Theater

Ausblick: Unsere Theatertipps für 2018

Haben Sie Vorsätze fürs neue Jahr? Vielleicht ein bisschen mehr Kultur als 2017? Wir haben die spannendsten Inszenierungen der nächsten Monate ausgewählt, diese Stücke sollten Sie sich nicht entgehen lassen!
Mit "König Ubu / Ubus Prozess" bringt das Schauspiel Leipzig Anfang 2018 direkt einen Knaller auf die Bühne.
Mit "König Ubu / Ubus Prozess" bringt das Schauspiel Leipzig Anfang 2018 direkt einen Knaller auf die Bühne.

Die Empfehlungen unserer Theaterredaktion können Sie hier nachhören oder im Folgenden nachlesen:

Theaterredakteur Maximilian Enderling mit den Tipps für 2018.
Theaterredakteur Maximilian Enderling mit den Tipps für 2018.

Cammerspiele

tacet oder der Klang des Schweigens

Das Theaterjahr startet im Süden, genau genommen in den Cammerspielen am Werk 2. Dort steht am 17. Januar die erste Premiere an, eine Adaption des WDR-Hörspiels TACET (Ruhe2), Gewinner des Medienpreises Prix Europa. „Tacet“ ist Latein für „er/sie/es schweigt“ und das Stück dreht sich passenderweise um eine Frau, welche aus dem Nichts heraus aufhört, zu sprechen. Dadurch brechen ihre sozialen Strukturen zusammen. Freunde und Familie offenbaren durch das Schweigen plötzlich Gedanken hinter der Fassade. Das Thema des Hörspiels bietet sich wunderbar für eine Theateradaption an. Um es auf die Bühne zu bringen, haben die Cammerspiele extra eine Crowdfunding-Aktion durchgeführt. Zur Premiere von tacet oder der Klang des Schweigens erfahren die Unterstützer, ob sich ihre Spenden gelohnt haben.

naTo

Götter und Helden – schmutzige Wäsche?

Wir bleiben im Leipziger Süden: In der naTo gibt es am 8. Februar das Stück Götter und Helden – schmutzige Wäsche zu sehen. Darin werden klassische Heldenfiguren aufs Korn genommen. Welche Leichen haben Stars und Helden wohl im Keller? Hinter der Inszenierung steckt das neu gegründete 3nsemble23. Das Ensemble ist zwar schon seit zehn Jahren aktiv, bisher allerdings noch unter dem Namen SÜDSTAATLER. Bei Bands bringt so ein Namenswechsel ja manchmal frischen Wind in die Kreativität. Wir werden sehen, was er den Südstaatlern gebracht hat.

Musikalische Komödie

Doktor Schiwago

Auch die Oper Leipzig hat einige Schmankerl in den nächsten Monaten parat. Am 27. Januar ist an der MuKo die Premiere von Doktor Schiwago zu sehen, der epischen Liebesgeschichte in den Wirren des russischen Bürgerkrieges aus der Feder von Boris Pasternak. Schon die Verfilmung mit Omar Sharif in der Hauptrolle wurde zu einem der weltweit größten Kassenschlager der Sechziger Jahre. Die Musik zum Musical stammt von Lucy Simon. Besonders spannend: Die an der Musikalischen Komödie gezeigte Version ist gleichzeitig auch die deutschsprachige Erstaufführung des Musicals.

Alice im Wunderland

Eine Ballettpremiere ist an der MuKo ebenfalls zu sehen, auch auf Grundlage einer Geschichte, die wohl jeder kennt: Alice im Wunderland. Alice wurde diese Spielzeit schon vom Theater der jungen Welt auf die Bühne geholt, nun also auch ein paar Meter vom Lindenauer Markt entfernt. Die Choreografie zum Ballett stammt von Mirko Mahr, dem Ballettdirektor des Hauses. Begleitet wird sie von der Musik Andersons, Offenbachs und Stravinskys.

