Erotik

"Am besten sogar pervers."

Auf Kerzenschein und Rosen steht der Eine. Ein Anderer mag es hart, vielleicht sogar gefesselt. Manche finden Luftballons erregend. Im AtelierXtreme von Gerd Zimmermann kann man fast jedem Fetisch begegnen.
Das Equipment des Ateliers.
Equipment

Gerd Zimmermann ist der Meinung, dass jeder Mensch einen Fetisch hat. Der Eine lebt ihn aus, der Andere unterdrückt ihn. Eine steile These. Dennoch ist sie die Grundlage für seinen Beruf. Gerd ist Fotograf und Kameramann seines eigenen Fetisch-Ateliers.

Eine Reportage über das Fetischatelier von Gerd Zimmermann - von Giannina Scalabrino und Paul Hildebrand
Fetischfilm

Südlich von Leipzig liegt die unscheinbare Kleinstadt Regis-Breitingen. In einem alten Ausbildungswohnheim für Lehrlinge der Braunkohle-Industrie hat Gerd Zimmermann einen Ort geschaffen, in dem so mancher Fetisch seinen eigenen Raum bekommen hat. Wortwörtlich. Die 3800qm des Ateliers bestehen zum Großteil aus kleinen Räumen, die ganz individuell eingerichtet sind und sogar privat gemietet werden können. 

Oberes Stockwerk

Im oberen Stock des Ateliers findet man unter anderem ein authentisch eingerichtetes Klassenzimmer, einen Raum im Biedermeier-Stil mit kunstvollen Tapeten und ein Zimmer mit einer Couch von Versace.

Das Versace-Zimmer ist mein persönlicher Stolz. Es gibt leider mehrere Studios, die mittlerweile versuchen auch ein Versace-Set zu haben. Das bezieht sich dann meist aber nur auf Versace-Bettwäsche, die dann auch noch gefälscht ist.

Gerd Zimmermann

Das Stockwerk verfügt aber auch noch über ein Chesterfield-Zimmer. Das Set, das seinem Namen durch die luxuriöse, weinrote Ledergarnitur im Chesterfield-Stil hat, eigne sich besonders für junge und unerfahrene Modelle.

Von Dessous zu Luftballons

Auf der breiten Lehne der Couch posiert eine rothaarige 19-Jährige. Sie ist das erste Mal im Fetisch-Atelier. Erotische Bilder gibt es von ihr aber schon. Auf diesen hatte sie aber meist mit relativ viel Stoff ihren Körper verhüllt. In dem beheizten Raum trägt sie nun lediglich Dessous – in schwarz. Nachdem seine Assistentin Patricia das Licht aufgestellt hat, macht Gerd eine Lichtprobe, indem er verschiedene Fotos von dem jungen Model schießt. Dann geht es los.

So. Was ich jetzt von dir möchte is nen Posing. Brust raus. Bauch rein. Die Schultern entspannen, den Hals entspannen. Und bitte die Stirn nicht in Falten legen.

Gerd Zimmermann

Schnell ist die Zurückhaltung des jungen Models verflogen. Gerd möchte ausprobieren, wie sie sich im Bereich des Fetischs schlägt. Es werden Luftballons gebracht, mit denen das Modell auf der Couch posieren soll. Das Dessous-Shooting wird zum Shooting für den Luftballon-Fetisch.

Wie so viele Fetische besitzt der Luftballon-Fetisch verschiedene Ausprägungen – die sogenannten Popper und Non-Popper. Zuerst werden Aufnahmen für die Non-Popper gemacht. Das Modell liebkost und streichelt die Luftballons, die um sie herumliegen. Non-Popper finden es sehr erregend, wenn man gut mit den Ballons umgeht. Das Streicheln und Beschützen des Ballons ist ihnen wichtig. Der Luftballon darf bloß nicht kaputt gehen.

Ganz anders sieht es da bei den Poppern aus. Sie erregt es, wenn die Ballons auf die kreativste Art und Weise kaputt gemacht werden. Damit geht es bei dem Shooting auch weiter: Gerd will von dem rothaarigen Modell, dass sie jeden Ballon einzeln kaputt macht. Das kann auf ganz unterschiedliche Art geschehen. Mit dem Schuhabsatz bis zum Einsatz mit den eigenen Fingernägeln geht das Modell nach und nach den Ballons an den Leib.

Gerd ist zufrieden. Er sieht in dem jungen Modell viel Potential, sie müsse nur noch ihre Zurückhaltung abbauen:

Dann wirst du echt ein sehr sehr gutes Model, davon bin ich überzeugt. Ich kann dir alles beibringen. Was du daraus machst, liegt bei dir. Ich möchte dich gerne zeitnah sehen. Das bedeutet, dass die Abstände nie zu groß werden. Weil sonst vergisst du schnell, was du gelernt hast und wir fangen bei Null wieder an.

