Filmrezension: A Thought of Ecstasy

Auf der Suche nach dem Tabubruch

Bei der Premiere von "A Thought of Ecstasy" auf dem Filmfest München 2017 gab es kontroverse Diskussionen und Pornographie-Vorwürfe. In seinem neuen Film führt Regisseur RP Kahl in die sengend heiße Wüste und zeigt viel nackte Haut.
A Thought of Ecstasy
Ein Softporno im Arthaus-Gewand

Es ist das Jahr 2019. Amerika leidet unter einer Hitzewelle. Die Sonne brennt, überall ist Staub, soweit das Auge reicht. Am heißesten Tag des Jahres macht sich Frank (RP Kahl) auf den Weg in die Wüste. Ein Buch mit dem Titel "A Thought of Ecstasy" ist ihm in die Hände gefallen und hat Erinnerungen an seine verflossene Geliebte Marie (Lena Morris) geweckt, die vor einiger Zeit nach Amerika gegangen ist. Auf seiner Reise in die Wüste erlebt Frank einen Trip voller Lust, Begierde und Sehnsucht. Er wird Zeuge von Pornodrehs, von Gewalt, verliert sich in den Abgründen des Romans und in sich selbst.

Am Ende die Ödnis

Zu Beginn erinnert A Thought of Ecstasy fast an ein Endzeitszenario. Alles ist vertrocknet, die Hitze macht den Figuren zu schaffen. Dabei verläuft der Auftakt zunächst vielversprechend. Für eine deutsche Arthausproduktion ist die audiovisuelle Gestaltung bemerkenswert! RP Kahl fängt in seinem Experimentalfilm beeindruckende Aufnahmen ein. Von stillgelegten Highways, die sich wie Fangarme in die Höhe erstrecken, und geschwungenen Wüstenformationen, die beinahe an Körper erinnern. Dorthin zieht sich die Hauptfigur Frank zurück, um seine Geliebte und auch sich selbst ein Stück weit zu finden. So beginnt RP Kahls Film quasi dort, wo Pier Paolo Pasolinis Teorema (1968) einst endete. Jener Film, in dem nach dem Zusammenbruch der bisher gelebten Ordnung auch nur die Flucht in das Archaische der Wüste blieb und das völlig nackt. Besonders die Nacktheit gibt es auch in Thought of Ecstasy mehr als genug.

Szene aus "A Thought of Ecstasy"
RP Kahl zieht blank

Performative Selbstfindung

RP Kahl ist ein Provokateur. Zumindest wäre er das gern, denn einen wirklichen Skandal sucht man hier vergebens. Dass es bei der Filmpremiere zu einer solchen Kritik an der Freizügigkeit des Films gab, ist äußerst fragwürdig, denn Nacktheit und Hardcore-Sexszenen im Arthausfilm sind heute nun wahrlich keine Seltenheit mehr. Viel erschreckender ist, dass A Thought of Ecstasy zwischen ständig nackten Menschen, Pornodrehs, Unterwassersex im Pool und SM-Aufnahmen inhaltlich völlig belanglos und beliebig bleibt.

Natürlich, A Thought of Ecstasy ist offensichtlich als experimenteller Bewusstseinsstrom angelegt, wie ein Fiebertraum mit einer ordentlichen Portion Sex und Gewalt, in den sich hier und da die Theorien eines George Bataille einschleichen. Da wird im Voiceover von Küssen berichtet, die in kannibalistischen Akten münden, von Begehren und von Macht. Eine tiefsinnige Auseinandersetzung mit Batailles Philiosophie rund um Liebe, Tod und Exkremente sollte hier aber niemand erwarten. Die unzähligen Sexszenen wirken leider tatsächlich etwas aufgesetzt und pseudoprovokativ, während die dünne, hölzern runtergespielte Geschichte nur verwirrt. Der gezeigte liminale Zustand zwischen Einbildung und Wirklichkeit, zwischen Roman und Realität hätte spannend sein können, ist aber auf Dauer nur noch ermüdend. Was RP Kahl mit diesem Film von seinem Publikum will, bleibt auch nach dem Ende ein Rätsel.

Fazit

A Thought of Ecstasy ist ein mitunter interessant inszenierter, leider etwas zäher Experimentalfilm, dessen Geschichte zu verrätselt ausgefallen ist, um irgendwie greifbar zu werden.

 

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Janick Nolting
12.02.2018 - 10:59
  Kultur

A Thought of Ecstasy:

Regie und Drehbuch: RP Kahl

Laufzeit: 90 Minuten

FSK: 16

Cast: RP Kahl, Deborah Kara Unger, Lena Morris und andere

Kinostart: 25. Januar 2018