Aquaphobie

Angstzustände und mit ihnen leben lernen

Fast jeder hat Angst vor einer bestimmten Sache. Einige haben Furcht vor Wasser. Was ist die Aquaphobie genau und wie kann man sie behandeln?
Flucht übers Mittelmeer
Der Weg, den Alaa Al Mohamad von Izmir nach Griechenland antrat

Über zehn Prozent der Menschen in Deutschland leiden an einer spezifischen Phobie. Wenn man unter einer Phobie leidet, dann hat man eine andauernde Furcht vor einer bestimmten Situation oder einem Objekt. Meist äußert sich die Phobie in einem Drang, den Auslöser zu meiden. Zu dieser Unterart der Angstzustände zählen unter anderem die Höhenphobie, Spinnenphobie und Wasserphobie. Bei einer Wasserphobie kann man unterscheiden in die Aquaphobie, welche sich meist in eine Abwehr gegen Wasser äußert und in die Hydrophobie, welche ein Symptom für Tollwut ist.

Symptome von A bis Z

Die Symptome können unterschiedlicher nicht sein. Sie äußern sich in Gedanken, körperlichen Reaktionen und Verhalten. Häufig denkt man, dass man die Situationen nicht überlebt oder dem Objekt nicht gegenübertreten kann. Körperlich kann eine Menge passieren, wenn man Furcht vor etwas empfindet. Man bekommt schwitzige Hände, der Puls steigt, ein unwohles Gefühl breitet sich im Bauch aus und der Körper fängt an zu zittern. Es kann sogar zu Ohnmachtsgefühlen, Panikattacken und Erbrechen kommen. Das alles wirkt sich auf das Verhalten des Phobikers aus. Man flüchtet aus der Situation oder begibt sich erst gar nicht in diese.

Die Wurzel der Angst

Phobien können auf die unterschiedlichsten Ursachen zurückgeführt werden. Doch meistens ist die genaue Ursache nicht bekannt. Es gibt aber Möglichkeiten sie zu kategorisieren. Bei einer angeborenen Angst hat man den natürlichen Respekt vor zum Beispiel Wasser nie überwunden. Man kann Phobien auch erlernen. Das bedeutet, dass die Phobie von einer Bezugsperson vorgelebt wurde und man sich diese dann angenommen hat. Die letzte Kategorie ist die der Traumata. Ein Trauma kann verschiedenartig sein. Entweder man hat selbst eine Nahtoderfahrung gemacht oder eine Person, die einem nahe steht.

Interview mit einem Flüchtling
mephisto 97.6 Redakteurinnen Pia Ebeling und Angela Fischer mit Alaa Al Mohamad und seinem Dolmetscher

mephisto 97.6 hat mit dem 34- jährigen Geflüchteten Alaa Al Mohamad über seine Flucht über das Mittelmeer gesprochen.

Alaa Al Mohamad: Es war im Dezember 2015. Wir brauchten vielleicht eineinhalb oder zwei Stunden übers Meer von Izmir nach Griechenland. Es war sehr kaltes Wetter und das Boot hat auf Wellen von fünf bis zehn Metern stark geschwankt. Ich habe dem Tod mehr als 70 mal ins Auge geblickt. Ich dachte dann immer, dass jetzt die letzte Sekunde sein wird. Eigentlich sollten bloß 25 Personen auf dem Boot sein, aber der Schleuser hat 57 Personen drauf gelassen. Kurz vor der Küste Griechenlands ist das Boot untergegangen und alle sind ins Wasser gefallen. Es waren sehr schreckliche Minuten, denn ich wusste in dem Moment nicht, ob ich schon stehen kann. Ich kann nicht schwimmen. Ich habe dann gemerkt, dass ich mit beiden Beinen auf dem Grund des Meeres stehe und mein Kopf ist außerhalb des Wassers. Dann konnte ich gemeinsam mit meinen Freunden den Frauen und Kindern helfen, ans Ufer zu gelangen.

Hast du in deinem Alltag manchmal Angstzustände und fühlst du dich noch weiter eingeschrängt?

Manchmal habe ich Albträume in der Nacht, wo ich dann aufstehe und mir den Moment des Untergehens vor Augen führe. Das passiert so alle zwei Monate. Dann stehe ich aber auf und trinke auch ein Glas Wasser. Das kommt dann nur in stressigen Situationen vor. In normalen Situationen habe ich eigentlich keine Probleme. Wenn ich in den Nachrichten von ähnliche Geschichten erfahre, dann erinnere ich mich schon an diese Zeit. Meistens kann ich das aber irgendwie überwinden.