Gerd Zimmermann

Gerd will nicht, dass seine Modelle umsonst arbeiten. Er nennt als wichtigste Regel für die Branche, dass sich die Modells nicht an unseriöse Fotografen verkaufen, indem sie kein Geld für ihre Arbeit nehmen. Das erklärt er auch dem 19-jährigen Mädchen.

Der Keller

Im Keller des Ateliers fühlt sich wohl, wer es auch gerne etwas härter mag. Gerd hat dort ein Paradies für die SM- und Bondage-Liebhaber geschaffen. Die verschiedenen Räume sind authentisch als Gefängniszellen und Folterräume gestaltet.

Das ist unsere Gefängniszelle. Die hat auch eine richtige Fütterungsklappe. Alles aus richtigem Stahl. Weiter geht's hier in unserem Bondageraum. Das ist der massivste, den ich je gesehen hab. Hier haben wir auch nen Käfig, der sicherstellt, dass uns die Bondage-Opfer nicht abhanden kommen. Sieht sehr brachial aus. Ist es auch. Aber wir waren so nett und haben eine Fußbodenheizung eingebaut.

Gerd Zimmermann

Geht man weiter den Keller entlang, entdeckt man ganz hinten links auch einen Raum, in dem sich ein elektrischer Stuhl befindet. Gerd erklärt, dass es sich dabei um eine Attrappe handelt, da die Beschaffung von Originalen fast unmöglich ist. Hinrichtungen bilden auch einen Fetisch in der Erotikbranche. Vor allem können gute Fotos und Filme auf elektrischen Stühlen und bei einer Hinrichtung mit der Giftspritze entstehen. Szenen, die auch Gerd gerne darstellen lässt. Nur von Erhängungen lässt er prinzipiell die Finger, weil die Gefahr ihm zu groß sei, dass sich jemand ernsthaft verletze.

Gerds rechte Hand

In fast allen Fetischen hat sich auch die 23-jährige Patricia vor der Kamera schon ausgetobt. Sie ist die Assistentin im Atelier und somit Gerds rechte Hand. Von der Vorbereitung des jeweiligen Sets bis hin zum Schneiden und Bearbeiten des Film- oder Fotomaterials ist Patricia tätig. Doch am liebsten posiert sie auch selbst vor der Kamera. Ihre Arbeit hat sich zu einem richtigen Traumjob entwickelt, erzählt sie. Am liebsten mache sie vor allem Shootings im Keller. Gerd bezeichnet sie sogar als seine kleine Bondage-Expertin. Davon wissen aber ihre Familie und Freunde nichts. Sie sagt einfach, dass sie zur Arbeit geht.

Fetisch: eine ernste Sache

Die Gefahr, dass Freunde und Familie die Arbeiten von Patricia sehen, ist eher gering. Das Atelier findet seinen Fetisch-Markt vor allem in Übersee. Gerd erklärt, dass der deutsche Markt durch seine Geiz-ist-geil-Mentalität eher eine geringe Rolle spielt. In Deutschland seien die wenigsten bereit, viel Geld für erotische Bilder oder Filme auszugeben. Seine Kunden sind stattdessen besonders in Asien und Amerika zu finden. Vor allem Pärchen konsumieren die Arbeiten des Ateliers und lassen sich so für ihr eigenes Sexleben inspirieren. Dabei unterscheiden sich aber die Vorlieben des asiatischen und amerikanischen Konsumenten:

Für die Amerikaner muss es crazy sein und in Asien ist es halt wichtig, dass es ausgefallen ist. Es muss fetischistisch sein, am besten sogar pervers.

Gerd Zimmermann

Gerd bedient dabei alle Bedürfnisse des Marktes. Dabei liegt es ihm besonders am Herzen, jeden Fetisch ernst zunehmen. Denn nur, wenn der jeweilige Fetisch qualitativ hochwertig umgesetzt wird, seien seine Kunden dankbar. 

 

 

Kommentare

Hallo,
ich möchte bitte Kontakt zum Herrn Zimmermann, Gerd aufnehmen. Könnten Sie mir bitte die E-Mail Adresse zu kommen lassen. Mich interessiert das AtelierXtreme von Gerd Zimmermann.
Mit freundlichen Grüßen aus Leipzig
Frank

@Frank Auf der Hompage des Studios findest du mehr Informationen und auch eine Mail-Adresse. Grüße mephisto 97.6

Kommentieren

Giannina Scalabrino, Paul Hildebrand
19.01.2017 - 08:00