Aufarbeitung SED-Diktatur

Aus für Rekonstruktion von Stasi-Akten

Ein Projekt zur Rekonstruktion zerstörter Stasi-Akten ist kürzlich gestoppt worden - es seien leistungsstärkere Scanner nötig. Die Konferenz der Landesbeauftragten für Stasi-Unterlagen fordert nun, dass die Rekonstruktion der Akten fortgesetzt wird.
In 16.000 Säcken lagern Papierschnipsel von Akten, die Stasi-Agenten nach dem Mauerfall beseitigen wollten.

Es ist der 4. Dezember 1989: Ein Stasi-Mitarbeiter berichtet in einer Radiosendung davon, dass die DDR-Staatsicherheit systematisch Akten vernichtet. Das wollen Aktivisten einer Bürgerinitiative allerdings verhindern - und besetzen noch am selben Tag die erste Stasi-Bezirksverwaltung in Erfurt. Wenig später am Tag besetzen Menschen auch die Stasi-Bezirksverwaltungen in Leipzig, Rostock und weiteren Städten. Dennoch: Der Stasi gelingt es, zahlreiche Dokumente zu zerschreddern und zu zerreißen: Die ehemalige Staatsicherheit der DDR hinterlässt so rund 16.000 Säcke mit rund 600 Millionen Schnipseln brisanten Materials.

Ein umfangreiches Puzzle

Heute hat die Behörde des Bundesbeauftragten für Stasi-Unterlagen die Aufgabe, die Akten wiederaufzubereiten. Seit zehn Jahren werden die Dokumente in einem Pilotprojekt aufwändig rekonstruiert: Dazu haben Forscher des Frauenhofer Instituts eine spezielle Software entwickelt, die dieses umfangreiche Puzzle virtuell zusammenfügen kann. Der Bund hatte hierfür rund sieben Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Doch nun stockt das Projekt: Denn es werden leistungsfähigere Scanner benötigt für die aufwändige Registrierung der Schnipsel. Dafür erforderlich sind wiederum weitere Mittel vom Bund – das Projekt ist daher vorerst gestoppt.

Landesbeauftragte fordern Fortsetzung der Rekonstruktion

Von den 16.000 Säcken mit zerstörten Stasi-Unterlagen sind bisher nur knapp 500 händisch rekonstruiert worden. Damit die Dokumente aus den restlichen Säcken auch wieder zusammengefügt werden können, braucht es weiteres Geld vom Bund. Die Konferenz der Landesbeauftragten für die Unterlagen der Staatsicherheit hat daher nun eine Forderung geäußert: Sie will, das die Rekonstruktion der Akten fortgesetzt wird – und der Bund falls nötig dafür die nötigen Mittel freimacht.

Was der Sächsische Landesbeauftragte zur Aufarbeitung der SED-Diktatur Lutz Rathenow zum Thema sagt, hören Sie hier:

Redakteur Magnus Raab im Interview mit Lutz Rathenow.
1001 Stasi Akten
 

Kommentare

Das ganze ist für ein Industrieland ein schlechter Witz. Und Herr Jahn muß sich fragen, ob er nicht ein Teil des Problems, statt der Lösung ist. Superschnelle Scanner sind keine Problem, die Finanzierung auch nicht.

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Magnus Raab
11.01.2018 - 11:43