Weißt du, ob es psychische Beratungsstellen direkt für Geflüchtete gibt?

Ich hab mich im Internet informiert und auch nach Möglichkeiten geschaut, habe aber nichts gefunden. Ich wäre jedoch offen dafür, im kommenden Sommer das Schwimmen zu erlernen. Natürlich nur unter großer Vorsicht.

Hilfe in Sicht

Für Alaa Al Mohamad und weitere Menschen mit ausgeprägteren Angstzuständen gibt es verschiedene Arten der Therapie. Es gibt zum einen die Verhaltens- und Konfrontationstherapie. Es kann aber auch eine Therapie in Form eines Gespräches stattfinden. Sehr häufig wird auch die Psychoanalyse angewendet. Zu guter Letzt existiert noch die Hypnose.

Im Gespräch mit Thomas Rost, Heilpraktiker des Hypnosezentrums Sachsen, hat sich mephisto 97.6 erklären lassen, wann zu einer Hypnosetherapie zu raten ist.

Thomas Rost: Generell kann man bei jeder Phobie zu einer Hypnose raten. Es gibt aber zum Beispiel Sachen wie schwere Depressionen oder Geisteserkrankungen, da ist das völlig kontraproduktiv. Da würde ich niemandem zu einer Hypnose raten. Bei solchen Erkrankungen würde ich vorwiegend zu psychologischer Hilfe raten. Es gibt auch Menschen, die nicht auf Hypnose ansprechen. Das passiert bei mir bei über 800 Behandlungen im Jahr ungefähr vier mal. Die fallen dann einfach nicht in den Trancezustand. Meistens ist das aufregungsbedingt.

Wie läuft eine Therapie bei Ihnen ab?

Wenn Sie bei uns eine Hypnose erhalten, dann entscheiden Sie nach der ersten Sitzung direkt selbst, ob es der richtige Weg für Sie ist. Die Länge der Therapie ist auch immer vom Patienten abhängig. Gerade bei stärkeren Ängsten würde ich zu zwei bis drei Sitzungen raten. Bei kleineren Phobien wie der Angst vor Spinnen ist in der Regel eine Sitzung ausreichend. Leider übernehmen die Krankenkassen die Hypnose nicht. Bei uns kostet eine Sitzung 160 Euro. Ganz wichtig ist das Vorgespräch. Dafür nehmen wir uns extra viel Zeit, damit man sich kennenlernen kann. Nur so kann die Hypnose auf Sie abgestimmt werden. Außerdem muss man am Anfang Vertrauen fassen.

Kann es bei den Patienten zu Rückfällen kommen?

Ein Rückfall ist immer möglich. Es ist immer abhängig davon, wie viel Positives das Unterbewusstsein bekommt. Mal angenommen Sie haben eine Wasserphobie. Nach der Therapie waschen Sie sich die Hände und Ihr Unterbewusstsein merkt, dass es ja doch geht. Da ist die Rückfallquote relativ gering. Wenn Sie allerdings rausgehen und es hat geregnet. Dann kommt draußen ein Auto vorbei und macht Sie durch eine Pfütze von oben bis unten nass, dann wäre das überaus kontraproduktiv.

Hypnose
mephisto 97.6 Redakteurin Pia Ebeling hatte eindeutig eine positive Erfahrung bei der Hypnose

Gibt es Risiken bei einer Hypnosetherapie? Kann etwas schiefgehen?

Kann was schiefgehen? Es kann immer etwas schiefgehen. Ich kann nicht in Ihren Kopf reinschauen und wissen, ob das stimmt, was Sie mir erzählen. Ich weiß nicht, ob Sie mich bewusst belügen und ein Trauma verschweigen. Das könnte dann in der Sitzung zu Problemen führen. Aber ansonsten bringt die Hypnose keine Risiken mit sich. Denn die Patienten nehmen fast ausschließlich nur positive Erfahrungen mit.

Sie können sich hier den Beitrag zur Wasserphobie von mephisto 97.6 Redakteurinnen Angela Fischer und Pia Ebeling anhören:

Ein Beitrag von mephisto 97.6 Redakteurin Pia Ebeling und mephisto 97.6 Redakteurin Angela Fischer
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Pia Ebeling
01.03.2017 - 18:09