GameCheck: Layers of Fear 2

Auf Kreuzfahrt durch die Psyche

Der Nachfolger von "Layers of Fear" macht den Aufenthalt auf einem Kreuzfahrtschiff zum Grusel-Trip. Schutzlos und allein müssen sich die Spielenden den inneren Dämonen eines Schauspielers stellen. Eine Erfahrung zwischen Wahn und Wirklichkeit.
Die Welt von Layers of Fear 2
Die Welt von "Layers of Fear 2" strahlt eine morbide Schönheit aus.

Mit "Layers of Fear" schuf das polnische Indie-Entwicklerstudio "Bloober Team" ein viel gefeiertes Horror-Meisterwerk, das vor allem durch seine ungewöhnliche Art, Geschichten zu erzählen, glänzte. Mit den Augen eines geisteskranken Künstlers mussten die Spielenden ein riesiges Anwesen erkunden. Während sich die Suche nach Hinweisen zunehmend zu einem Alptraum entwickelte, förderten allerlei Fundstücke und Erinnerungsfetzen die tragische Familiengeschichte des Protagonisten zutage. Dabei bewies das Spiel durch seine originelle Inszenierung des Wahnsinns, dass Horror und Schrecken nicht immer real sein müssen, um uns das Fürchten zu lehren.

Die Rezension zum Nachhören:

Eine Rezension von Jannik Stein

Der Brief wurde eingesprochen von Laura Kreuzhage. Die restlichen Töne sind original aus dem Spiel.

Rezension "Layers of Fear 2"

Allein auf hoher See

Ein gruseliger Junge sitzt auf einem Schrank.
Ein Bild wie aus einem Horrorfilm.

An dem Erfolgsrezept seines Vorgängers hält auch der zweite Teil von "Layers of Fear" fest, verlegt den Schauplatz jedoch auf ein Kreuzfahrtschiff und ersetzt den erfolgreichen Maler durch einen gefeierten Schauspieler. Wie schon in Teil eins lässt uns das Spiel zu Beginn im Unklaren darüber, wer wir sind und was uns hierhergeführt hat. Um mehr zu erfahren, muss die Umgebung nach Hinweisen abgesucht werden. An den schmalen Gängen und dem etwas angestaubten Protz vergangener Tage lässt sich schnell erkennen, dass "Layers of Fear 2" auf einem Kreuzfahrtschiff des frühen 20. Jahrhunderts spielt. Briefe, Zeitungsausschnitte und die überall im Schiff verteilte Filmausrüstung zeugen davon, dass der große Dampfer Teil einer Stummfilmkulisse ist und unsere Spielfigur eine der Hauptrollen in dem Film spielt. Von einer Filmcrew fehlt jedoch ebenso jede Spur wie von der Besatzung des Schiffs. Kein Wunder also, dass das Erkunden der langgestreckten Gänge, engen Kajüten und imposanten Filmsets von einem stetigen Gefühl der Paranoia untermalt wird. Da passt es nur allzu gut ins Bild, dass die Spielenden bald an dem Verstand des Protagonisten zweifeln müssen: Mal führt eine eben erst geöffnete Tür plötzlich in einen fremden Gang, ein anderes Mal verwandelt sich ein Haufen goldener Münzen unvermittelt in einen Berg fauliger Fische.

Auf der Suche nach dem Sinn

Anhand bestimmter Gegenstände lässt sich mehr über die Vergangenheit des Hauptcharakters herausfinden. Diese finden sich in nahezu allen Bereichen des Schiffs, was jeweils einen kurzen Flashback zur Folge hat. Oft sind diese Erinnerungen nicht viel mehr als kryptische Fragmente, deren Zusammenhang zum Ganzen sich nicht sofort erkennen lässt. Ähnlich rätselhaft sind zudem die Anweisungen eines Regisseurs, der immer wieder aus dem Off zur Spielfigur spricht. Ob man diesen Anweisungen Folge leistet oder nicht, wirkt sich auf das Ende der Geschichte aus. Es sollte also gut überlegt sein, wie man sich in diesen Momenten entscheidet.

Eine Filmkulisse in einem Kreuzfahrtschiff.
Das Kreuzfahrtschiff war eine Filmkulisse.

Generell fordert das Spiel einiges an Aufmerksamkeit von den Spielenden. Vieles in "Layers of Fear 2" ist Interpretationssache und das Deuten von Hinweisen, Anspielungen oder metaphorischen Rätseln ist Teil der Spielerfahrung. Das ist eine erfrischend andersartige Herangehensweise an das Geschichtenerzählen und lässt sich nur selten in Computerspielen finden. Andererseits birgt dieser Ansatz das Risiko, dass die Spielenden irgendwann nicht mehr folgen können. Im schlimmsten Fall führt das dazu, dass der Spielspaß verloren geht. Denn das Spiel lebt wie der Vorgänger größtenteils von seiner dichten Atmosphäre sowie den zahlreichen Mehrdeutigkeiten. Wer damit nichts anfangen kann, wird kaum zum Weiterspielen animiert.

