Die Oscars 2018

And the Jetski goes to...

Zum 90. Mal wurde im Dolby Theatre in Los Angeles der wichtigste Filmpreis der Welt verliehen. Die diesjährige Oscar-Verleihung verlief dabei sehr überraschungsarm und unpolitisch.
Szene aus "Shape of Water"
"The Shape of Water" ist der beste Film 2017

Gähnende Leere auf dem Roten Teppich, kaum impulsive Reden und wenige Überraschungen. Die Jubiläumsausgabe der alljährlichen Oscar-Verleihung wird wohl niemandem so wirklich im Gedächtnis bleiben. Weil mit Moonlight im letzten Jahr schon ein eher politischer Film ausgezeichnet wurde, darf es 2018 auch mal ein seichtes Fantasymärchen sein. The Shape of Water von Guillermo del Toro konnte die beiden Hauptpreise, nämlich für den besten Film und die beste Regie, für sich gewinnen. Dessen größter Konkurrent, Three Billboards outside Ebbing, Missouri, blieb dabei hinter den Erwartungen zurück und konnte von sieben Nominierungen lediglich die Preise für die beste Hauptdarstellerin und den besten Nebendarsteller mit nach Hause nehmen.

Im Grunde genommen gibt es trotz der sehr hohen Qualität der nominierten Filme und damit der hohen Konkurrenz wenige Überraschungen bei den Gewinnenden. In den technischen Kategorien wurden die Preise erwartungsgemäß auf das Science-Fiction Epos Blade Runner 2049 und den Kriegsfilm Dunkirk aufgeteilt. Fragwürdig erscheint hingegen der unerwartete Gewinn von Jordan Peeles Get Out. Der Horrorfilm wurde für das beste Drehbuch ausgezeichnet, was bei Konkurrenten wie Lady Bird oder Three Billboards... doch etwas unverständlich wirkt. 

Janick Nolting und Lennart Johannsen über die 90. Oscar-Verleihung
Janick Nolting und Lennart Johannsen über die 90. Oscar-Verleihung

#OscarsSoBoring

Die 90. Oscar-Verleihung war vor allem eins: langweilig! Late-Night-Host Jimmy Kimmel durfte nach dem Umschlag-Skandal im letzten Jahr nochmal moderieren, enttäuscht dabei jedoch auf ganzer Länge. Bissige Seitenhiebe zu den bekannten #metoo- oder #OscarsSoWhite - Debatten waren Fehlanzeige, originelle Ideen bei der Showgestaltung sowieso. Als Höhepunkt ging Kimmel mit einigen Stars in ein naheliegendes Kino, um das Publikum dort zu überraschen. Also die "normalen" Leute, die ausnahmsweise mal einen Promi anfassen dürfen. Mal davon abgesehen, dass es ähnliche Ideen bereits in den Vorjahren gab, bleibt einfach nur noch fade Hollywood-Arroganz übrig.

Die Performances der nominierten Film-Songs sollten traditionell für Auflockerung sorgen, erschreckten aber teilweise eher mit mittelmäßigen Gesangsleistungen. Einzige Ausnahme war Keala Settle mit dem Greatest Showman - Hit This Is Me, der sich jedoch am Ende gegen Remember Me aus dem Disney-Film Coco geschlagen geben musste. Ausgerechnet dem schwächsten Song in dieser Kategorie. Verstörendes Abschlussbild dieser lieblosen Verleihung ist der Kostümdesigner von Der seidene Faden, der gemeinsam mit Helen Mirren, auf einem Jetski sitzend, auf die Bühne geschoben wird. Den Jetski hatte er für die kürzeste Dankesrede des Abends gewonnen. Zugegebenermaßen: Die Frage, wer am Ende das Wassergefährt gewinnt, war spannender und unterhaltsamer als der Rest der Verleihung.

Alle Gewinner der 90. Oscar-Verleihung

Bester Film: "The Shape of Water"

 

 

Beste Regie: Guillermo del Toro ("The Shape of Water")

Beste Hauptdarstellerin: Frances McDormand ("Three Billboards outside Ebbing, Missouri")

Bester Hauptdarsteller: Gary Oldman ("Die dunkelste Stunde")

Beste Nebendarstellerin: Allison Janney ("I, Tonya")

Bester Nebendarsteller: Sam Rockwell ("Three Billboards outside Ebbing, Missouri")

Bestes Original-Drehbuch: "Get Out"

 

 

Bestes adaptiertes Drehbuch: "Call Me by Your Name"

Bester Soundtrack: "The Shape of Water" (Alexandre Desplat)

Bester Filmsong: "Remember Me" (aus "Coco")

 

 

Bester fremdsprachiger Film: "A Fantastic Woman"

 

 

Bester Live-Action-Kurzfilm: "The Silent Child"

Bester Dokumentarfilm: "Ikarus"

Bester Kurz-Dokumentarfilm: "Heaven is a Traffic Jam on the 405"

Bester Animationsfilm: "Coco"

Bester animierter Kurzfilm: "Dear Basketball"

Beste Kamera: "Blade Runner 2049"

Bester Schnitt: "Dunkirk"

Bester Tonschnitt: "Dunkirk"

Beste Tonmischung: "Dunkirk"

Bestes Produktionsdesign: "The Shape of Water"

Beste visuelle Effekte: "Blade Runner 2049"

Bestes Kostüm: "Der Seidene Faden"

Bestes Make Up und Hairstyling: "Die dunkelste Stunde"

 

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Janick Nolting
05.03.2018 - 11:10
  Kultur

Eine ausführliche Rezension zum Gewinnerfilm The Shape of Water gibt es hier.