck können Sie hier nachhören:

Ein Beitrag von Marlen Schernbeck
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