Digitalisierung in Sachsen

Auf der Suche nach Funklöchern

"Der Teilnehmer ist zurzeit nicht erreichbar". Diese Antwort am Telefon muss, vor allem außerhalb der städtischen Ballungsräume, oft ausreichen. Funklöcher in Sachsen gibt es zu Genüge. Dabei können sie weitaus mehr als nur ein Luxusproblem sein.
No Signal
Netzsuche kann mehr als nur ein Luxusproblem sein

Kaum verlassen wir die infrastrukturell ausgebauten Städte, bröckelt das mobile Funknetz oder streikt komplett. Die Bundesregierung hat in Sachen Digitalisierung bereits ehrgeizige Pläne, parallel haben Initiativen in Bundesländern wie Niedersachsen und Brandenburg Funklöcher über einen Zeitraum gemeldet und registriert. Ob und wie die großen Mobilfunkanbieter wie Telekom, Vodafone und o2 mit den erhobenen Daten umgehen und neue Funkmasten bauen, liegt nicht in der Hand der Initiativen, die die Funklöcher kenntlich machen. Um auf die Dringlichkeit im Ausbau des Mobilnetzes aufmerksam  zu machen, ist das Kenntlichmachen der Funklöcher ein erster Schritt.

Kein Überblick

In Sachsen ist es bis jetzt nicht einfach, einen Überblick über Funklöcher in der Region zu bekommen. Tatsächlich gibt es von den großen Mobilfunkanbietern bundesweit digitale Karten über die Netzabdeckung. Allerdings ist die erreichbare Übertragungsgeschwindigkeit abhängig vom regionalen Ausbauzustand des Netzes und des Mobiltelefons, das benutzt wird. Kommentare im Internet behaupten, dass es selbst auf den gekennzeichneten Feldern teilweise keinen Empfang gibt. Eine sichere Aussage über das tatsächliche Funknetz, das der Verbraucher mit seinem Endgerät in der Oberlausitz oder Markkleeberg hat, kann aus den Karten nicht herausgelesen werden.

Bis jetzt gibt es in Sachsen noch keine deckende Karte, die Funklöcher in der Region einsehen lässt. Eigenständige Projekte in den Regionen haben jedoch den Versuch gestartet, die Gebiete der Funklöcher ausfindig zu machen. In Landkreis Görlitz bedeutet das konkret, das bis Ende Juni im gesamten Landkreis eine Feldstärkemessung durchgeführt wird. Dafür werden mit einem speziell umgebauten Messfahrzeug unter anderem die Empfangsstärken für den Mobilfunk gemessen.
Ein weiteres Projekt wurde auf Initiative der FDP in Nordsachsen gestartet. Dort können seit Ende 2016 Funklöcher gemeldet werden, die anschließend auf einer digitalen Karte registriert und gesammelt werden. Auch die Kreise Bautzen und Erzgebirge haben sich angeschlossen mit dem Ziel, auf lange Sicht in ganz Sachsen Funklochstandorte zu sammeln. 

Fehlendes Netz - eine Benachteiligung?

Insbesondere in den vom Ballungsraum abgeschnittenen Regionen hat das brüchige Mobilfunknetz eine enorme Auswirkung auf Alltag und Leben. Dabei sind vor allem mobil angebundene Arbeitstätige auf das Mobilfunknetz angewiesen. Es geht um Alltagssituationen, die darüber entscheiden, wie das berufliche Handwerk ausgeübt werden kann. Einen Schritt weiter gedacht, geht es um weit mehr als nur die bezahlte Lohnarbeit: Um Chancengleichheit und Perspektivenmöglichkeit. 

Das Ausmaß reicht von der Einschränkung des Arbeits- und Privatlebens bis hin hin zu Lebensrettungsmaßnahmen nach einem Notfall. Schieritz, der die Initiative in Nordsachsen startete und selbst Handwerksmeister ist, weiß um die unzureichende Funknetzsituation in der Region Nordsachsens. Über Abwanderung von Jugendlichen müsse man sich laut ihm demnach nicht wundern. Es fehle im ländlichen Raum  eben nicht nur an kulturellen Angeboten, sondern an digitalen Möglichkeiten, deren Fehlen für Jugendliche die Attraktivität des Wohnorts nicht nur lindert, sondern den Wohnort kaum noch lebenswert macht. 

Bundesregierung ist gefragt

Pilotprojekte wie die des Landkreises Görlitz und der FDP in Nordsachsen sind Initiativen, die auf Folgen der prekären Funknetzsituation aufmerksam machen möchten. Mit den gesammelten Daten werdeman perspektivisch, so Schieritz, an die Bundesebene gelangen. Breitband- und Mobilfunkausbau liegt in der Verantwortlichkeit der Bundesregierung, nicht des Landes Sachsen. Damit bleibt zu hoffen, dass der Blick der Bundesregierung in Fragen der Digitalisierung in die notwendigen Regionen geht. Nur so können Vorhaben wie Chancengleichheit und Lebensqualitätsicherung ernst genommen werden

 

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