Theater

"Angst oder Liebe" im Schauspiel

Das Schauspiel Leipzig erkundet Gegensätzliches: Angst und Liebe bilden die inhaltlichen Extrempole der nächsten Spielzeit – der fünften unter Intendant Enrico Lübbe. Das Programm wurde am Dienstag vorgestellt.
Schauspielhaus
Das Schauspielhaus in der Bosestraße

Das Gefühl, dass es gerade viele Kontroversen gibt, war der Ausgangspunkt für das neue Spielzeitmotto, meint Torsten Buß, der Chefdramaturg des Schauspiels. Die Gegenwart sei zwischen den Polen Angst und Liebe eingespannt. Das zeige sich beispielsweise an sehr knappen Wahlentscheidungen der letzten Monate. Mit "Angst oder Liebe" wolle das Schauspiel diese Lage der heutigen Zeit ausloten.

Premieren der Spielzeit 2017/18

Spielzeitpressekonferenz
Intendant Enrico Lübbe und Chefdramaturg Torsten Buß bei der Spielzeitvorstellung

Das Spielzeitmotto hat das Schauspiel-Team auch in "Kasimir und Karoline" entdeckt. In dem Stück von Ödön von Horváth, das 1932 in Leipzig uraufgeführt wurde, gehe es um das Thema "Die da oben, die da unten". Auch Alfred Jarrys "König Ubu" setze sich mit einem heutigen Phänomen auseinander: dem egomanen Machtmenschen. Regionale Bezüge setzt der Spielplan mit "Gewonnene Illusionen", eine Inszenierung, bei der das Theaterkollektiv "copy & waste" ein "Leipzig in klein" auf die Bühne bringen will. Auch "Gespenster oder Denkwürdigkeiten eines Nervenkranken" führt direkt nach Leipzig: Es ist die Geschichte des Sohns von Schrebergarten-Erfinder Moritz Schreber, verbunden mit Henrik Ibsens "Gespenster" – in der Doppel-Inszenierung soll es um "Angst oder Liebe" in der Familie gehen.

Diskothek wird eröffnet

Seit vier Jahren spielt das Schauspiel kleinere Formate unter dem Dach des Schauspielhauses auf einer ehemaligen Probebühne. Dieses Interim endet voraussichtlich im November, wenn die neue kleine Bühne Diskothek eröffnet wird. Dazu wurden bereits sieben Meter tief in die Erde unter dem Schauspielhaus Säulen getrieben, erzählte Günter Gruber, der technische Direktor des Schauspiels. Derzeit werde die Decke mit 80 Tonnen Stahl verstärkt. Die neue Spielstätte mit durchschnittlich 120 Sitzplätzen befindet sich dann dort, wo früher in der Diskothek Schauhaus getanzt wurde – daher ihr Name. Die erste Premiere auf der kleinen Bühne ist "Wolken.Heim" von Elfriede Jelinek von 1988, das sich im weitesten Sinne mit deutschem Nationalismus auseinandersetzt. Das Schauspiel Leipzig ist das einzige Theater, an dem dann diese Wiederentdeckung gespielt wird. Zudem gibt es fünf Uraufführungen in der Diskothek – darunter zwei Texte von ehemaligen Studenten des Deutschen Literaturinstituts in Leipzig.

Einen Ausblick auf die kommende Spielzeit und eine Einschätzung der aktuellen können Sie hier hören:

Moderatorin Paula Drope im Gespräch mit Julien Reimer über die Spielzeitvorstellung des Schauspiel Leipzig
Moderatorin Paula Drope im Gespräch mit Julien Reimer über die Spielzeitvorstellung des Schauspiel Leipzig
 

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Das gesamte Programm der Spielzeit 2017/18 finden Sie hier.

Unsere Einschätzungen zu den vorherigen Spielzeiten: 2013/14, 2014/15 und 2015/16.

Unsere Kritiken zu den Inszenierungen der Spielzeit 2016/17:

"89/90"

"Kruso"

"Der Minusmensch"

"Der schlaue Urfin und seine Holzsoldaten"

"The Bolano Project: The Retrospective"

"War and Peace"

"Keep the wolf from the door"

"Die Maßnahme / Die Perser"

"Birdland"

"Tschick"

"The Order of Appearance"