Fridays for Future Leipzig

Aus Klimakrise wird Klimakrimi

Der Tatort - für viele fester Bestandteil des Sonntagabends. Spannung pur. Doch noch viel spannender ist es, live vor Ort beim Tatort dabei zu sein. Das dachten sich auch die Fridays for Future und organisierten fix eine etwas andere Demonstration.
Die Demonstrierenden legen sich in die Kreideumrisse des Tatorts.
Die Demonstrierenden legen sich in die Kreideumrisse des Tatorts.

Der Leipziger Tatort beginnt. Die Spurensicherung malt die Umrisse von Opfern mit Kreide auf den Asphalt. Rotes Absperrband umgibt den Ort des Verbrechens. Am Rande des abgesperrten Platzes haben Trauernde Teelichter aufgestellt. Doch der Tatort ist kein gewöhnlicher.
Inmitten der Teelichter ist das eigentliche Opfer auf den Asphalt gemacht: Unser Planet, die Erde. Den Tatort hat die Leipziger Ortsgruppe von Fridays For Future inszeniert. Schon seit 26 Wochen gehen die Schülerinnen und Schüler jeden Freitag für eine neue Klimapolitik auf die Straße.
Doch was motiviert die jungen Protestierenden? Und wie kommt ihr Protest bei anderen Menschen an? Die Elftklässlerin und Mitorganisatorin Ita Weinrich hat den „Tatort CDU“ mitgestaltet. Sie erklärt, weshalb die CDU in ihren Augen beim Klimaschutz versagt hat.

Es gibt einfach keinerlei Maßnahmen, die durchgeführt werden und keinerlei Maßnahmen, die noch festgelegt werden, dass wir Klima und Umwelt in Sachsen schützen.

Ita Weinrich, Schülerin

Die Fridays for Future richten ihre Kritik nicht nur an die CDU. Auch andere Parteien seien für die aktuelle Klimapolitik verantwortlich. Doch mit ihrer Aktion wollen sie zuspitzen, provozieren. Ihr Ziel: Die Aufmerksamkeit der Passantinnen und Passanten auf sich ziehen.

Es muss halt diesen Klick-Moment geben: 'Krass, es engagieren sich viele junge Menschen für dieses Thema, da muss was dahinterstecken.

Ita Weinrich, Schülerin
Und tatsächlich macht die Aktion auf sich aufmerksam - die, die mit ihrem Fahrrad unterwegs sind, steigen kurz ab und schauen. Viele sind begeistert, halten den wöchentlichen Protest nicht nur für gerechtfertigt, sondern sogar für notwendig.

Was bringt's. wenn ihr am Samstag oder Sonntag auf die Straße geht? Das interessiert keine Socke!

Ulrike, Unternehmensberaterin

Straße statt Schulbank

Gerade von Seiten der CDU gab es in den vergangenen Wochen immer wieder Kritik daran, dass die Fridays for Future in der Schulzeit demonstrieren. Mitorganisatorin Ita ärgert sich über den Vorwurf, ihr und ihren Mitstreitenden würde es ums Schuleschwänzen gehen. Für sie ist Fridays for Future ein Vollzeitjob.

Es ist nicht so, dass ich mir Freitag 12.30 Uhr ein grünes T-Shirt anziehe und sage 'Jetzt bin ich Fridays for Future!' und dann ziehe ich das ab 16 Uhr wieder aus und habe ein normales Leben. Es ist ständiges Auf-den-Beinen-sein und das rund um die Uhr.

Ita Weinrich, Schülerin

Auch die Schülerinnen und Schüler, die an der Demonstration teilnehmen, finden es wichtig, für ihre Zukunft mitkämpfen zu dürfen. Am Luise-Otto-Peters-Gymnasium, der einzigen Klimaschule Leipzigs, wurde ein Kompromiss gefunden, um die Proteste mit der Schulpflicht zu vereinbaren: Wer den Lehrerinnen und Lehrern am Tag zuvor Bescheid gibt, darf mit auf die Straße gehen.

Every Friday in the Future?

Inmitten der Aktion füllt sich der Tatort mit Menschen. Wo vorher nur menschliche Umrisse aufgemalt waren, legen sich nun die jungen Demonstrierenden auf den Asphalt. Eine Rednerin spricht über die Folgen der Klimakrise und ruft anschließend zum gemeinsamen Kampf für eine bessere Klimapolitik auf. „Wir können nicht länger warten auf andere, die unseren Planeten retten. Wir müssen endlich aufstehen für unsere Zukunft“, schallt es aus den Lautsprechern über den Platz.

Und tatsächlichen stehen die Demonstrierenden wieder vom Boden auf und skandieren: „Wir sind viele, wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut!“

Dass die Schülerinnen und Schüler motiviert sind, spürt man an diesem Freitag deutlich. Doch nach so vielen Wochen des wiederkehrenden Protestes und zeitaufwändiger Organisationsarbeit, steht eine entscheidende Frage im Raum: Wie lange werden die Proteste noch anhalten? Mitorganisatorin Ita ist sich sicher: Fridays for Future kann nicht einfach aufhören. Auch ihre Mitstreitenden seien fest entschlossen, erklärt die Elftklässlerin.

Ich bin mir ganz sicher: die machen das nächstes Jahr noch, die machen das in zwei Jahren noch; die werden das so lange durchziehen, bis wir sehen, dass sich wirklich was verändert.

Ita Weinrich, Schülerin

Der Beitrag zum Nachhören:

Ein Beitrag von Carolin Jürgens zur Demonstration von "FridaysforFuture"
Demonstration im Tatort-Stil von "FridaysforFuture"

 

 

Kommentieren