Kolumne

Aufputschend und sedierend zugleich

Die Kolumne. Immer freitags und immer mit den guten Fragen der Woche. Diesmal Moritz Lünenborg über Keks - Die wahrlich geniale Mischung zweier Drogen die eigentlich nicht zusammenpassen.
Kolumne, Symbolbild, Redaktion
Was ist diese Woche passiert? Unsere Kolumnisten und Kolumnistinnen haben sogar Antworten, wenn sie gar nicht gefragt werden.

Die Kolumne zum Nachhören: 

Koksen ist Scheiße - die Kolumne von Moritz Lünenborg
 

Die Bombe

Es geht um Koks und Ketamin, kurz Keks. Der eine ein Scarface Klassiker für dicke Eier - der andere ein Stoff aus der Anästhesie, aufputschend und betäubend zugleich. Auch deshalb ist Keks schon länger der totale Renner in der Feiergemeinde. Schnell vom Floor auf die Klubtoilette, Line zurechthaken, mit dem Röhrchen ansetzen uuuund Schnief/ Boom macht’s im Kopf. Aber nicht nur dort, Boom macht es auch in Latein Amerika. 

...porque la cocaína es la bomba atómica de Latinoamerica.

Carlos Lehder Rivas - kolumbianisch deutscher Drogenhändler

Kokain ist die Atombombe Lateinamerikas, sagte Carlos Lehder. Laut ihm würde Kokain die USA wortwörtlich abhängig machen von ihrem Hinterhof. Kokain würde die Revolución finanzieren und die verdammten Gringos vergiften. Naja Carlos Lehder wanderte in Gringolandia, Pardon, in den USA in den Knast. Die Atombombe aber blieb wo sie war, in Latein Amerika und damit in Carlos Lehders Heimatland Kolumbien. Die Menschen, die Kokain produzieren, bekommen ein paar Dollars am Tag und das große Geschäft machen ein paar wenige. Diese Wenigen peinigen das Land mit Gewalt und lassen es von der Korruption zerfressen. Tendenz steigend. Im Jahr 2017 wurden laut Drogenbericht der UN, 25 % mehr Kokain produziert als noch im Vorjahr. Mit dem Koks vergiftet sich ein halber Kontinent. Kolumbien, Mexiko, Guatemala, El Salvador usw. Und die großen Konsumentinnen und Kosumenten, das sind schon längst nicht mehr nur die ach so bösen Amis. Nein die Konsumentinnen und Konsumenten das sind auch wir, liebe Feier-Gemeinde.

Liebe Feiergemeinde (und liebe Bankerinnen und liebe Start-Up Heinies)

Aus dem aktuellen Drogenbericht der EU kann man entnehmen, dass rund eine Millionen Deutsche im letzten Jahr Koks konsumiert haben. Also: Liebe Brüder und Schwestern, liebe Techno-Jünger, wir sind es. Wir sind die Atombombe für Lateinamerika. Ja, ich weiß, man sollte Drogen legalisieren, denn es ist die einzige Möglichkeit den Sumpf auszutrocknen. So viel ist klar: Prohibition ist keine Lösung. Diese Einsicht ist aber noch lange nicht gemainstreamt. Bisher zieht eine Einstellung a la „Es gibt kein richtiges Leben im falschen“ nicht. Und kommt mir bitte auch nicht damit, dass es nicht um individuelle Verantwortung geht, sondern um das System. Nein, das riecht mir zu sehr nach Salonkommunismus. Auch wenn die Kritik am System wichtig ist, beharre ich auf der individuellen Verantwortung. Vor allem dann, wenn es um globale Unterdrückungsstrukturen geht, die arg an Verhältnisse aus der Kolonialzeit erinnern. Der Reiche Westen ergötzt sich am Exzess und die Hauptlast trägt der globale Süden. Vorsicht, hier kommt die Moralkeule: Koksen ist scheiße. Und Keks übrigens auch.

Kolumnist Moritz Lünenborg
Kolumnist Moritz Lünenborg

  

 

Kommentieren

Moritz Lünenborg
19.07.2019 - 18:33