Max-Planck-Institut Leipzig

Artenvermischung bedroht Orang Utans

Ihr Lebensraum wird weltweit zerstört - Schutz bieten ihnen oft nur noch Auffanglager. Dort werden Orang Utans auf ein Leben in der Wildnis vorbereitet. Sie dürfen sich jedoch nicht an Artgenossen gewöhnen: Artenvermischung bedroht die Primaten.
Urang Utans sind vor allem durch die Abholzung der Regenwälder bedroht.
Urang Utans sind vor allem durch die Abholzung der Regenwälder bedroht.

Jede Sekunde wird weltweit eine Waldfläche vernichtet, die der Größe eines halben Fußballfelds entspricht. Die Abholzung tropischer Regenwälder hat dramatische Folgen für uns und vom Aussterben bedrohte Tierarten. Auch immer mehr Orang-Utans gelangen in Pflege- und Auffangstationen.Auf den ersten Blick wirkt es paradox: Das langfristige Ziel der Auffangstationen ist es, Orang-Utans nach einiger Zeit wieder auszuwildern.

Unkontrollierte Auswilderungen in der Vergangenheit führten jedoch zu einer Vermischung frei lebender und nicht einheimischer Populationen. Dies wiederum kann die Überlebensfähigkeiten der Tiere verschlechtern, die zwei Leipziger Wissenschaftlerinnen untersuchen. mephisto 97.6-Redakteurin Pauline Beerbaum hat mit ihnen gesprochen: 

Pauline Beerbaum zu den Forschungen um Orang Utans.
 

Die amerikanischen Wissenschaftler Graham Banes und Linda Vigilant arbeiten für das Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig. Sie haben dazu in Leipzig und Indonesien eine Studie durchgeführt. In einem indonesischen Nationalpark auf der Insel Borneo gibt es ein Auffanglager für verwaiste oder verschleppte Orang-Utans. 14 Jahre lang versuchte man dort die Menschenaffen schrittweise in die Wildnis zurück zu führen. Die Wissenschaftler vermuteten, dass sich dabei verschiedene Unterarten miteinander kreuzten und sich dadurch das Erbmaterial also vermischte. Linda Vigilant erklärt, wie bei den Untersuchungen vorgegangen wurde:

Vor Ort hat Graham Banes Blutproben gesammelt, wenn es irgendeinen tierärztlichen Grund dafür gab, aber oft arbeiten wir mit DNA von Kotproben. Man kann Kot sammeln und dann die DNA daraus gewinnen und genetische Untersuchungen machen und die Tiere typisieren.

Linda Vigilant, Max Planck Institut Leipzig

Zehn ausgewilderte Tiere wurden untersucht. Das Ergebnis ist eindeutig: Zwei Orang Utans hatten keine einheimischen Gene. Als man die ersten Tiere auf Borneo auswilderte, galten alle Orang-Utans als eine einzige Art. Seitdem gab es allerdings Fortschritte in der Gentechnik und heute weiß man, dass es mehrere Unterarten gibt. Eine Vermischung kann negative Auswirkungen auf die Überlebensfähigkeit der Affen haben:

Das Problem ist: diese drei verschiedenen Borneo Orang-Utans leben seit ungefähr 80000 Jahren getrennt, das ist eine sehr, sehr lange Zeit. So gibt es bestimmt genetische unterschiedliche Merkmale und es kann sein, aber das wissen wir nicht genau, dass das nicht gut ist, wenn die sich vermehren und von verschiedenen Regionen kommen.

Linda Vigilant

Orang-Utans sind bedrohte Populationen. Sie leben in tropischen Regenwäldern in Asien, die jedoch rasant abgeholzt werden. Die Rodungen werden ihnen zum Verhängnis, sie verlieren ihren natürlichen Lebensraum. Die Auffanglager wollen dem entgegenwirken. Für Linda Vigilant sei es dabei besonders wichtig, sich an Regeln zu halten. Dann würde eine erneute Vermischung der Orang-Utans nicht mehr passieren:

Man kann nicht einfach so die Orang-Utans oder andere Tiere einfach wieder in der Wildnis aussetzen. Man muss das vorher kontrollieren und wissen, woher die ursprünglich gekommen sind.

Linda Vigilant

Linda Vigilant
Linda Vigilant, Wissenschaftlerin am Max Planck Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig

 

 

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Pauline Beerbaum
01.03.2016 - 17:29
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