Anno 1819

Karl Heine wird 200 Jahre alt

Mitte des 19. Jahrhunderts war der Leipziger Westen noch ein einziges Sumpfgebiet. Hinter der Elster war das Dörfchen Plagwitz nur per Boot zu erreichen. Den dort geerbten Garten begann Karl Heine trockenzulegen – und baute bald Kanäle und Gleise.
Der Bau des Karl-Heine Kanals um 1885.

Ernst Carl Erdmann Heine wurde am 10. Januar 1819 geboren, vor 200 Jahren. Auf dem Rittergut seines Vaters in Neuscherbitz übte sich der junge Karl schon als Jugendlicher im Bau künstlicher Wasserwege. Als er später einen Apfelgarten westlich der Stadttore erbte, folgte er der Idee seiner Mutter, das Gebiet zwischen heutigem Neuen Rathaus und Friedrich Ebert-Straße trockenzulegen, um es als Bauland zu verkaufen. Aus dem promovierten Juristen wurde damit bald ein findiger Unternehmer. 

Als dafür das Material zum Auffüllen ausging, schlug Heine zwei Fliegen mit einer Klappe: Den günstigen felsigen Grund der Plagwitzer Gegend baute er so ab, dass ein Kanal entstand. Auf diesem wollte er dann die Waren der sich dort ansiedelnden Industrie bis nach Leipzig transportieren. Kleine Dampfbötchen fuhren wenige Jahre später auf dem Kanal und dem Elstermühlengraben bis an die Stadt heran sogar Ausflügler schipperten über die entstandenen Wasserwege.

Über dreißig Eisenbahngleise durchzogen Plagwitz

Die Entwicklung der Eisenbahn überholte allerdings in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts Karl Heines Pläne: Der Transport über die Gleise erwies sich als schneller. Über dreißig privat finanzierte Gleise ließ der umtriebige Mann daraufhin vom Güterbahnhof Plagwitz aus verlegen. Wie ein Paketunternehmen übernahm Heines Firma anschließend den Transport von den Fabriken zu den Fernbahnen. 

Ich denke, dieses Geschick, Wirtschaft mit Verkehrsentwicklung und auch mit Politik zu verbinden, das ist die große Leistung von Karl Heine.

Bernd Sikora, Architekt, Künstler und Heine-Kenner

Noch vor seinem Tod 1888 verkaufte Karl Heine dann diese Bahnanlagen  und konnte mit den über 600 000 Mark seine Schulden tilgen, aber auch seiner Familie ein großzügiges Erbe hinterlassen. Noch heute zeugt nicht nur der Karl-Heine Kanal von den visionären Projekten des Leipzigers. Im Park an der Industriestraße oder am Tapetenwerk, beide damalige Ladestationen, sind auch die Gleise noch gut zu erkennen. Weniger beständig war da die Erinnerung an den Unternehmer, der übrigens auch als Abgeorneter in Land- und Reichstag saß. Ein erstes Denkmal wurde im Zweiten Weltkrieg eingeschmolzen, erst seit 2001 steht wieder eine Nachbildung am Elsterflutbecken. Es dürfte kaum eine andere Persönlichkeit geben, die das Bild des heutigen Leipzig so entscheidend prägte.

Der gesamte Beitrag zum Nachhören:

Redakteur Anton Walsch im Gespräch mit Architekt Bernd Sikora.
RI Karl Heine 200 Geburtstag.

 

 

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