Die Kolumne

Aufhören, wenn es am Schönsten ist?

Die Kolumne. Immer freitags und immer mit den guten Fragen der Woche. Diesmal: Thomas Tasler und die Frage, wann es an der Zeit ist, zu gehen.
Die Kolumne. Immer freitags bei mephisto 97.6, immer im Netz und immer mit den guten Fragen der Woche.
Was ist in dieser Woche passiert? Unsere Kolumnisten haben wie immer eine Antwort auf die wichtigsten Fragen.

Die Kolumne zum Nachhören finden Sie hier:

Eine Kolumne von Thomas Tasler.
1409 Kolumne

Ich hab ja keine Ahnung wie es Ihnen geht, aber ich erinnere mich immer sehr gern an meine noch nicht ganz so lang zurückliegende Jugend. Immer wenn ich am Wochenende mit Freunden losziehen wollte, stand meine Mutter an der Wohnungstür und rief mir hnterher:

Und denk dran mein Sohn, man sollte immer aufhören, wenn es am schönsten ist.

Mutter Tasler

Klar, der gutgemeinte Rat bedeutete übersetzt, trink nicht so viel. Doch Aufhören, wenn es am schönsten ist, dieser Gedanke ist bei mir jedenfalls hängen geblieben. Trotz der ein oder anderen durchzechten Nacht. Schade nur, dass so viele Menschen diesen Gedanken nicht ernst nehmen - vor allem nicht in der Politik. Die Frage, wann der richtige Zeitpunkt gekommen ist, abzutreten und seinen Nachfolgern Platz zu machen, scheint sich da überhaupt kaum jemand zu stellen.

Mangelndes Zeitgefühl

Horst Seehofer zum Beispiel, der hat den richtigen Zeipunkt meilenweit verfehlt. Statt sich in den gemütlichen Modellbahnkeller zurückzuziehen, hat er seinen Schreibtisch in der Münchner Staatskanzlei im besten Rentenalter von 68 Jahren nur geräumt, um sich in Berlin auf die Suche nach der Mutter aller Probleme zu begeben. Diese Woche hat er auch noch angefangen zu twittern.

 

Unsere Kolumnist Thomas Tasler. Foto: Sophie Rauch

Weil Leipzig ja das neue Berlin ist, suchen nun auch die ausgedienten Staatsdiener in der Messestadt neue Aufgaben. Einer von ihnen ist Polizeipräsident Bernd Merbitz. Anfang kommenden Jahres wid er pensioniert und weil Golfspielen wohl nicht so sein Ding zu sein scheint, will er es nun auf CDU-Ticket im Landtag probieren.

Miese Aufklärungsquote

Warum eigentlich? Was qualifiziert diesen Mann, die sicherheitspolitische Linie der sächsichen CDU zu schärfen. Ein Blick in die Kriminalstatistik zeigt nämlich, dass im vergangenen Jahr die Zahl der Straftaten in Leipzig auf dem zweithöchsten Stand seit 2000 lagen. Hinzu kommt eine sinkende Aufklärungsquote. Noch nicht mal jede zweite Straftat wurde von Merbitz Beamten da aufgeklärt.

Auch Oberbürgermeister Jung findet diese Zahlen, naja, nicht ganz so toll:

Natürlich haben wir ein Sicherheitsproblem und das werde ich auch nicht müde zu sagen.

Oberbürgermeister Burkhard Jung

Aber eins kann er ja, der Landtagskandidat in spe: Markige Sprüche klopfen und gute Laune verbreiten:

Das wollen wir, ich will das, wir wollen das und ich glaube, das ist ein guter Beitrag für die Sicherheit in Leipzig. Und Sie können sich darauf verlassen, das läuft.

Polizeipräsident Bernd Merbitz

Ein Versprechen, dem – wie so oft – keine Taten folgten. Glückwunsch. Vielleicht wäre es jetzt an der Zeit für Merbitz, einen Schlussstrich zu ziehen und sich den Rat meiner Mutter anzunehmen. Ich für meinen Teil höre heute mal auf sie und mach an der Stelle Feierabend.

Tschüss und schönes Wochenende.

 

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