Gesellschaftskritischer Vortrag

Arbeit – ein Auslaufmodell?

Arbeit kann nerven – und doch kommt kaum einer um sie herum. Wie können wir als Gesellschaft Arbeit besser organisieren? Diese Frage stand im Mittelpunkt eines Vortrages in der Leipziger Umweltbibliothek.
Der Frauenstreik in Spanien soll nächstes Jahr auch in Deutschland stattfinden.
Der Frauenstreik in Spanien soll nächstes Jahr auch in Deutschland stattfinden.

„Von der imperialen zur solidarischen Lebensweise“ – der Titel des Vortrages mag sperrig klingen. Doch die Referierenden Andrea Vetter und Tobi Rosswog sprechen über Phänomene, die den Arbeitsalltag von uns allen bestimmen. Wieso etwa herrscht trotz Technologie, die einen Großteil unserer Arbeit übernehmen könnte, noch immer die 40-Stunden-Woche? Wie kann es sein, dass die reichsten acht Menschen so viel besitzen wie die gesamte ärmere Hälfte der Weltbevölkerung? Die Referierenden kommen zu einem ernüchternden Schluss: Die heutige Arbeitswelt beruht auf massiver Ausbeutung.

Weibliche Arbeit bleibt oft unsichtbar

Zu den größten Leidtragenden dieser Zustände gehören Frauen. Gerade in patriarchalen Gesellschaften verrichten sie die anstrengende „Care-Arbeit“: Vom Schmeißen des Haushalts bis zur Pflege Angehöriger. Doch diese tägliche Arbeitsleistung bleibt oft unsichtbar und nicht zuletzt unbezahlt. So bleiben sie abhängig vom Mann, dessen Lohnarbeit Geld abwirft. Allmählich regt sich allerdings Widerstand: Am 8. März 2019 soll erstmals ein internationaler Frauenstreik stattfinden. Andrea Vetter vom Konzeptwerk Neue Ökonomie e.V. erhofft sich davon ein deutliches Signal: Care-Arbeit ist zwar unbezahlt, aber notwendig.

Es gibt zum Frauenstreik 2019 Vorbilder. Zum Beispiel gab es dieses Jahr in Spanien einen sehr großen Frauenstreik, an dem Millionen von Frauen teilgenommen haben.

Andrea Vetter, Konzeptwerk Neue Ökonomie e.V. Leipzig

Wege zur Solidarität

An den Vortrag schließt sich eine lebhafte Diskussion mit dem Publikum an. Bei der Zustandsbeschreibung sind sich fast alle einig. Nur: Was tun? Immer wieder wird das Bedingungslose Grundeinkommen (BGE) als möglicher Weg aus der Misere genannt. Doch es gibt auch Kritik an diesem Vorschlag. Das BGE spiele gerade dem Neoliberalismus in die Hände: Arbeitgeber könnten damit noch schlechtere Arbeitsbedingungen rechtfertigen. Der Autor und Aktivist Tobi Rosswog hält mit der Idee eines Bedingungslosen GrundAUSkommens dagegen: Statt Geld auszuzahlen, werden bei diesem Modell wichtige Güter wie Strom, Wasser und ÖPNV kostenlos gemacht.

Viele solcher Konzepte werden an diesem Abend diskutiert. Was davon ist wohlklingende Utopie, was lässt sich schon heute umsetzen? Eine Antwort darauf wird nur die Zukunft unserer Arbeitswelt geben können. Fest steht: Andrea Vetter und Tobi Rosswog sind entschlossen, diese mitzugestalten.

Weitere Informationen aus der Sendung:

Ein Studiogespräch von Justin Andreae mit Moderator Thomas Tasler
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