Porträt

Auf zu neuen Ufern

Nachdem er mehrere Intendanten in Leipzig überlebt hat, gibt der Schauspieler Matthias Hummitzsch seine letzte Vorstellung. Was war das für ein Schauspielerleben?
Schauspieler
Schauspieler bei der Agentur Wurst (Bettina Schmidt, Matthias Hummitzsch)

Auf diesem Weg des Wollens voranzuschreiten

Matthias Hummitzsch wurde schon in seiner Jugend von Leipzig geprägt. Vielleicht hat die Theateraffinität der Stadt ihn sogar dazu verleitet, Schauspieler zu werden. Er selbst weiß gar nicht, woher dieser Wunsch kommt, deswegen wurde sein Berufsziel von Verwandten lange Zeit nicht ernst genommen. Doch er kämpfte für seinen Traum und bewarb sich an Schauspielschulen. Schließlich schrieb er sich 1970 an der Leipziger Hochschule "Hans Otto" ein. Heute hätte er sich vermutlich anders entschieden, hätte die Fremde gesucht – und doch erinnert er sich nur gut an seine Studienzeit.

"Das habe ich mir auf meine Arbeitsfahnen geschrieben"

Danach begann er zunächst am Studio in Halle, wo Horst Schönemann Intedant war, der das Theater in der DDR neu belebte. Das Erproben des Neuen, das Experimentieren und die Zusammenarbeit im Ensemble haben Matthias Hummitzsch geprägt, sodass er mit einigen Kollegen nach Senftenberg wechselte, weil hier gerade ein neues, junges Ensemble entstand. Nach einem Engagement in Schwerin zog es ihn dann, wohl auch auf Anraten seines Lehrers Friedhelm Eberle, nach Leipzig. Im Laufe der Jahre hat Hummitzsch sich als gebürtiger Leipziger in die Theaterszene der Stadt eingeschrieben, beispielsweise als "Faust", aber auch als Lehrer von Sebastian Hartmann, der das städtische Schauspiel in Leipzig umkrempelte.

Einen Unterschied zwischen früheren und heutigen Generationen sieht Matthias Hummitzsch aber nicht wirklich, die Kunst habe sich sowieso ständig verändert. Doch Jüngere sehen ihn trotzdem als einen Schauspieler mit besonderer Erfahrung: als jemanden, der sein Handwerk im Laufe der Jahre perfektioniert hat, der auf der Bühne Ausstrahlung und Ruhe besitzt und immer auf den Punkt arbeitet. Aber er stand nie alleine auf der Bühne, er sah sich immer als Teil eines Ensembles, der Austausch und ein Zusammenwirken war ihm wichtig. Gleichzeitig war er aber auch eigensinnig, vor allem in seinen Rollen. Schauspiel-Kollegin Ellen Hellwig spricht sogar von Krieg, so stark war Hummitzsch in seinen Rollen.

Alles Zitate aus dem Theaterleben

Ganz untergründig ist eine leichte Unzufriedenheit mit dem Abschluss zu hören, vielleicht wäre Matthias Hummitzsch ein Drama auf der großen Bühne lieber gewesen. Doch es sollte ein Sommertheater (der Titel "I'll be back" klingt im Zusammenhang mit eine Abschied schon besonders) sein, das etwas seicht ist: Eine kleine Werbeagentur soll Imagefilmchen für das 1000-jährige Jubiläum der Stadt Leipzig produzieren. So treffen die vier Angestellten des Unternehmens Wurst auf vier eigensinnige Schauspieler, unter ihnen Johann Friedrich Schönemann-Schreck alias Matthias Hummitzsch. Das Stück erzählt die Auseinandersetzung zwischen all diesen Charakteren mit dem Projekt. Dabei entstehen zwar schöne Gags und lustige Filme, doch das Stück selbst lässt an Tiefe missen. Weder wird das leicht überzogene, weil irgendwie gemachte Stadtjubiläum kritisiert, noch überspitzt oder karikiert das Stück die Vorgänge der Werbeindustrie. Aber es bietet nette Unterhaltung für einen lauen Sommerabend. Dadurch, dass das Stück gemeinsam mit den Schauspielern erarbeitet wurde (denen zwar durch die Situation einiges vorgegeben war), hatte Matthias Hummitzsch noch einmal Gelegenheit, sehr viel Persönlichkeit in diese Rolle zu geben und retrospektiv zu werden.

Ein Porträt über den Schauspieler Matthias Hummitzsch von Thilo Körting

Ellen Hellwig, Friedhelm Eberle, Andreas Dyszewski, Anja Schneider

Hummitzsch
 

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