Klimawandel

Amerikanische Landwirtschaft leidet

Der kalte Winter hält sich im Norden der USA hartnäckig und beeinträchtigt das Leben der lokalen Kleinbauern. In ländlichen Regionen stellen sie oft den Großteil der frischen Lebensmittel. Die schwachen Ernten wirken sich stark auf die Region aus.
Durch die matschigen Äcker ist die Bewirtschaftung schwierig.
Der kalte Winter durchnässt die Äcker.

Viele Amerikaner sind Selbstversorger. Sie fischen, jagen und bauen eigenes Gemüse an. Und das ist in dünn besiedelten Bundesstaaten auch notwendig, denn der nächste Supermarkt kann schnell mal eine Stunde Fahrtzeit entfernt sein. Dadurch entstehen sogenannte Lebensmittelwüsten.

Die lokale Landwirtschaft ist daher besonders wichtig für den Südosten Ohios. Hier liegt auch die Universitätsstadt Athens. Den lokalen Wochenmarkt gibt es seit 50 Jahren. Und die örtlichen Bauern bieten ihre Produkte an. Kip Parkers organisiert die Stände der rund 80 Verkäufer.

"Wir setzen hier pro Jahr mehr als zwei Millionen US-Dollar um und stellen knapp 150 Arbeitsplätze. Der Bauernmarkt ist also nicht nur wegen der Lebensmittel wichtig, sondern auch wirtschaftlich," erzählt Kip Parkers, Organisator des Wochenmarktes.

Einige Meilen außerhalb von Athens liegt John Woods Homecoming Farm. Auf der Fläche einiger Fußballfelder schmiegt sich seine Farm über eine Hügelkuppe. Viele der umliegenden Farmen nutzen das ansonsten beschwerlich nutzbare Hügelland der Appalachen. In diesem Jahr hält sich der Winter noch immer hartnäckig. Auch diese Woche sagt der Wetterbericht wieder Neuschnee voraus – dabei liegt Ohio auf einem vergleichbaren Breitengrad wie Madrid.

Wetter lässt sich nicht ändern

John Wood zuckt bei der Frage nach dem Wetter nur die Achseln. „Damit müssen wir einfach umgehen können, weil wir es ja sowieso nicht ändern können.“ Er ärgert sich allerdings über seine Ahornsirup-Produktion. Die Bäume müssen im Frühjahr angeschnitten werden, sobald es warm wird. Allerdings hat es wenige Tage nach dem Anschnitt in diesem Jahr wieder gefroren und seine Ernte ist daher nicht viel niedriger als sonst.

Das war ein Problem, weil die kleine Landwirtschaft in den Wintermonaten allgemein wenig produzieren kann. Da ist der Sirup eine willkommene Einnahmequelle und dieses Jahr fällt die weg.

John Wood, Bauer

Laut Wood gibt es in Ohio fünf Jahreszeiten: Frühling, Sommer, Herbst, Winter und die Matsch-Saison. „Das bedeutet, dass wir aktuell sehr viele nasse Socken haben und viel waschen müssen.“

Kleinbauern können die Region versorgen

Das kennt auch der erfahrene Farmer Ed Perkins gut. Er bewirtschaftet mit seiner Frau Amy seit den 1970er Jahren eine kleine Farm. Sie leben vom Erlös des Wochenmarktes und stehen damit in direkter Konkurrenz zu den großen Supermarktketten. Dabei könnten die Anwohner theoretisch alles bei lokalen Bauern kaufen.

Hier im Südosten Ohios können wir alles anbauen, was man im Supermarkt findet. Und wenn sich die Wetter- und Grundwasserbedingungen in den großen Agrarbundesstaaten weiter verschlechtern, müssen wir das vielleicht auch irgendwann.

Ed Perkins, Bauer

Durch die langen und kalten Wintermonate hängen viele Bauern ein oder zwei Wochen hinter dem Zeitplan. Da die meisten Äcker mehrfach genutzt werden, verzögert sich der Ablauf des Anbaus des ganzen Jahres, sobald einzelne Gemüsesorten länger brauchen als erwartet.

Einige Farmer haben große Gewächshäuser, die unabhängig der Wetterbedingungen genutzt werden können. Kleinbauern wie John Wood oder Ed Perkins müssen mit dem Wetter leben und setzen auf saisonalen Anbau. Und in diesem Jahr bedeutet das Verzögerung durch den kalten Winter im Norden der USA.

Ein Beitrag von Redakteurin Lauren Ramoser.
1604 Neues aus Ohio

 

 

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