VG Wort

Analog statt Digital

Ein neuer Rahmenvertrag sorgt für Aufruhr in deutschen Hochschulen. Auch an der Universität Leipzig wird sich ab 2017 für Lehrende und Studierende einiges ändern.
Bücher, Bibliothek
Bald gibt es die Texte für die Seminare nur noch in der Bibliothek

Jeder Student sollte 100 Seiten pro Tag lesen, meinte einmal ein Professor der Germanistik. Egal ob für Vorlesungen oder Seminare – das Studium ist lektürelastig. Zum Glück stellen die meisten Dozenten ihre Texte digital zur Verfügung, damit es keinen Ansturm auf maximal drei Exemplare in der Bibliothek gibt. Doch dieser Komfort findet bald sein Ende. Die Verwertungsgesellschaft Wort (VG Wort) hat für den 01.01.2017 einen neuen Rahmenvertrag entworfen, der genau diese digitale Bereitstellung verkompliziert.

Der neue Rahmenvertrag birgt viele Hürden

Die Bereitstellung der Texte wurde bisher über eine Pauschalvergütung geregelt, das bedeutet, dass die einzelnen Bundesländer einen festgesetzten Beitrag zahlen mussten, um die Lehrtexte digital zu verbreiten. Genau diese Möglichkeit fällt mit dem neuen Rahmenvertrag weg. Ab Januar 2017 muss jede einzelne Nutzung eines Textauszuges der VG Wort gemeldet werden. Dadurch kommt der VG Wort ein umfangreiches Auskunfts- und Prüfungsrecht zu. Dieses Recht führt dazu, dass die jeweilige Universität die Nutzerdaten umfassend offen legen muss, was aus Datenschutzgründen fragwürdig ist. Außerdem dürfen Texte, die von den Verlagen selbst online gestellt werden, nicht mehr für die Lehre verwendet werden. So gehen mit dem neuen Rahmenvertrag viele Probleme mit ein, die es erst einmal zu lösen gilt.

Universität Leipzig ist raus

Für die Studierenden der Universität Leipzig wird ab nächsten Jahr der Gang zur Bibliothek unumgänglich, denn die Universität tritt dem Rahmenvertrag nicht bei und ist dabei nicht die einzige deutsche Hochschule. Die Uni Leipzig begründete ihren Nicht-Beitritt damit, dass ein viel zu großer Aufwand für Lehrende und Serviceeinrichtungen entstehen würde. Dadurch sei es unmöglich alle möglichen Verteilwege zu kontrollieren. Außerdem sieht die Uni ein datenschutzrechtliches Problem und lehnt die Offenlegung der Nutzerdaten ab. Allgemein sehe die Uni die neue Regelung als eine Hürde für die moderne Lehre, denn die bisher einfache Praxis der Lehre wird dadurch unnötig verkompliziert.

Redakteur Marc Zimmer weiß mehr über den neuen Rahmenvertrag und worauf sich die Studierenden ab 2017 einstellen müssen:

mephisto 97.6 Redakteur Marc Zimmer berichtet Moderatorin Isabel Woop über die Neuerungen.
 

mephisto 97.6 Redakteur Marc Zimmer berichtet Moderatorin Isabel Woop über die Neuerungen.

 

Kommentieren

Sophie Rauch
02.12.2016 - 13:48