Rätselhafte Neuerungen

Bestand der erste Teil von "Layers of Fear" noch nahezu ausnahmslos daraus, von einem Raum zum anderen zu laufen und die Umgebung nach allen möglichen Gegenständen abzusuchen, bietet Teil zwei dank neuer Spielmechaniken mehr Abwechslung. So müssen die Spielenden deutlich häufiger Rätsel lösen, um voranzukommen, als es noch im ersten Teil der Fall war. Auch haben einige dieser Rätsel merkbar an Tiefe hinzugewonnen und erfordern mehr Scharfsinn. An einer Stelle etwa müssen Zahlen in der richtigen Reihenfolge addiert werden, um ein Uhrenrätsel zu knacken. Das verleiht dem Spiel mehr Vielfalt, krankt jedoch leider zu häufig an der Umsetzung. Denn vielen der Rätselaufgaben fehlt ein einheitliches Muster und so entscheidet oftmals ein zufälliger Blick nach links oder rechts darüber, ob man den benötigten Hinweis zur Lösung eines Rätsels findet oder nicht.

Eine Glutsonne an Bord.
Eine Glutsonne an Bord.

Fast möchte man hier den Entwickelnden von "Bloober Team" einen Mangel an Einfallsreichtum vorwerfen, lassen sich dieselben Probleme doch ebenso bei den neu eingebauten Geschicklichkeits- und Fluchtabschnitten erkennen. Zwar scheint beispielsweise die Tatsache, dass Scheinwerferlicht für den Protagonisten tödlich ist, irgendwie eine nette Metapher zu sein – wirklich schlüssig ist das aus Gameplay-Perspektive jedoch nicht. So ist man immer wieder gezwungen, bestimmte Abschnitte mehrfach zu spielen, was nicht selten zu Wutanfällen führt. Diese Trial-and-Error-Momente erinnern eher an die frühe Zeit der Videospiele, als Spiele durch häufige Wiederholungen noch über ihren geringen Umfang hinwegtäuschen mussten. Innovativ und zeitgemäß ist das jedoch nicht gerade. Hier verschenkt "Layers of Fear 2" leider einen Teil seines Potentials, welches es an anderer Stelle, etwa durch seine großartige Atmosphäre, offenbart.

Die optische sowie akustische Inszenierung des Kreuzfahrt-Alptraums greifen wie gut geölte Zahnräder ineinander und verfehlen selten ihre Wirkung. Während hohe Kontrastwerte und geschickt gestreute Wechsel der Farbgebung dafür sorgen, dass die Szenerie stets derjenigen alter Filme entspricht, schleicht sich der subtile Soundtrack ins Unterbewusstsein der Spielenden und sorgt dort für Gänsehaut. Wer eher zartbesaitet ist, sollte das Spiel daher lieber nicht mit Kopfhörern spielen. Das gute Sounddesign sorgt für eine beängstigend realistische Geräuschkulisse und verstärkt die Immersion ungemein. Schade ist lediglich, dass eine deutsche Sprachausgabe fehlt.

Fazit

"Layers of Fear 2" tritt sein Erbe mit Würde an. Die Elemente, die Teils eins zu einem einzigartigen Spiel gemacht haben, finden sich auch im zweiten Teil. Außerdem lassen die neu eingewebten Spielelemente gute Ansätze erkennen, auch wenn eine fantasievollere Gestaltung der Gameplay-Neuerungen durchaus wünschenswert gewesen wäre. Technisch hat sich "Layers of Fear 2" indes nichts vorzuwerfen und macht hier und da sogar einen noch besseren Eindruck als sein Vorgänger. Genauso wie Teils ein ist der zweite Teil jedoch kein Spiel für Gelegenheitsspielende. Die Geschichte und die Art, auf die sie erzählt wird, bieten genügend Stoff, um auch nach dem Durchspielen noch zum Grübeln anzuregen. All diejenigen, die diese Form der Videospielerfahrung reizt, werden mit "Layers of Fear 2" voll auf ihre Kosten kommen. Wer daran keinen Spaß hat, läuft jedoch Gefahr, die Lust am Weiterspielen zu verlieren.

Der Trailer zum Spiel:

 

Kommentieren

Layers of Fear 2

Plattform: PC, Playstation 4, Xbox One

Entwickler: Bloober Team

Herausgeber: Gun Media