Schwanensee-Premiere

Aus alt mach neu

Es ist eines der berühmtesten Ballettstücke überhaupt und weit über das ballettinteressierte Publikum bekannt. Tschaikowskis Schwanensee ist einfach Kult. Die Oper Leipzig hat sich nun an eine Neuinterpretation des Balletts herangewagt.
Mario Schröder hat mit seiner Version von Schwanensee eine komplette Neuinterpretation des Balletts gewagt.
Mario Schröder hat mit seiner Version von Schwanensee eine Neuinterpretation des Balletts gewagt.

Schwanensee ist mittlerweile über 140 Jahre alt und weltbekannt. Dennoch ist es der Oper Leipzig gelungen, eine neue Version auf die Bühne zu bringen.

Hören Sie hier Theater-Redakteurin Angela Fischer im Gespräch mit Moderatorin Peggy Fischer:

Eine Rezension von Angela Fischer.
Eine Rezension von Angela Fischer.

Weg vom Klischee

Ballettdirektor Mario Schröder macht aus dem Schwanensee-Klassiker ein sehr aktuelles Stück. Die Handlung hat er komplett umgedreht. Ursprünglich ist Schwanensee ein Märchen. Es geht um einen Prinzen, der sich in eine Schwanenprinzessin verliebt. Auf ihr lastet ein Fluch und so verwandelt sie sich jeden Tag aufs Neue in einen Schwan. Nur die Liebe – wie könnte es anders sein – kann diesen Fluch brechen. Ein Märchen voller Klischees also: Der heldenhafte Prinz rettet die Prinzessin.

Dieses Klischee wollte Mario Schröder nicht weiter bedienen. Deshalb gibt es bei ihm auch gar keinen Prinzen, sondern nur eine Prinzessin. Eine ganz normale Prinzessin, keine Schwanenprinzessin. Am Königshof wächst sie in einer sehr konservativen Welt auf. Sie ist damit sehr unglücklich und so geht es in Schröders Version darum, wie sich die Prinzessin von ihrem konservativen Leben zu emanzipieren versucht.

Einmal im Traum

Der Schwan spielt bei Mario Schröder eine viel subtilere Rolle als im Original. Die Prinzessin ist nicht verflucht in einen Schwan, sondern träumt davon, wie es wäre einer zu sein. Immer wenn sie traurig ist, flieht sie in eine Art Traumwelt und stellt sich vor, wie sie an einem See zusammen mit anderen Schwänen übers Wasser tanzt. Der Schwan ist hier als Symbol für Freiheit also positiv besetzt.

Die Traumwelt wird durch das überwältigende Bühnenbild zum Leben erweckt. Schräg über den Tänzerinnen und Tänzern hängt ein riesiger Spiegel, wodurch man die Choreografie von oben in ihrem Gesamtbild betrachten kann. Hinzu kommen aufwendige Lichtprojektionen: So entsteht ein völlig neues Balletterlebnis.

Durch Spiegel und Lichtspiele entsteht ein völlig neues Balletterlebnis.
Durch Spiegel und Lichtspiele entsteht ein völlig neues Balletterlebnis.

Varietät statt Tutu

Auch bei der Kostümgestaltung hat Mario Schröder bewusst mit alten Traditionen gebrochen. Wer an Schwanensee denkt, hat sofort die traditionellen, weißen Schwanen-Tutus vor Augen. Die sind an der Oper Leipzig Fehlanzeige. Mario Schröder hat die Kostüme eher minimalistisch gehalten. Vielleicht aus dem Grund, dass die Hälfte aller Schwäne von Männern getanzt wird. Auch das ist eine bewusste Spielerei mit den traditionellen Rollenbildern.

Gleichzeitig fehlen aber auch wichtige Elemente, die einfach zu Schwanensee dazugehören, weil sie so charakteristisch für dieses Ballettstück sind. Der Tanz der kleinen Schwäne zum Beispiel. In der Regel wird diese Nummer von vier Schwänen in einer synchronen und flotten Formation getanzt: ein ebenso schwieriger wie besonderer Tanz. Bei der Neuinszenierung liegen alle Tänzer und Tänzerinnen nebeneinander auf dem Boden und bewegen sich vor allem mit Händen und Füßen zur Musik. Das mag für den ein oder anderen Schwanensee-Fan enttäuschend sein.

Fazit

Trotzdem ist Mario Schröders Version von Schwanensee eine überaus gelungene Neuauflage des Klassikers. Ob sie einem gefällt oder nicht – das hängt ganz von der eigenen Erwartungshaltung ab. Wer Schwanensee noch nie gesehen hat, bekommt vielleicht nicht das, was er erwartet. Dafür bietet die Inszenierung aber etwas völlig Neues und schafft es, selbst treue Fans des Klassikers völlig zu überraschen.

 

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