Endstation: Sommerfeld

Auf Maximilians Spuren

Heute denkt man beim Namen Sternburg in erster Linie an die gleichnamige Biermarke. Aber dahinter verbirgt sich auch ein Stück Leipziger Stadtgeschichte. Maximilian Speck von Sternburg und seine Familie haben in der Stadt viele Spuren hinterlassen.
Buchrücken im Sächsischen Staatsarchiv

Celine Schmock und Levin Schwarzkopf auf den Spuren von Maximilian Speck von Sternburg:

Eine Reportage von Levin Schwarzkopf und Celine Schmock.

Gesprochen von Celine Schmock

 

Das Staatsarchiv Leipzig in Leipzig-Paunsdorf, an der Endstation der Straßenbahn-Linie Sieben, ist ein unscheinbarer Zweckbau. Archivarin Birgit Richter nimmt uns mit ins Magazin. Bei 18 Grad Raumtemperatur und 50 Prozent Luftfeuchtigkeit lagert hier Archivgut aus mehr als sieben Jahrhunderten. Insgesamt füllt es rund 23 Regal-Kilometer, was der Strecke von Paunsdorf bis zum Flughafen Leipzig/Halle entspricht. Die Bestände stammen aus Leipzig und Umgebung. Dazu zählen Akten von Ämtern, Behörden und Gerichten sowie Nachlässe von Unternehmen und Rittergütern.

Das Archiv ist die erste Station unserer Spurensuche zur Famlie Speck von Sternburg, denn hier wird das Familienarchiv aufbewahrt. Teile davon lagern hier bereits der DDR-Zeit. 2015 übergab Wolf-Dietrich Speck von Sternburg, der Erbe des Familienbesitzes, eine weitere umfangreiche Sammlung an das Staatsarchiv in Leipzig.

Das war ein ganz einmaliges Erlebnis in einem Archivarsdasein. Im Jahr 2016 war ich beteiligt an der Erschließung dieses sehr wertvollen Familienarchivs und 2017 haben wir dazu eine Ausstellung vorbereitet. Die Ausstellung hat sehr schnell die Gunst des Publikums gefunden und wir hatten überdurchschnittlich viele Führungen.

Birgit Richter, Archivarin

Unter dem Titel “Maximilian Speck von Sternburg und seine Erben” erzählt die Ausstellung die Geschichte der Familie. Sie beginnt mit dem wirtschaftlichen Aufstieg von Maximilian Speck, geboren 1776 in einfachen Verhältnissen. Er wurde vom erfolgreichen Wollhändler zum wohlhabenden Gutsbesitzer und nachträglich sogar zum Adeligen. Seinen Nachkommen hinterließ er ein umfangreiches Erbe und schuf damit die Grundlage für das weitere Wirken der Familie. Unter Specks Nachkommen befinden sich zum Beispiel weitere Gutsherren, Künstler und Diplomaten. Birgit Richter zeigt uns ein Ausstellungsstück, das dies besonders verdeutlicht.

Was vielleicht sehr wichtig ist, ist das Testament des Maximilian Speck von Sternburg. Das ist eine dicke gebundene Akte und stammt von den 1850er Jahren. In dem Testament bedenkt er seine Nachkommen mit allerlei Geld, aber er schreibt auch, dass dieser Familienbesitz ein unteilbarer Familienbesitz wird.

Und diesen Besitz wollen wir uns näher ansehen. Von Paunsdorf geht es weiter nach Lützschena.

Das komplette Interview mit Archivarin Birgit Richter können Sie hier nachhören: 

Redakteur Levin Schwarzkopf im Gespräch mit Archivarin Birgit Richter.
 

 

Der Diana-Tempel.

Die Sonne scheint. Wir fahren zum Schlosspark Lützschena, dem ehemaligen Anwesen der Familie Speck von Sternburg. Herr Günther erwartet uns bereits. Er ist Leiter der Auwaldstation, einem gemeinnützigen Verein, der sich seit fast 20 Jahren mit Umweltbildung beschäftigt und den Park im Auftrag der Stadt Leipzig betreut. Maximilian Speck von Sternburg kaufte das Gelände einer verarmten Adelsfamilie ab.

Nach dem Erwerb 1822 hat er innerhalb von rund drei Jahren diesen Schlosspark gestaltet. Nach dem Vorbild der englischen Landschaftsgärtner, hat sich Anregungen geholt auf seinen vielen Reisen nach Europa.

Sebastian Günther, Geschäftsführer der Auwaldstation

Das angrenzende Rittergut wandelte sich zum landwirtschaftlichen Betrieb. Nach dem zweiten Weltkrieg wurde die Familie enteignet und der Park in kleine Abschnitte aufgeteilt. Holz wurde gefällt, Monumente niedergerissen. Rohstoffe waren den neuen Besitzern wichtiger als der Erhalt von Geschichte.

Der Park verfiel während der Zeit in der DDR immer mehr. Selbst dass er unter Denkmalschutz gestellt wurde, hat den Verfall nicht aufgehalten. Daraufhin hat Wolf Dietrich Speck von Sternburg, der aktuelle Parkbesitzer, die einzelnen Zellen aufgekauft um den Park zu erhalten.

 

Herr Günther führt uns durch den Park. Vieles erinnert hier an die Gestaltung durch Maximilian Speck: Am Ende des Weges zeichnen sich die weißen Säulen seines Diana-Tempels ab. Weiter hinten verbirgt sich der ehemalige Familienfriedhof. Auch in Zukunft wird daran gearbeitet, das Erbe zu erhalten. Trotzdem, so Sebastian Günther, wird der Park nicht eins zu eins rekonstruiert.

Der Tempel am Diana-Teich.

Von Lützschena geht es weiter nach Reudnitz, wo Maximilian und seine Familie ihre sichtbarste Spur hinterlassen haben: Die Sternburg-Brauerei.

Zum Rittergut Lützschena gehörte auch ein Brauhaus. Maximilian Speck machte aus der Bierproduktion ein lukratives Geschäft. Mehr als 150 Jahre lang wurde in Lützschena Sternburg-Bier hergestellt, auch noch zu DDR-Zeiten. Nach der Wiedervereinigung übernahm der Radeberger-Konzern den Markennamen. Gebraut wird seitdem in Reudnitz.

 

 

Die Sternburg-Brauerei in Lützschena.

Mit den Specks von Sternburg hat die heutige Brauerei also nichts mehr zu tun. Trotzdem dreht sich auf dem Dach ein überdimensionaler Kronkorken. Darauf ist das heutige Marken-Logo zu sehen, der fünfzackige Stern auf rotem Grund. Den haben bereits im Staatsarchiv in Paunsdorf entdeckt, und zwar auf dem Wappen der Specks von Sternburg.

An der Brauerei endet unsere Spurensuche. Trotzdem gibt es in Leipzig noch mehr zu entdecken. Die Ausstellung im Sächsischen Staatsarchiv ist nur noch bis Donnerstag, den 30. August geöffnet. Den Schlosspark Lützschena und die angrenzende Auwaldstation kann man ganzjährig besuchen. Weitere Spuren finden sich auch im Museum der bildenden Künste in der Innenstadt. Hier werden Teile der Kunstsammlung ausgestellt, die Maximilian Speck von Sternburg zusammengetragen hat.

 

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