Bundestagswahl

Angela Merkel vs. Martin Schulz

In den Umfragewerten liegt die SPD noch immer deutlich hinter der CDU. Merkel-Herausforderer Martin Schulz erhoffte sich von dem Kanzlerduell etwas Aufwind. Doch hat er diesen auch erfahren?
Martin Schulz ist einer der Herausforderer von Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Drei Amtszeiten liegen nun schon hinter Bundeskanzlerin Angela Merkel. In wenigen Wochen wird sich entscheiden, ob noch eine weitere Amtszeit vor ihr liegen wird. Zuvor musste sie sich jedoch einem ihrer Herausforderer, dem SPD-Spitzenkandidaten Martin Schulz stellen. Wer das Duell für sich entscheiden konnte, haben wir von dem Jenaer Politikwissenschaftler Torsten Oppelland erfahren.

Moderator Carsten Richter im Gespräch mit Politikwissenschaftler Torsten Oppelland.
0409 Oppelland Auswertung TV-Duell

mephisto 97.6: Wer hat denn das TV-Duell gewonnen?

Torsten Oppelland: Naja, das ist natürlich immer schwierig, weil der persönliche Eindruck ist ja einer, der nicht wissenschaftlich fundiert ist. Wenn man nach den Umfragedaten geht, dann dominiert bis auf ganz wenige Einzelfragen eindeutig Frau Merkel.

 

Konnte denn Martin Schulz der Kanzlerin wenigstens ein bisschen in Bedrängnis bringen?

Kaum. Der gesamte Eindruck von ihr war doch sowohl hinsichtlich ihrer Körpersprache als auch beispielsweise in ihrer Mimik sehr souverän. Sie hat sich nicht ein einziges Mal wirklich in die Bredouille bringen lassen.

 

Glauben Sie, dass das vor allem ihrem Erfahrungswert zu verdanken ist?

Da kommt vieles zusammen. Der Erfahrungswert natürlich, die Umfragesituation, das Wissen darum, dass im Grunde der Anspruch von Schulz, Kanzler zu werden, angesichts der Umfragewerte, nicht mehr glaubhaft ist.

 

Sind die Themen des Kanzlerduells auch Themen gewesen, die die Wähler bewegen?

Soweit das Umfragen hergeben, durchaus. Es sind natürlich längst nicht alle Themen in der kurzen Zeit angesprochen worden und auch in höchst ungleichgewichtiger Form. Allein das Flüchtlingsthema kombiniert mit Integration und das Verhältnis mit der Türkei haben ja fast die Hälfte der Zeit eingenommen. Insofern war das schon etwas unverhältnismäßig. Aber das ist nach wie vor ein Thema was auch die Menschen bewegt.

 

Ist das TV-Duell überhaupt eine gute Möglichkeit, sich vor seiner Wahlentscheidung zu informieren?

Nein, denn an sachlicher Information würde man natürlich, wenn man in derselben Zeit die Programme liest, viel mehr bekommen. Aber das Ganze ist natürlich ansprechender gemacht als Format, dadurch, dass auch emotionale Dinge transportiert werden. Wie die Leute auftreten, wer sympathischer, wer überzeugender, wer kompetenter wirkt. Das heißt natürlich nicht, dass er das auch ist.

 

Inwiefern hat denn das Ergebnis des TV-Duells nun einen Einfluss auf das Wahlergebnis?

Also dieses spezielle TV-Duell relativ wenig. Aber die politikwissenschaftliche Forschung hat gezeigt, dass es durchaus Kanzlerduelle gab, die eine wichtige Rolle gespielt haben.

 

Was sollte man bei der Gestaltung der Duelle ihrer Meinung nach besser machen?

Ich glaube, zumindest in Situationen, wo zwei Parteien, die miteinander koalieren, aufeinandertreffen, kann man das auch lassen. Da wäre es sinnvoller zu dem Format zurückzukehren, das man in den 1970er-Jahren hatte, wo die Vorsitzenden oder die Spitzenkandidaten der jeweils aussichtsreichsten Parteien miteinander in eine Diskussion gebracht werden. Das wäre natürlich heutzutage etwas unübersichtlicher. Aber das würde wahrscheinlich mehr Zündstoff geben und mehr Unterhaltungswert bieten.

 

Sollten Sie das Kanzlerduell verpasst haben, können Sie es hier nochmal sehen:

0409 Kanzlerduell
 

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Torsten Oppelland ist Außerplanmäßiger Professor für Politikwissenschaft am Institut für Politikwissenschaft der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören neben der politischen Kultur und Geschichtspolitik vor allem Parteien und Fraktionen auf regionaler, nationaler und europäischer Ebene.