Oper

Boléro (Walking Mad)  / Le Sacre du Printemps

Von Stravinsky kommt auch die Musik für eine neue Choreografie von Mario Schröder am Opernhaus: Le Sacre du Printemps, Uraufführung am 3. Februar, in Verbindung mit dem Tanzstück Walking Mad vom schwedischen Choreografen Johan Inger. Stravinskys Komposition samt zugehörigem Ballett wurde bei der Uraufführung in Paris vom Publikum so heftig und aggressiv ausgebuht, dass im Saal das Licht angeschaltet wurde. Unwahrscheinlich, dass Schröders Choreografie heutzutage zu ähnlich krassen Reaktionen führen könnte. Wir wünschen ihm jedenfalls Standing Ovations.

Schwanensee

Parallel arbeitet Mario Schröder an einer weiteren Choreografie zu einer noch berühmteren Ballettmusik: Tschaikowskys Schwanensee. Nicht erst seit dem Oscar-Gewinner Black Swan hat Schwanensee auch heute noch größte popkulturelle Reichweite. Schön, dass Schröder in diesem Jahr seine eigene Interpretation der düsteren Geschichte zeigt. Uraufführung ist am 6. Mai.

Theater der jungen Welt

Kabale und Liebe

Im TdjW hat am 01. März Schillers Kabale und Liebe als Jugendtheater ab 15 Jahren seine Premiere. Bei solchen Klassikern ist natürlich immer die Frage, ob sie eher konservativ inszeniert werden, oder auch innovative Formen wagen. Von Regisseur Jürgen Zielinski kann man nach seiner wundervollen Produktion Juller sicher eine spannende und ästhetisch ansprechende Umsetzung von Schillers „Schullektüre“ erwarten.

Regarding the Bird

Zielinski feiert unmittelbar danach noch eine weitere Premiere: Regarding the Bird. Das Stück hat am 28. April am TdjW seine deutschsprachige Erstaufführung. Geschrieben wurde es vom israelischen Autor Nitzan Cohen. Der befasst sich darin mit dem Asperger-Syndrom bei einem jugendlichen Protagonisten. 2015 hatte Regarding the Bird in Israel den ASSITEJ-Preis als bestes Theaterstück gewonnen. In Deutschland wird es sicher nicht weniger gut ankommen.

Schauspiel Leipzig

König Ubu / Ubus Prozess

Last but not least kommt das Haus mit den meisten Eigenproduktionen in Leipzig. Am 27. Januar startet das Jahr dort gleich mit einem Knaller: König Ubu / Ubus Prozess von Alfred Jarry und Simon Stephens. Regie führt Claudia Bauer, die 2017 schon mit Geister sind auch nur Menschen zu begeistern (Vorsicht: Wortwitz) wusste.

Every Body Electric

In der Residenz hat bald die Tanzperformance Every Body Electric von der Wienerin Doris Uhlich Premiere. Auf ihre Arbeit konnte man Anfang der Spielzeit beim „House Warming“ schon einmal einen Blick werfen, einer Art Ausblick auf die anstehenden Projekte in der Spielstätte. Every Body Electric setzt sich tänzerisch mit körperlicher Behinderung auseinander. Beim „House Warming“ zeigte die Arbeit an diesem Thema (zu dem Zeitpunkt noch unter dem Namen Ravemachine in Zusammenarbeit mit Michael Turinsky) auch einige Längen. Ob sich diese ausgeglichen haben und was sich bis zur Premiere von Every Body Electric sonst noch getan hat, das zeigt sich am 23. Februar!

Eigentum. Ein Oratorium.

Auf dem Spinnereigelände gibt es von uns zum Abschluss noch eine andere, etwas ungewöhnliche Empfehlung. Das Performance-Kollektiv She She Pop ist auch an der Residenz zu Gast und veranstaltet ab dem 9. März einen mehrtägigen Workshop unter dem Titel Eigentum. Ein Oratorium. – wie der Name schon nahelegt, dreht dieser sich um Besitzverhältnisse. Der vielversprechende Ruf von She She Pop eilt ihnen voraus, also sollte man sich auch diese Performance 2018 nicht entgehen lassen!

 

Kommentare

Dr. Schiwago: Schade, wäre ein Stoff für eine große Oper. Aber dafür reicht die Kreativität heute leider nicht mehr. Musical verkauft sich auch besser. :-(

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Maximilian Enderling
02.01.2018 - 18:35
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