Gespräche auf dem Roten Sofa

Auf der langen Suche nach sich selbst

Zwischen Deutschland und Polen, DDR und BRD begibt sich die Autorin Brygida Helbig auf die Suche nach ihrer eigenen Identität. Sensibel und gleichzeitig ironisch zeichnet sie mit „Ossis und die anderen Leute“ das Bild einer mutigen Frau.
Nachgefragt bei Brygida Helbig
Brygida Helbig auf der Roten Couch

Wer ist diese Frau, die sich selbst lieber durch die Augen anderer beschreibt und trotzdem in der Ich-Perspektive bleibt? Die in Kurzgeschichten und Erzählungen mit ihrer polnischen Identität sympathisiert und gleichzeitig mit Klischees über Ossis spielt? Die zerbrechlich, allein und gleichzeitig mutig und stark wirkt? Der Prosa-Band „Ossis und die anderen Leute“ fesselt auf ungewohnte Art. Er lockt den Leser mit Intimität, hält ihn gleichzeitig aber auf Distanz – bevor sich das Bild von einem der Charaktere vervollständigt, steht bereits der nächste im Fokus.

Die Privatdozentin Brygida Helbig

Die Erzählungen muten Tagebuch-Einträgen an, versehen mit Jahreszahl und Ort. Längst nicht der einzige Punkt, der eine autobiografische Deutung nahe legt. Geboren ist die Autorin Brygida Helbig in Polen, doch bereits als junge Frau reist sie über die DDR nach Bochum. Dort studiert sie Slawistik und Germanistik, lehrt dann an der Humboldt-Universität in Berlin und übernimmt schließlich eine Professur in Słubice. Damit hat sie viele Parallelen zum lyrischen Ich, das sich selbst im Laufe des Buches immer persönlicher und verletzlicher zeigt und auf diese Weise überraschend berührt. Mit dem Prosaband „Enerdowce i inne ludzie“  aus dem Jahr 2011 wurde Brygida Helbig gleich für zwei wichtige polnische Literaturpreise nominiert. Nun ist das Buch unter dem Titel „Ossis und andere Leute“ auch auf Deutsch erschienen.

Auf dem Roten Sofa

Im Interview erklärte sie warum ihre literarischen Texte in polnisch geschrieben sind und ihre wissenschaftlichen Arbeiten auf deutsch. Außerdem hat sie über Interaktionen zwischen Ost- und Westdeutschen gesprochen, aber auch über polnische und deutsche Gespräche. Sie spielt dabei mit menschlichen Stereotypen und hat auch ihr eigenes Leben mit verarbeitet.

Brygida Helbig im Gespräch mit Moderatorin Anna Vogel
Brygida Helbig im Gespräch mit Moderatorin Anna Vogel

 

 

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Brygida Helbig wurde in Szczecin geboren und lebt seit 1983 in Deutschland. In Bochum studierte sie Germanistik und Slawistik an der Ruhr-Universität Bochum, wo sie auch promovierte. Seit 2005 ist sie Privatdozentin an der Humboldt-Universität zu Berlin. Sie ist aber auch seit dem Wintersemster 2013 - Univ.-Prof. im Deutsch-Polnischen Forschungsinstitut am Collegium Poloncium in Słubice.