Projekt gegen Fake News

Auf der Suche nach der Wahrheit

Mit Fake News versuchen Websites und Einzelpersonen, Meinungen zu beeinflussen und Stimmung zu machen, etwa mit Gerüchten zu Geflüchteten. Eine Leipzigerin wollte das nicht länger hinnehmen und hat ein Online-Projekt gegründet, um dagegen vorzugehen.
Auf der Online-Karte "Hoaxmap" werden Falschmeldungen über Geflüchtete aufgelistet.
Über soziale Netzwerke wie Twitter oder Facebook werden Fake News teils millionenfach verbreitet.

Der Ton ist scharf geworden im Netz: Hass und Hetze gehören mittlerweile zur Debattenkultur in den sozialen Medien dazu. Auf Netzwerken wie Twitter oder Facebook werden gefälschte Informationen oft millionenfach verbreitet. Und das Risiko, dass Menschen dadurch manipuliert werden, ist groß.

Karolin Schwarz lässt sich davon jedoch nicht entmutigen. Die Leipzigerin ist Initiatorin des Projekts Hoaxmap. Das ist eine Online-Karte, die zeigt, an welchen Orten in Deutschland Falschmeldungen über Geflüchtete entstanden sind. Gemeinsam mit ihrem Kollegen Lutz Helm trägt Karolin Schwarz auf diese Weise Falschmeldungen zusammen – und berichtet, was tatsächlich dahintersteckt.

Die Gefahr von Fake News besteht letztendlich darin, dass sie dazu beitragen, das Klima online zu verschärfen. Das heißt, dass man gar nicht mehr mit Fakten diskutieren kann.

Karolin Schwarz, Gründerin „Hoaxmap“

Entstanden ist das Projekt bereits im Frühjahr 2016. Zuvor hatte Schwarz in einer Erstaufnahmeeinrichtung für geflüchtete Menschen in Leipzig gearbeitet. Dabei kam ihr die Idee zu dem Projekt. Ihr sei aufgefallen, dass das Problem Fake News kein Leipziger Problem sei, sondern deutschlandweit vorkommen würde, so Schwarz. Deshalb habe sie sich dazu entschieden, solcherlei Falschmeldungen samt Widerlegungen auf einer Online-Karte zusammenzutragen, um das Phänomen auf diese Weise sichtbar zu machen.

Fake News aus Leipzig

Auf der Karte findet sich so auch das Beispiel einer Falschmeldung aus Leipzig, die in der Zeit kurz vor der Bundestagswahl 2017 für Aufmerksamkeit im Netz gesorgt hat: Anfang September veröffentlichte die Facebook-Seite „Ich will mein Land zurück“ ein Smartphone-Video: Dieses zeigt eine größere Gruppe von Menschen an einer Bus-Haltestelle in Leipzig. Es sind Menschen mit dunkler Hautfarbe, sie tragen lange weiße Gewänder und Kopftuch. „Nein“, da könne man ja nun wirklich nicht von „Islamisierung“ sprechen, heißt es in den Kommentaren der Seite sarkastisch.

In Wirklichkeit handelt es sich bei der Menschengruppe um Christen aus Eritrea im traditionellen Festtagskostüm, berichtet auch das Recherche-Institut Correctiv. Sie waren zu Besuch bei der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde Podelwitz-Wiederitzsch, um einen Taufgottesdienst zu feiern, sagt Gemeindemitglied Timotheus Arndt. Die Eritreer seien anschließend mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu einem Essen in einer benachbarten Gemeinde gefahren:

Und das hat offenbar jemand von seinem Fenster aus beobachtet und offenbar in einem Kurzschluss die Fremdheit besonders stark empfunden – während wir sagen, das waren Christen, die in unserer Kirche gefeiert haben und in einem anderen kirchlichen Gemeinderaum weiter feiern wollten.

Timotheus Arndt, Gemeindemitglied

Sorgen vor der Bundestagswahl

Meldungen wie diese gehören zu den prominenteren Beispielen von Fake News, die im Vorfeld der Bundestagswahl durch die sozialen Medien geisterten. Zu der Zeit waren hierzulande die Sorgen groß, dass Fake News den Wahlkampf beeinflussen könnten. Laut einer aktuellen Studie haben sie für den Wahlkampf tatsächlich keine große Rolle gespielt. Das sagt Alexander Sängerlaub, er leitet das Projekt „Measuring Fake News“.

Ziel der Studie war es, herauszufinden, wie sich das Phänomen Fake News in der Öffentlichkeit darstellt, so Sängerlaub. Die Forscher der Stiftung Neue Verantwortung sind deshalb der Frage nachgegangen, wie viele Falschmeldungen es im Vorfeld der Bundestag überhaupt gegeben hat - und ob darin ein Problem erkennbar sei oder nicht.

Und da stellt man ganz klar fest, dass es kaum Fake News gibt. Also die wenigsten Wähler werden sich wahrscheinlich konkret auch an eine Fake News erinnern können.

Alexander Sängerlaub, Leiter des Projekts „Measuring Fake News“​

Leipziger Aktivistin macht weiter

Die Leipzigerin Karolin Schwarz geht allerdings nicht davon aus, dass das Phänomen „Fake News“ in Deutschland auf absehbare Zeit wieder verschwinden wird. Stattdessen müsse man schauen, wie sich das Phänomen entwickelt und in welchen Zusammenhängen Falschmeldungen eine Rolle spielen können, so Schwarz.

Sie wird deshalb weitermachen, mit ihrem Projekt „Hoaxmap“ – um damit auch weiterhin auf Falschmeldungen über Geflüchtete in Deutschland aufmerksam zu machen.

Alle Informationen können Sie hier noch einmal nachhören: 

 

Der Bericht von Magnus Raab über ein Projekt gegen Fake News
 
 

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