CD der Woche

Alternative zum Kuscheln

Nach 18 langen Jahren haben die Brüder Jim und Will Reid ihr Kriegsbeil begraben und "The Jesus And Mary Chain" haben ihre erste Platte seitdem rausgebracht. "Damage and Joy" - zugänglich, aber doch noch irgendwie alternative.
Bandproträt
Jesus and Mary Chain

Comeback-Alben haben ein außergewöhnliches Potenzial dafür phänomenal schlecht zu sein. Zu groß sind die Erwartungen und zu schwer die Nostalgie. Deswegen war man sich auch zumindest in der Skepsis einig, als sich im Januar 'The Jesus and Mary Chain' mit der Single Amputation zurückmeldeten. Eine solide Rocknummer, wirklich gut, wenn sie von irgendeiner anderen Band gekommen wäre, aber von den Urvätern des 'Shoegaze' dann doch ein wenig enttäuschend. Zumindest, nachdem die Anfangseuphorie ein wenig abgenommen hatte. Jetzt kam letzten Freitag das lang erwartete Comeback-Album: Damage and Joy

A Walk Down Memory Lane…

Das Musikphänomen 'Shoegaze' entwickelte sich Anfang der 1980er. Der Name 'Shoegaze' - also 'auf die Schuhe schauen' – kam daher, dass die Sänger und Gitarristen viel mit Soundeffekten arbeiteten – auch live. Deswegen waren sie meistens damit beschäftigt auf den Boden, wo die Geräte waren, zu starren – damit erzeugten sie das Gefühl, zu schüchtern zu sein, um ins Publikum zu blicken. Stimmverzerrer, sphärische und träge Klänge. Das machte das ganze 'Shoegaze'-Genre zu diesem entrückten Zweig des Indierocks in den frühen Achtzigern. Mit dem Album Psychocandy (1985) etablierten sich 'The Jesus and Mary Chain', als nicht wegzudenkender Bestandteil der Szene.

Die zwei Brüder Will und Jim Reid, die die Band gründeten, hatten eine ähnlich notorische Hassbeziehung wie die Gallagher Brüder von Oasis. Gehasst haben sie sich vermutlich sogar noch mehr, als die Britpop-Kollegen, aber geredet haben sie weniger darüber. Die Setlists bei Konzerten waren oft nur zehn Minuten lang – oder kürzer. Außerdem endete das Ganze nicht selten in Prügeleien.

Erwachsen werden ist gar nicht so schwer…

Jetzt nach 18 Jahren, haben sich die Brüder endlich vertragen. "Wir haben das Beil begraben – und zum Glück nicht ineinander", sagten die Brüder als Kommentar zu den Frieden, den sie geschlossen haben. Das Album klingt leider auch ein wenig so.

Solide, aber unaufregend

Das Album hatte mit Amputation einen rockigen Auftakt und auch die zweite Single-Auskopplung Always Sad, blieb dem klassischen Stil der Band treu. Das Ding ist einfach, es ist nichts Besonderes. Damage and Joy hört sich wie eine Reise durch die Alben der vorherigen Bands an. Nur nicht so aufregend. Der Track Simian Split fängt mit einem aufregenden Gitarrensolo an, fällt aber schnell wieder in einen simplen Rocksong mit einem weichen Bass zurück.

Black and Blues, die Nummer auf der auch Sängerin Sky Ferreira gefeatured, hätte mehr Potenzial gehabt. Es ist ein einfaches Liebeslied mit suizidalen Einflüssen. Aber hier hätte man ja mit dem aufsteigenden Rocksternchen zusammenarbeiten können, sich inspirieren lassen können, statt Sky einfach nur die Vocals einsingen zu lassen. Es gibt auch Pop-Einflüsse gibt es zu hören All things Pass erinnern noch am meisten an Songs wie Honey, die den Begriff Pop-Musik und dessen Flexibilität und Vielseitigkeit ausdehnten.

Fazit:

Gutes Album. Großartige Rocknummern. Aber nichts woran wir uns nächstes Jahr erinnern werden.

 

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The Jesus And Mary Chain: Damage And Joy

Tracklist:

1. 'Amputation'

2. 'War On Peace'

3. 'All Things Pass'

4. 'Always Sad'

5. 'Song For A Secret'

6. 'The Two Of Us'

7. 'Los Feliz (Blues and Greens)'

8. 'Mood Rider'

9. 'Presidici (Et Chapaquiditch)'

10. 'Get On Home'

11. 'Facing Up To The Facts'

12. 'Simian Split'

13. 'Black And Blues'

14. “Can't Stop The Rock”

Erscheinungsdatum: 24.03.2017