Frisch gepresst: Foo Fighters

Auf Zeitreise mit den Foo Fighters

Neues von den Foo Fighters: "Concrete and Gold" ist das neunte Studioalbum der Rocklegenenden. Trotzdem weiß das mittlerweile zu Rockopas gereifte Sechsergespann immer noch zu überraschen.
Die Foo Fighters haben mit "Concrete and Gold" ihr neuntes Studioalbum veröffentlicht.
Die Foo Fighters haben mit "Concrete and Gold" ihr neuntes Studioalbum veröffentlicht.

Seit nun schon 20 Jahren sind die Foo Fighters im Geschäft. Sie haben so ziemlich alles erreicht, was es im Musikbusiness zu erreichen gibt. Mehrere Platin-Alben: Check. Gigantische Stadiontouren vor fast 100.000 Menschen: Check. Elf Grammys: Check.

Extravaganz zum Hören

Durch all den Erfolg und eine stetig wachsende, treue Fanbase verfügen die Foo Fighters über einen Luxus, den andere Bands nicht haben. Sie haben die Zeit und die Möglichkeit alles auszuprobieren, was sie wollen. Das lebt vor allem Frontsänger Dave Grohl exzessiv aus. Für jedes Album kommt er mit einem neuen exzentrischen Konzept. Das vorletzte Album „Wasting Light“ hat die Band, trotz aller technischen Möglichkeiten, nach dem Motto back to basics in einer Garage aufgenommen. Für den letzten Longplayer „Sonic Highways“ sind die Rocker quer durch die USA getourt, um in verschiedenen berühmten Musikstudios in verschiedenen Städten jeweils einen Song für das Album aufzunehmen. Mit dabei war immer eine Berühmtheit der lokalen Musikszene der Stadt.

Neues Album, neuer Plan

Auch für „Concrete and Gold“ hatte Dave Grohl eigentlich extravagante Pläne. Das gesamte Album sollte live am Stück vor 20.000 Menschen eingespielt werden. Dazu sollte ein professionelles Aufnahmestudio auf der Bühne errichtet werden, um das Projekt zu ermöglichen. Diese Idee wurde allerdings verworfen. Stattdessen entschied man sich für eine konventionelle Aufnahme im Studio. Trotzdem scheint auch diesem Album wieder ein Konzept zu Grunde zu liegen. Dave Grohl bedient sich beim Songwriting Einflüssen aus verschiedenen Genres und Epochen der Popmusik. Es lassen sich Referenzen an verschiedene Musiklegenden, wie die Beatles, Queen oder Prince finden. Jeder Song klingt irgendwie anders, als würde er einzeln für sich stehen. Die Foo Fighters nehmen uns mit auf eine Zeitreise durch die Musikgeschichte.

Komm, wir gehen auf Reise

Wir schreiben das Jahr 1967. Die Beatles stürmen weltweit die Charts mit ihrem achten Album „Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band“. In diese Zeit fühlt man sich durch die Songs „Happy Ever After (Zero Hour)“ und „Sunday Rain“ versetzt. Der erste Song komplett akustisch, der zweite dann mit E-Gitarre, erzeugen beide Tracks eine beschwingt melancholische Stimmung.

Wir springen in das Jahr 1975. Freddy Mercury betritt die Bühne und setzt zu einer Rockhymne an. Lange Haare, extravagantes Outfit, einmalige Stimme. Diese Vibes transportiert der erste Track des Albums „T-Shirt“. Mit epochalem, imposantem Sound erinnert er stark an Queen.

Mit der bereits im Vorfeld veröffentlichten Single „The Sky is a Neighborhood“ bleiben wir in den Siebzigern. Die gesetzte Rockballade versprüht den Charme einer klassischen Rockhymne a la Deep Purple.

Wir landen im Jahr 1994. Der Seattle Sound ist mit Nirvana im Mainstream angekommen. Dave Grohl wirbelt noch fleißig die Drumsticks und überlässt Kurt Cobain das Singen. Im Kielwasser von Nirvana erobern auch andere Grunge-Bands wie Pearl Jam oder Soundgarden die Musikwelt. Mit starkem Gitarrenfokus und rauem Gesang könnte „Make It Right“ als Song aus genau dieser Epoche durchgehen.

Ein kleiner Schritt bringt uns ins Jahr 1997. Dave Grohl hat mittlerweile seine eigene Band, die Foo Fighters. Er singt und spielt Gitarre, anstatt hinter dem Schlagzeug zu sitzen. Nach den gigantischen Erfolgen seiner ersten Band Nirvana, nimmt auch Grohls Erfolg mit den Foo Fighters rasant an Fahrt auf. Die Hitsingle des Albums „Run“ erinnert genau an diese Anfangszeit der Foo Fighters. Ruhigere Strophe, krachender Refrain. Ein bekanntes Schema.

Times Like These

Was ein wenig überrascht, sind die Texte des Albums. Normalerweise waren Dave Grohls Lyrics eher von seichten Themen geprägt. Die Texte auf „Concrete and Gold“ sind dagegen fast schon offen politisch. Die Foo Fighters sehen „trouble to the left and right“.

Es wirkt, als hätte Dave Grohl auch etwas zur aktuellen politischen Lage zu sagen. Immer wieder gibt es Anspielungen auf politische Ereignisse. Der Song „Dirty Water“ kann zum Beispiel als Referenz an die Flint Water Crisis verstanden werden, bei der 2014 das Trinkwasser einer ganzen Stadt im US-Bundesstaat Michigan mit Blei kontaminiert wurde.

Fast schon ironisch wirkt es, vom Sänger des Hits „My Hero“ zu hören:

There ain’t no superheros, they’re underground

Allerdings passt es in den Grundtenor des Albums. Unsere Lebensrealität kommt dabei ziemlich schlecht weg.

Fazit

Durch die vielen verschiedenen Einflüsse wirkt das Album wie eine Reise durch diverse musikalische Epochen. Es bietet ein interessantes, vielseitiges Hörerlebnis und deckt die unterschiedlichsten Stimmungen und Geschmäcker ab. Allerdings fehlt der rote Faden, der die einzelnen Songs miteinander verknüpft. Es entsteht der Eindruck elf einzelner Songs, nicht der eines Albums. Dadurch wirkt die Platte für den individuellen Hörer durchwachsen. Je nach Geschmack stechen unterschiedliche Songs hervor. Das Album ist deshalb für niemanden richtig schlecht, aber auch für niemanden richtig gut.

 

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Jonas Enke
18.09.2017 - 16:03
  Kultur

Foo Fighters: Concrete and Gold

Tracklist:

01. „T-Shirt”

02. „Run”

03. „Make It Right”

04. „The Sky Is A Neighborhood”

05. „La Dee Da”

06. „Dirty Water”

07. „Arrows”

08. „Happy Ever After (Zero Hour)”

09. „Sunday Rain”

10. „The Line”

11. „Concrete and Gold”

Erscheinungsdatum: 15.09.2017
RCA Records