Konzertbericht

Awesome Terrifyingness

Nathan Grey ist vor allem für seine Gesangs-Arbeit bei der Band boysetsfire bekannt. Am 23. Mai kam er Solo ins UT Connewitz und lud zu einem Abend mit emotionalen Songs und noch emotionaleren Geständnissen ein.
Nathan Grey in lila Licht
Nathan Grey singt auf der Bühne des UT Connewitz

Der Saal des UT ist um kurz nach 8 gut gefüllt, als Nathan Grey die Treppe zur Bühne herunterkommt. Begleitet wird er von zwei Musizierenden, die ihn auf seiner Solo-Tour unterstützen. Zunächst begegnet das Publikum Grey etwas verhalten, was sich jedoch im Verlauf des Abends noch ändern soll. Grey hingegen witzelt ein wenig, bevor er dann seine Show beginnt.

Emotionale Achterbahn

Die Show ist ganz anders, als die Konzerte, die ich bisher erlebt habe. Das liegt daran, dass Grey in fast Tagebuch-artiger Ehrlichkeit über die Entstehung seines Solo-Albums "Feral Hymns" und die Geschichten hinter den darauf erschienenen Songs spricht. Schon während einer der ersten Erzählungen kommen Grey die Tränen - und nicht nur ihm, auch im Publikum kann man bereits blinzelnde und sich verhalten über das Gesicht wischende Personen sehen. Verwunderlich ist das wirklich nicht: Grey hat eine sehr stark von Traumata und Missbrauch geprägte Kindheit erlebt und erzählt davon sehr offen. Gleichzeitig schafft er es, jede Person im Publikum in ihrer jeweiligen Gefühlslage abzuholen. Immer wieder kreiiert er aber auch leichte Momente die durch Witz und die Interaktion mit seinen beiden begleitenden Musizierenden geprägt sind.

Safe Spaces

Ein wichtiger Punkt für Grey ist die Idee, dass dieser Abend, aber auch die Hardcore Shows, die er mit seinen Bands spielt, ein Zufluchtsort sein sollen. Ein Ort, an dem Gefühle anerkannt werden. Er erzählt, wie wichtig das für ihn selbst ist und dass er sich lange seiner eigenen Gefühle nicht bewusst war und inzwischen glaubt, dass man dadurch sehr anfällig für negative Ideen sei. Er bezieht diese persönlichen Gefühle auch auf die aktuelle Weltpolitik. Ganz so, wie man das auch von seinen Shows mit boysetsfire gewöhnt ist.

Nathan Grey in blauem Licht
Nathan Grey beginnt sein Konzert

Musik

Eine große Rolle in der extremen Wirkung, die dieser Abend hat, spielt natürlich die Musik. Grey spielt viele Songs seines Albums Feral Hymns, aber auch Songs, die er für boysetsfire oder The Casting Out geschrieben hat. Diese spielt er aber als Folk-Versionen. Das Publikum bestärkt immer wieder Songs und Erzählungen durch Klatschen und Jubelrufe, singt aber nur bei einem Song mit, da es vorher zu intim scheint. Der Song: My Life In The Knife Trade.

Fazit

Musik ist generell ein emotionales Thema und gerade in der Hardcore Szene sind persönliche und politisch motivierte Ansagen auf der Bühne nicht ungewöhnlich. Gerade boysetsfire kennt man für ihre Message von Gerechtigkeit und Frieden. Trotzdem ist kaum vorstellbar, was für eine Energie entsteht, wenn ein Musiker sein gesamtes Herz vor einem Publikum lässt und über extrem schwierige persönliche Themen spricht und diese in Relation zu den darauffolgenden Songs setzt. Der Abend ist nur sehr schwer in Worte zu fassen oder nachzuerzählen.
 

 

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Gesa Koy
25.05.2018 - 11:08
  Kultur